Luzerner Theater
«Austausch ist das, was wir heute brauchen» – Tanzdirektorin Wanda Puvogel im Interview zur ersten Premiere

Es ist die erste Tanzpremiere am Luzerner Theater unter ihrer Leitung. Wanda Puvogel über das Stück «From Human to Kind» und darüber, was die Gastchoreografen Muhammed Kaltuk, Mthuthuzeli November und Inbal Pinto verbindet.

Interview: Edith Arnold Jetzt kommentieren
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«From Human to Kind» im Luzerner Theater; Choreografie: Muhammed Kaltuk, Mthuthuzeli November und Inbal Pinto.

«From Human to Kind» im Luzerner Theater; Choreografie: Muhammed Kaltuk, Mthuthuzeli November und Inbal Pinto.

Bild: Caroline Minjolle (Probe vom 29. November 2021)

Wanda Puvogel, werden durch «From Human to Kind» neue freundliche Menschenarten zu sehen sein, oder wie soll der Titel Ihres ersten Tanzabends ausgelegt werden?

Bei genauer Übersetzung verläuft man sich. «From Human to Kind» ist für mich ein Wortspiel aus «humankind», Menschheit, und «kind», was ja Art, Gattung und freundlich heisst. Ich will ein Programm zeigen, das bündelt, was ich für Luzern schön fände: viele Spielarten von dem, was Tanz heutzutage sein kann.

Was denn?

Ich komme vom Tanzfestival Steps nicht zuletzt mit der Idee, Stile wie Hip-Hop, Tanz aus anderen Regionen der Welt oder Ballett zu vereinen. Der Gastchoreografin und den zwei Gastchoreografen gab ich kein Thema vor, sondern liess sie selber herausfinden und entscheiden: «Was eint euch, wo findet ihr euch bei aller Unterschiedlichkeit?»

Etwa beim Körper?

Wanda Puvogel, Leiterin der Sparte Tanz am Luzerner Theater.

Wanda Puvogel, Leiterin der Sparte Tanz am Luzerner Theater.

Bild: Luzerner Theater

Nach vielen Gesprächen landeten sie beim Thema «Mensch». Alle Begegnungen fanden auf Zoom in Englisch statt. So ganz ohne physischen Kontakt stellten sie fest, dass der Mensch ein viel sozialeres Wesen ist, als man immer denkt. Er braucht Interaktion bei räumlicher Nähe.

Muhammed Kaltuk und Mthuthuzeli November, die zwei Choreografen, lernen die meisten erst kennen. Dafür wurde Choreografin Inbal Pinto seit 2000 bereits drei Mal von Steps programmiert.

Die Israelin ist inzwischen etabliert, auch in Asien. Im Luzerner Theater zeigt sie ein «Kaleidoskop des Menschseins». Ihre Kollegen sind derweil auf dem Sprung nach oben: Muhammed Kaltuk ist ein Hip-Hop-Tänzer aus Basel, der diese Saison zudem ein Stück fürs Ballett Theater Basel macht und mit seiner Compagnie in Deutschland auf Tournee geht. Mthuthuzeli November aus Südafrika tanzt nach wie vor beim Ballet Black in London und choreografierte bereits fürs English National Ballet. Im deutschsprachigen Raum hat man noch kein Stück von ihm sehen können.

Wann haben Sie ihn «entdeckt»?

Ich habe ein gutes Netzwerk, er wurde mir vor einem Jahr empfohlen. Mich faszinieren Begegnungen und Beziehungen. Mthuthuzeli November verkörpert afrikanischen Tanz und Ballett. Muhammed Kaltuk verbindet Hip-Hop und zeitgenössischen Tanz. Beide trafen bei Tanz Luzern auf eine Compagnie mit einem nochmals anderen Hintergrund. Dadurch hat sich zwischen allen ein zusätzlicher Austausch ergeben. Das ist in dieser Zeit, in der viele in ihrer eigenen Bubble sind, genau das, was es braucht.

Ist das Ensemble, das ja bereits mit Bewegungen aus Kampfkunst oder Akrobatik überzeugte, seit den Trainings im August noch diverser geworden?

Ich finde jedenfalls, dass man es mehr sieht. Der Choreografin Inbal Pinto zum Beispiel ist der Mensch im Tänzer und in der Tänzerin wichtig. Sie möchte, dass sie authentisch sind, nicht spielen. Es geht darum, eine Gruppe aus Persönlichkeiten zu erleben, deren Facetten immer weiter schimmern.

«From Human to Kind», Tanz Luzern: Premiere am 3. Dezember, 19.30, im Luzerner Theater; www.luzernertheater.ch

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