AUSZEICHNUNG: «Ich male, bis ich überrascht bin»

Peter Roesch hat den Kunst- und Kulturpreis 2017 der Stadt Luzern erhalten. Ehe ihn die Malerei gepackt hat, wäre der Luzerner Künstler jedoch beinahe Rockgitarrist geworden.

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Kunstpreisträger Peter Roesch in seinem Atelier an der Habsburgerstrasse in Luzern.Bild: Corinne Glanzmann (29. Mai 2017)

Kunstpreisträger Peter Roesch in seinem Atelier an der Habsburgerstrasse in Luzern.Bild: Corinne Glanzmann (29. Mai 2017)

Eines steht fest: Der Kunst- und Kulturpreis der Stadt, dotiert mit 25 000 Franken, wird keinem Nobody vergeben. So ist denn auch der diesjährige Gewinner Peter Roesch (67) schon lange ein renommierter Kunstschaffender. «Es ist grossartig, dass die Stadt so einen Preis an einen Künstler verleiht», freut sich dieser. Der Luzerner Maler und Zeichner habe, so die Begründung der Stadt, eine wache Haltung, die sich in seinen Bildern niederschlage, die wiederum eine stete Weiterentwicklung und Reifung seines Schaffens aufzeigen.

Künstler zu werden, war aber gar nicht die Absicht des jungen Peter Roesch. «Ich hatte beruflich keine Idee. Mein früh verstorbener Vater war Möbeldesigner. Alles, was ich wollte, war darum, in die Kunstgewerbeschule an der Rössligasse zu kommen», erinnert er sich. Damals gab es noch keine Abteilung für freie Kunst, so dass die meisten Kunstschaffenden seiner Generation, etwa Rolf Winnewisser, Dieter Roth und eben auch ­Roesch selbst die Ausbildung zum Grafiker machten. «Ich wusste allerdings schon nach zwei Jahren, dass ich nicht als Grafiker arbeiten will. Doch mein Umfeld bestärkte mich darin, die Ausbildung fertig zu machen. Mein Glück war, dass ich zusätzlich eine Lehre im Atelier von Josef Ebinger abschliessen konnte.»

Ein Hippie mit Existenzängsten

Die richtigen Menschen zur richtigen Zeit zu treffen, das sei oft sein grosses Glück gewesen. Auch nach der Ausbildung hat ein Projekt das nächste ergeben, und Roesch hat schnell Galerien gefunden, die mit ihm arbeiten wollten. «Erst habe ich ein halbes Jahr als Hippie in Kreta gelebt, dann habe ich mich für die Bildhauerabteilung angemeldet und ein eidgenössisches Stipendium gewonnen», erzählt er. Danach hat es Peter Roesch wieder in die Welt hinaus gezogen. Erst lebte er in Rom, dann in Paris, München, und seit 1995 ist er wieder zurück in Luzern. «Ich musste mich vor allem auf das Neue einlassen. Aber das war einfach für mich, denn ich kannte ja nichts anderes und hatte ein gewisses Grundvertrauen.» Und doch hatte er auch immer Existenzängste.

Häufig hat Roesch Anfragen zum Unterrichten erhalten, was er aber «immer für etwas Langweiliges hielt». Doch dann wollte ihn die «Ecole supérieure des ­beaux-arts» in Genf engagieren. Roesch sagte zu. Zum Glück: Die Arbeit mit den Studenten habe ihn «wieder neugierig und demütig» gemacht. «Ich war damals etwas arrogant. Die Studenten wollten mit ihrer Arbeit die Welt verändern – das hat mich berührt und mich davor gerettet, dass ich mich einfach in mein Atelier zurückgezogen hätte.»

Peter Roesch sagt von sich, dass er kein Künstler mit einer Message sei. «Als Künstler will ich mir selber beweisen, dass ich etwas kann. Man möchte Erfolg haben und geliebt werden.» Das hätte er vielleicht auch mit seiner Band erreichen können: In seinem Atelier steht nämlich eine Rockgitarre mit Verstärker. «Ich spielte damals in der Band Cheyenna. Wir waren sogar mal die Vorgruppe von Rod Stewarts Small Faces. Doch wir konnten nur drei Stücke, der Rest war improvisiert», sagt er lachend.

Das Spektakel hätte ihn aber immer mehr interessiert als die Musik, darum sei er nicht Musiker geworden. Stattdessen hat ihn die Malerei gepackt: «Das ist wie ein Sog. Man findet seine eigene Bildsprache, lebt darin. Malerei wird spannender, je tiefer man hineingerät, aber auch immer schwieriger.» Darum hält der Maler seine Bilder so lange wie möglich zurück. Sie würden mit der Zeit wie von selber fertig, vorher blieben sie fragil. Ihm ist dabei nicht wichtig, dass der Betrachter seiner Bilder das Gleiche spürt wie er. «Ich male, bis ich überrascht bin, bis das Bild leuchtet.» Roeschs Stil schwankt zwischen abstrakt und figurativ, meist arbeitet er aber von einer Zeichnung ausgehend. Roesch: «Ich schaue, was zu machen ist.»

Natalie Ehrenzweig

stadt@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Peter Roeschs Arbeiten werden ab dem 23. August in der Galerie&Edition Marlene Frei in Zürich gezeigt. Ab dem 1. September nimmt er an der Ausstellung «Fortsetzung folgt – 140 Jahre HSLU D&K» im Akku Emmen teil.