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AUTOBIOGRAFIE: Alain Claude Sulzer: Hart wie Rosshaar

Der Schweizer Schriftsteller Alain Claude Sulzer erzählt in seinem neuen Buch in komischen und scharfen Beobachtungen von seiner Jugend.
Bernadette Conrad
Schriftsteller Alain Claude Sulzer erzählt in seinem neuen Buch von seiner Jugend. (Bild: Gunter Glücklich)

Schriftsteller Alain Claude Sulzer erzählt in seinem neuen Buch von seiner Jugend. (Bild: Gunter Glücklich)

Eine enge Welt ist es, die Alain Claude Sulzer in seinem auto­biografischen Erinnerungsbuch «Die Jugend ist ein fremdes Land» beschreibt. Riehen, Basler Peripherie, in den 1950er- und 60er-Jahren: Das ist ein Ort, durch den freundliche junge Diakonissen laufen, und wo man in der Primarschule das Rechnen mit einem abstrakten Holzstäbchensystem erlernt. Wo man selbst auf dem Weg nach Bern, wenn es über die Passhöhe des Hauenstein ging, so sehnsüchtig auf Zuhause bezogen blieb, dass jedes Auto mit Basler Kennzeichen unter dem Schreien der drei Buben und dem Hupen des Vaters begrüsst wurden.

Schnell zurück nach Riehen: Die persönliche Welt des Kindes Alain bemisst sich nach der Entfernung zwischen dem Elternhaus und jenem der Grosseltern, das über «unzählige Dinge verfügte, die es in unserem Haus nicht gab: ausser dem Türmchen – reinem Zierrat – ein Gartentor, einen Gemüsegarten, Kieswege und ein Ziegeldach…». Bis hin zu Ohrensesseln und Kachelöfen reicht die detailgenau erinnerte Andersartigkeit des Grosselternhauses. Es liest sich beeindruckend, mit wie vielen Winkeln und Gegenständen dieses Hauses, und natürlich seinen Menschen, vor allem mit der im Obergeschoss wohnenden Grosstante «Tanti», sich das Kind verbunden hat: ganz anders als im Elternhaus, das als avantgardistisches Haus mit Flachdach und schwarzen Spanntapeten des Vaters ganzer Stolz ist, aber Behaglichkeit weder ausstrahlt noch ermöglicht.

Vater und Mutter gemeinsam, doch getrennt

Dort ist der ebenfalls schwarze Wohnzimmerteppich «hart und widerständig wie Rosshaar», und ein der Entspannung dienendes Möbelstück wie ein Sofa kommt nicht vor. «Worte wie kuschelig oder gemütlich waren Fremdworte, nicht nur, weil wir mit unserer Mutter französisch sprachen.» Was für den Vater nicht in die Designerumgebung passte, passte der Mutter aus anderen Gründen nicht. «Das Haus meines Vaters war nicht das Haus meiner Mutter», heisst ein in den ersten Kapiteln platzierter Schlüsselsatz, und eigentlich hätte man es schon gleich von den allerersten Seiten an wissen können, dass eine so herzlich ungewollte Ehe nicht zu einem freundlich-warmen Familienhaus führen würde. Aber da waren sie nun, die beiden, die sich in der Nervenheilanstalt Münchenbuchsee kennen gelernt hatten; der Patient und die Krankenschwester, die nun schwanger war. Man heiratete – ohne Familie, Freunde oder Kollegen: «Der Hochzeitstag wies den Weg in die lebenslängliche Abschottung.

Das Radio als Verbindung zur Aussenwelt

Wie ernst es gerade die Mutter mit der Abschottung meinte, zeigt sich daran, dass sie auch in langen Lebensjahrzehnten in Riehen ganz bewusst ihr Deutsch nicht über Bruchstücke hinaus entwickelte. Welt kam in diese Enge für Alain und seine beiden Brüder Francis und Daniel durch die in SIW-Heftchen vermittelte Bildung, durch Trudi Gersters Stimme aus dem Radio, ja, überhaupt das Radio, Radio Beromünster! Vor dem geistigen Auge der Leserin entsteht das Bild eines fantasievollen Kindes, das sich in einer an Anregungen und Reizen relativ armen Umgebung begierig auf alles stürzte, was nach draussen, in die Weite führte. Das war schon bald die Welt der Kunst: Günther Strack, der bei einer Freiluftaufführung in Basel den Tell gab, während der 10-jährige Alain als Statist mitwirkte, es aber auf ein Foto mit Tell schaffte, ganz so als wäre er der Sohn des Helden. Und dann natürlich: die Bücher!

Reise nach Paris bei Nacht und Nebel

Dass der 16-jährige eines Tages mit seinem besten Freund beschloss abzuhauen – nach Paris, den «Ort der Sehnsucht», verwundert nicht. Eher schon, dass sie es dann tatsächlich taten – ohne die Eltern zu informieren oder gar zu fragen, einfach auf und davon mit dem Nachzug und den Ersparnissen.

Bernadette Conrad

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