Jahresausstellung des Zentralschweizer Kunstschaffens: Für einmal in Grösse XL

Die Jahresausstellung des hiesigen Kunstschaffens im Kunstmuseum Luzern ist eröffnet. Irene Bisang gewinnt den Preis der Zentralschweizer Kantone. Miriam Sturzenegger erhält den Ausstellungspreis der Kunstgesellschaft.

Julia Stephan
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Irene Bisang gewinnt mit ihrem Bilderzyklus den Preis der Zentralschweizer Kantone. (Bild: Marc Latzel/PD)

Irene Bisang gewinnt mit ihrem Bilderzyklus den Preis der Zentralschweizer Kantone. (Bild: Marc Latzel/PD)

Ist die Jahresausstellung des Zentralschweizer Kunstschaffens ein «XL»-Burger, in den man herzhaft reinbeissen kann, und der einem nachher wie ein schwerer Kunstüberdruss im Magen liegt? Das Label «XL», mit dem die Macher die traditionelle Werkschau zu Ehren des bald 200-jährigen Jubiläums der Luzerner Kunstgesellschaft in diesem Jahr versehen haben, lässt befürchten, dass mehr Kunst gezeigt wird, als verdaut werden kann. Doch Entwarnung an dieser Stelle! Das «XL» bezieht sich vor allem auf den Zuwachs an Fläche in der von Sammlungskurator Heinz Stahlhut zusammengetragenen Schau.

Statt der üblichen 750 Quadratmeter standen den 47 auserwählten Künstlern im Kunstmuseum Luzern dieses Jahr nämlich ganze 1100 Quadratmeter zur Verfügung. Eine Ermutigung an die Kunstschaffenden, bei ihren Einsendungen, die dieses Jahr erstmals digital erfolgt sind, mehr in die Höhe und Breite zu denken, mehr zu klotzen und zu klecksen.

Räume, die spirituelle Erfahrungen ermöglichen

Das hat Manor-Preisträger Giacomo Santiago Rogado getan. Er baute eine begehbare Installation aus sanft das Licht zurückdrängenden Stoffwänden, auf denen kreisförmige Farbkleckse aus Cyan, Magenta und Gelb Akzente setzen. Der Raum, der zugleich Malerei ist, darf nur allein betreten werden und soll eine spirituelle Erfahrung ermöglichen.

Manche Kunstschaffende setzten die Aufforderung zur Grösse auch ironischer um. Das Künstlerduo Alma (Alf Hofstetter und Max Markus Frei) etwa hat zwei Werke aus seiner stiftungseigenen Sammlung stark vergrössert kopiert und eingereicht. Anderen, wie den in der Region bekannten Malern Nils Nova, Maria Zgraggen oder Anna Margrit Annen, die traditionell dem grossformatigen Acryl- oder Ölbild verhaftet sind, profitierten von diesem Ausstellungsmodus, der den Bildern mehr Luft zum Atmen lässt.

Apropos Atemluft: Zum Staunen bringt einen Matteo Laffrancis mit weinroter Farbe bemaltes und übers Eck gespanntes Textil «Respiro». Ist das ein Polster oder wirklich ein fragiles Textilstück, das sich da zwischen zwei Wänden aufbläht wie ein gut gefüllter Lungenflügel?

Origami-Kunst und Agglo-Tristesse

Der weltbekannte Luzerner Origami-Künstler Sipho Mabona hat sich vom Falten spektakulärer Tierfiguren inzwischen mehr ins konzeptuelle Fach verlegt. Auf ein indigoblaues Baumwoll-Maltuch imitierte er mit Texturpaste und Acryl die Kanten eines aufgefalteten Origami-Kunstwerks. Dessen Linien und Symmetrien entfalten ihre eigene Schönheit.

Mit Symmetrien spielt auch die jüngste Teilnehmerin, Johanna Gschwend (*1990). Die Einförmigkeit und Uninspiriertheit der Agglo-Architektur flimmert über ihr Zwei-Kanal-Video, das Strassenzüge und Häuser zeigt, die wie Kopien erscheinen. Das Unheimliche bricht sich dennoch regelmässig Bahn – dann, wenn die vorgebliche Symmetrie durch einen in den Bildraum hängenden Ast plötzlich gestört wird.

Das Unheimliche an die Oberfläche gebracht

Mit Architektur auseinandergesetzt hat sich auch die Gewinnerin des Ausstellungspreises der Kunstgesellschaft Luzern, Miriam Sturzenegger. Weisse Zylinder, die das gebrochene Weiss der Ausstellungswände kontrastieren, stehen auf einem klar ab­gegrenzten Feld. Dazwischen: Stein- und Betonfundstücke, welche die Künstlerin in der Nähe ihres Ateliers auf dem Viscosi-Areal in Emmenbrücke gefunden hat.

Die für ihre figürliche Malerei bekannte Luzerner Malerin Irene Bisang gewinnt verdient den Preis der Zentralschweizer Kantone, der mit einem Atelierankauf und einem Preisgeld von 12000 Franken verbunden ist. Bisang holt neben Pat Treyers ausdrucksstarkem Frauenporträt ebenfalls das Unbewusste und das Unheimliche der Existenz an die Oberfläche. Ihre lose an den Wänden verteilten kleinformatigen Ölbilder lassen sich einzeln wie in Gruppen narrativ miteinander verbinden wie Symbole eines Traumes, der keiner geregelten Logik folgt.

Jahresausstellung des Zentralschweizer Kunstschaffens. Kunstmuseum Luzern. Künstlerrundgänge am 2. 12., 12. 12., 19. 12. Von 24. 12. bis 25. 12. ist die Ausstellung geschlossen. Bis 6. 1. 2019. www.kunstmuseumluzern.ch