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B-Sides gestartet: Die Nacht der coolen Frauen

Die Libanesin Yasmine Hamdan und eine gute Auswahl von einheimischen Bands haben gestern das B-Sides auf dem Sonnenberg eröffnet. Es war ein prächtiger Auftakt.
Pirmin Bossart
Die Libanesin Yasmine Hamdan überzeugt am B-Sides Festival auf dem Sonnenberg. (Bilder: Manuela Jans-Koch, 14. Juni 2018)

Die Libanesin Yasmine Hamdan überzeugt am B-Sides Festival auf dem Sonnenberg. (Bilder: Manuela Jans-Koch, 14. Juni 2018)

Yasmine Hamdan (42) erscheint mit Lederjacke und weissem T-Shirt auf der Bühne. Nichts von Oriental-Chick, schlicht ist ihre Bühnenpräsenz. Aber bald taut sie auf und beginnt mit tänzerischen Bewegungen ihre Band und das Publikum zu animieren. Die gebürtige Libanesin, die mit den Sopakills in Beirut die erste Independent-Band des Nahen Ostens gegründet hatte und in Paris lebt, war nie eine angepasste Frau, die brav die musikalische Tradition weitergeführt hätte. Von Anfang an integrierte sie westliche Pop-Attitüden.

Zumindest der erste Teil ihres Konzerts gleicht dem Global-Pop, wie er inzwischen überall mit den jeweiligen kulturellen Parfums aufgewürzt und dem transnationalen Publikum serviert wird. Ihr arabisierter Gesang zeigt sich durch die Sprache und weniger durch die differenzierten Betonungen, wie sie die traditionelle Musik des Nahen Ostens prägen. Die Band unterfüttert die Songs mit wuchtigen Bassdrum-Vibrationen, schwebenden Synthie-Sphären und perkussiven Geflechten.

Yasmine Hamdan.

Yasmine Hamdan.

Hamdan startet mit Songs aus ihren letzten Alben «Ya Nass» (2013) und «Al Jamilat» (2017), von denen es auch spannende Remixes gibt. Es sind Songs mit Emotionen und Stimmungen, die sich nicht um nationale und kulturelle Grenzen kümmern, sondern Menschen von hier und heute ansprechen.

Neue Songs von Pink Spider

Mit dem Konzert von Yasmine Hamdan bricht auf dem Sonnenberg die Nacht ein. Das Festival begann schon einige Stunden früher, als die Sonne noch warm auf das Festivalgelände schien und dem zahlreichen Publikum das versprach, was ein Festival bieten will: lockere Stimmung, Leute treffen, quatschen, Bier trinken, gesunden Food essen, Musik hören. Von Letzterer gab es viel.

Noch klebt der Schweiss am Körper, als kurz nach 17 Uhr Pink Spider ihr Set beginnt. Wie oft kommt an einem Konzert von Pink Spider das Gefühl auf, jetzt habe man sie dann gehört? Nie. Die Luzerner Singer-Songwriterin hat mit ihrer rau gefächerten Stimme und ihren unspektakulär packenden Songs jedes Herz auf ihrer Seite. Es ist das offene Herz, das Sehnsucht hat, sich durchschlägt und auch mal Staub frisst. Aber das Leben spürt.

Pink Spider spielt nicht nur eine Handvoll neuer Songs, sie bittet mit Christof Zurbuchen auch einen Gast auf die Bühne, der sie zunächst mit Geräuschen auf der elektrisierten Bassklarinette begleitet. Aber dann öffnet sich die Musik zu kleinen Jams, die auch einen alten Song wie «Davey Jones» fast jazzig bereichert. «Wir versuchen, uns selber aus der Komfortzone zu holen», sagt sie. Auch ihre neuen Songs sind schlichte, intime Lieder mit guten Texten, die auch phonetisch-musikalisch reizvoll sind.

Ausgeklügelt und von einem zeitgenössischen Pop-Flair inspiriert ist die Musik des Luzerner Quartetts Jon Hood mit der feinsinnigen Sängerin und Gitarristin Joan Seiler, dem Gitarristen-Mind Martin Schenker (Alois) und dem wunderbar akzentuierenden Schlagzeuger Mario Hänni. Die Band bereichert ihre oft schwebenden Songs mit einer kraftvollen Dynamik. Die Musik ist gespickt mit unkonventionellen Harmonien und Melodien, die dennoch ins Ohr gehen und einen Sound generieren, der Anleihen von Radiohead und Björk in Erinnerung ruft, aber mit dem präzisen Spiel und rockigen Phrasen einen eigenen Touch entwickelt.

Ester Poly – ein heisses Duo

Einen ambivalenten Eindruck hinterlässt das Set der ewig wandelbaren und deswegen auch faszinierenden Zürcher Sängerin und Gitarristin Evelinn Trouble. Sie tigert im Leoparden-Outfit auf der Hauptbühne herum und versucht, das Vorabendvolk aus der Reserve zu locken, was nicht wirklich gelingt. Selbst dann nicht, als die Band nach schwellenden Popsongs mit starker Stimme auf technoide Beats schaltet und einen Power-Gang zusetzt. Die Frau hat definitiv etwas zu sagen, aber auf dem Sonnenberg kann sie mit ihrer Energie nur bedingt andocken.

Das gelingt dem Duo Ester Poly mit Martina Berther (Bass, Electronics) und Béatrice Graf (Schlagzeug) ohne Murks und Animationsgetue. Die beiden Musikerinnen sind das Highlight des Abends. Unverblümt, mit cooler Spielfreude, mal geradlinig-punkig, mal sinnlich, mal mit trashigem Sound lässt die Musik Gehirnzellen und Körper vibrieren. Das Publikum kommt in Fahrt und feiert das Duo. Verdient.

Das B-Sides dauert bis Samstag. Tickets gibt es nur noch für Samstagnachmittag. www.b-sides.ch.

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