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AUSZEICHNUNG: Herzblut für die Vielfalt der Musik

Albin Brun (58) macht sein Leben lang Musik, in einer beeindruckenden Bandbreite. Jetzt erhält er als erster Luzerner den Schweizer Musikpreis.
Pirmin Bossart
«Musik ist eine Lebensaufgabe», sagt Albin Brun (58). (Bild: PD)

«Musik ist eine Lebensaufgabe», sagt Albin Brun (58). (Bild: PD)

Albin Brun, morgen Freitag können Sie in Basel – zusammen mit 14 anderen Musikerinnen und Musikern – den jeweils mit 25 000 Franken dotierten Schweizer Musikpreis entgegennehmen. Was ist das für ein Gefühl?

Ich empfinde diesen Preis als grosse Ehre. Er zeigt mir, dass die Musik, die ich mache, wahrgenommen und geschätzt wird. Genremässig ist sie ja nicht so leicht einzuordnen, da freut mich diese Würdigung umso mehr. Die prominente Auszeichnung gibt mir Rückenwind und Motivation, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen.

Nach welchem Prozedere wird der Schweizer Musikpreis vergeben?

In den verschiedensten musikalischen Sparten sind Experten am Werk, die jeweils mögliche Namen eruieren. Aus den 60 bis 70 Namen, die am Ende zusammenkommen, wählt dann eine Jury die 15 Preisträger aus. Einer von ihnen wird morgen Abend den mit 100 000 Franken dotierten Grand Prix gewinnen.

Was rechnen Sie sich für Chancen aus?

Ich rechne mit überhaupt nichts. Ich bin sehr glücklich über den Schweizer Musikpreis.

Sie werden in der Vorstellung der Preisträger als «Erneuerer der Schweizer Volksmusik» bezeichnet. Passt diese Charakterisierung?

Sie ist nur bedingt zutreffend. ­Natürlich lasse ich auch Einflüsse aus der Volksmusik einfliessen. Aber es ist nicht mein Bestreben, die Volksmusik zu erneuern, sondern meine persönliche Musik zu finden. Dazu gehören auch Einflüsse anderer Musikkulturen sowie die Erfahrungen mit Jazz und Improvisation.

Wie verläuft diese Suche nach der eigenen Musik?

Sie ist ein ständiger Prozess, der sich in meinen verschiedenen Formationen abspielt. Das Ziel ist nie erreicht. Das ist das Schöne in der Musik: Es ist eine Lebens­aufgabe. Wenn ich nur schon an mein diatonisches Örgeli denke: Die Möglichkeiten darauf sind so limi­tiert, dass ich eigene Wege finden muss, diese Grenzen auszudehnen. Diese Einschränkung bringt mich auf neue Ideen und trägt dazu bei, dass die Musik eine persönliche Handschrift bekommt.

Woher kommt Ihr Interesse für skandinavische, mediterrane oder südosteuropäische Musik?

Es ist immer schon da gewesen. Die Musik ist so reich an harmonischen, melodischen oder rhythmischen Ausdrucksformen! Solange mich Musik berührt, sehe ich keinen Grund, mich stilistisch einzuschränken. Schon in den 1970ern öffnete ich mich für die verschiedenen volksmusikalischen Welten. Damals spielte ich vor allem Mandoline, Banjo und Bouzouki und konnte rund 150 irische Stücke auswendig spielen.

Nach ihrer Folkzeit kamen die jazzigen Jahre mit der Formation Interkantonale Blasabfuhr. 2001 produzierten Sie mit «Pilatus» ihr erstes eigenes Werk.

Dieses Soloalbum, auf dem ich alle Instrumente selber eingespielt hatte, war ein Wendepunkt für mich. Es brachte vieles ins Rollen. Ich erhielt eine Einladung ans Alpentöne-Festival und wurde dadurch veranlasst, eine Live-Umsetzung auszuarbeiten. So entstanden meine Alpin-Bands, die wiederum neue Projekte und Kooperationen auslösten.

Was sind Ihre wichtigsten Projekte zurzeit?

Ich bin oft im Duo mit der Akkordeonistin Patricia Draeger unterwegs. Nächste Woche sind wir in Georgien, später spielen wir in Ägypten mit einheimischen Musikern. Mit dem Albin Brun Trio und Isa Wiss nehmen wir bald eine CD auf. Auch das NAH-Quartett ist auf der Agenda und Kazalpin mit den drei weissrussischen Sängerinnen. Ich arbeite auch mit Bruno Amstad, Corin Curschellas oder dem Schauspieler Walter Sigi Arnold. Zurzeit bin ich wohl in knapp einem Dutzend Projekte beschäftigt.

Sie haben auch Musik für Hörspiele, Filme und Theater produziert, machen mit Frächdachs improvisierte Kinderkonzerte, arbeiten mit Spoken-Word-Künstlerinnen oder Chören zusammen. Spüren Sie nach 40 Jahren auf der Piste noch keine Abnutzungserscheinungen?

Es überrascht mich selber, aber die Begeisterung ist mir nicht ­abhandengekommen. Ich freue mich immer, wenn ich spielen oder etwas Neues ausprobieren kann, wie kürzlich mit der jungen Cellistin Kristina Brunner. Es war wunderbar, wie Örgeli und Cello zusammenklangen. Da möchte ich dranbleiben.

Noch ein Projekt mehr?

Mir fällt es viel leichter, etwas Neues anzufangen, als mit etwas aufzuhören. Deswegen auch die vielen Formationen. Ich finde vieles spannend und bin einfach neugierig, wie sich etwas entwickelt.

Interview: Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

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