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AUTOBIOGRAFIE II: Deborah Feldmans Sprung ins Leere

Deborah Feldman legt mit «Überbitten» die Fortsetzung ihres Erstlings «Unorthodox» vor. Darin erzählt sie etwas ausufernd von der schwierigen Identitätssuche nach ihrer Flucht aus einer jüdischen Sekte.
Christina Genova
Die Bestsellerautorin Deborah Feldman wohnt in Berlin. (Bild: Manuel Lopez/KEY (Leukerbad, 2. Juli 2016))

Die Bestsellerautorin Deborah Feldman wohnt in Berlin. (Bild: Manuel Lopez/KEY (Leukerbad, 2. Juli 2016))

Christina Genova

«Sieben Jahre war ich eine Art Flüchtling», schreibt Deborah Feldman im Vorwort zu ihrem neuen Buch «Überbitten». Es ist die Fortsetzung ihres Bestsellers «Unorthodox». Darin erzählt sie von ihrer Kindheit in der ultraorthodoxen chassidischen Gemeinde der Satmarer Juden in New York und wie es ihr und ihrem Sohn gelingt, die jüdische Sekte zu verlassen. In «Überbitten» schildert die 31-Jährige, was danach geschah. Zwar wird Deborah Feldmans Leben nun nicht mehr von strengen religiösen Regeln bestimmt und sie hat die Fesseln ihrer arrangierten Ehe abgestreift. Aber die Autorin muss sich nun zurechtfinden in einer Welt, die ihr anfangs völlig fremd ist. Denn die Satmarer Juden, die mitten in New York leben, schotten sich völlig ab von der als feindlich und verdorben empfundenen Umgebung. Sieben Jahre braucht Deborah Feldman, um darin ihren Platz zu finden.

Ein Familiengeheimnis wird gelüftet

Feldman zieht nach Manhattan. Dort ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass liberale Richter ihr das Sorgerecht für ihren Sohn zusprechen. Der Preis den, sie dafür bezahlt, ist hoch: Ihr Sohn bekommt ein Stipendium an einer liberalen jüdischen Schule, wird dort aber von den Söhnen reicher Gönner misshandelt, ohne dass diese zur Rechenschaft gezogen werden. Feldman, die dazu erzogen wurde, Reichtum als unsittlich und Hauptwurzel alles Bösen anzusehen, muss erkennen, dass sie in einer Stadt lebt, in welcher der Wert eines Menschen von dessen finanziellen Möglichkeiten bestimmt wird. Als der Autorin das Geld auszugehen droht, sieht sie sich gar zu einer Eizellenspende gezwungen.

Viel Platz nimmt im Buch Deborah Feldmans Suche nach einer neuen Identität als säkulare Jüdin ein. Manche Passagen sind dabei etwas ausufernd geraten, überhaupt vermisst man in «Überbitten» die Dichte der Beschreibungen des Erstlings und den Sog, der sich bei dessen Lektüre entwickelte. Doch wiederum ist man beeindruckt von Feldmans ausserordentlicher Persönlichkeit, ihrem Mut und ihrer Stärke.

Auf ihrem Weg zu sich selbst helfen Feldman Bücher. Ihre Begleiter sind Hannah Arendt, Jean Baudrillard oder Primo Levi. Sie reist mehrmals nach Europa auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Familie und insbesondere ihrer Grossmutter – einer Holocaustüberlebenden. Bei ihren ­Recherchen lüftet sie gar ein ­Familiengeheimnis. Es wird ihr schliesslich dabei helfen, endgültig anzukommen. Deborah Feldman macht auch mehrmals Station in Deutschland, dem Ort des Bösen schlechthin. Die Erinnerung an den Holocaust bestimmte ihre Kindheit; in ihrer Satmarer Gemeinde gab man den Juden selbst die Schuld daran und fasste ihn als Strafe Gottes auf. Auch über die Liebe nähert Feldman sich Deutschland an, hat gar eine etwas bizarre Beziehung zum Enkel eines Nazis. Auch bei Berlin, der Stadt ihrer Bestimmung, ist es Liebe, aber auf den zweiten Blick. Als die Autorin dorthin reist erkennt sie, «dass Berlin eines der seltenen Zuhause für Entwurzelte war, ein Ort der Rast für Verlorene». Doch erst nach einem enttäuschenden Besuch in Israel weiss sie, dass sie Berlin nie mehr verlassen wird und ihre Flucht ein Ende hat.

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