BABY: Und wie genau soll DAS jetzt gehen?

Nun muss auch Prinz William Windeln wechseln. Gar nicht einfach für einen, der sich einen Hofstaat gewöhnt ist. Fünf Tipps von jungen Eltern auf der Redaktion.

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Der Blick ist noch etwas ratlos, aber schwer verliebt: Prinz William und sein Sohn George Alexander Louis, der übrigens bereits eine Wikipedia-Seite hat. (Bild: Yui Mok/Keystone)

Der Blick ist noch etwas ratlos, aber schwer verliebt: Prinz William und sein Sohn George Alexander Louis, der übrigens bereits eine Wikipedia-Seite hat. (Bild: Yui Mok/Keystone)

Eigentlich ist es beruhigend, zu wissen, dass auch Prinzen nicht alles in die Wiege gelegt bekommen. Vor allem wenn tatsächlich ein Prinz in der ­Wiege liegt. So wie jetzt bei Prinz William und seinem Sohn George Alexander Louis. William und Kate dürften genau so ratlos und rastlos sein wie alle frischgebackenen Eltern auf dieser Welt. Zwar haben sie wohl einen ganzen Hofstaat an Helfern und Helfershelfern, aber das schützt nicht vor einer intensiven, wenn auch sehr schönen Zeit.

«Einfach lieben»

An guten Ratgebern und Tipps mangelt es den beiden ja eigentlich nicht. So haben etwa Bruce Willis («bleibt im ersten Jahr einfach zu Hause, geht nirgendwo hin, seid einfach da, spielt jeden Tag mit dem Baby») und Johnny Depp («das Beste, was man tun kann, ist, die Kinder einfach zu lieben und für sie da zu sein») schon ihre Ratschläge mit auf den Weg gegeben. Trotzdem: Gerade in den ersten Monaten ist man oft etwas überfordert. Alle wohl gleichermassen – auch wenn es in der Schwere variiert.

Und weil Babys keine Unterschiede machen, ob ihr Papa nun blaues oder rotes Blut in den Adern hat, haben wir uns auf der Redaktion mal bei Eltern umgehört, die vor kurzem in einer ähnlichen Situation waren. Und falls es Prinz William und Herzogin Kate wider Erwarten nicht lesen sollten, so hilft es ja vielleicht einem anderen Paar. Schliesslich ist ja jedes Kind ein Prinz oder eine Prinzessin. Meist besteht der Hofstaat halt nur aus Mama und Papa. Aber auch die kann man ganz schön auf Trab ­halten

Das Baby gibt den Rhythmus an


Schlafen Babys, auch dem Royal Baby, ist es herzlich egal, ob gerade eine Krönungs- oder andere Feier ins Haus steht. Am liebsten geht es immer um die gleiche Zeit ins Bett. Und doch geht das dann jeweils sehr gut, wenn man mit dem Kleinen bis spät in die Nacht auf einem Ball sitzt. Einfach weil es gerade Spass macht und man doch gerne auch wieder ein Pint Ale mehr trinken will.
Stundenlanges Singen

Spätestens am nächsten Tag bekommt man dann aber die Quittung serviert: Das kleine Kind will dann plötzlich nicht mehr schlafen, macht ganz schön Krach und bringt so auch die Eltern an den Rand der Verzweiflung. Und es dauert deutlich länger, den Schlafrhythmus wiederzufinden, als ihn zu verlieren. Stundenlanges Herumtragen und Liedchensingen sind der Preis für ein bisschen Spass.

Was aber ja nicht heissen soll, dass man auf Ausgang verzichten soll. Dazu greift man aber besser auf Eltern und Grosseltern zurück (siehe Box nebenan) oder teilt sich halt schweren Herzens auf. Auch als Prinz muss man sich bewusst sein, dass jetzt halt das Baby eine ganze Weile König ist. Und dessen Wunsch ist Befehl.

Michael Graber

 

Spannt ruhig mal die Queen ein

Als Vater im dritten Jahr möchte ich keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit stellen. Die nötige Distanz fehlt (noch). Dennoch weiss ich: Sind die Eltern ausgeruht und entspannt, wirkt sich das verblüffend zuverlässig auf die Stimmung des Babys aus. Und umgekehrt.

So gesehen sind Tipps von Bruce Willis und Johnny Depp (siehe oben) zwar ernst, aber nicht ganz wörtlich zu nehmen. Es schadet dem Prinzen nicht, wenn auch mal die Grosseltern aufpassen. Wenn möglich sogar ziemlich regelmässig. Charles und Camilla haben doch nicht wirklich wichtige Termine. Und sogar die Urgrossmutter bietet sich als Babysitterin an. Ich stelle mir das herrlich vor: Ein Ausflug von Queen und Baby George in der Kutsche, Inspektion der königlichen Landgüter, mit den Kronjuwelen spielen, ein paar Füchse jagen. Was für ein Leben! Sie kann ihm auch ihren reichen Erfahrungsschatz weitergeben: etwa zeigen, wie man haufenweise Steuergelder verprasst und dennoch beim Volk beliebt ist wie ein Popstar. Aber, liebe Kate und lieber William: Haltet bloss Onkel Harry vom Kleinen fern.

Guy Studer

Das Baby nimmt sich, was es braucht

Ernährung Vor der Geburt unserer Tochter waren wir auf sehr vieles gefasst. Doch wir hatten keine Ahnung, wie kompliziert es sein kann, ein Baby zu ernähren. Es beginnt mit dem Stillen. Die ersten Wochen macht frau nichts anderes. Tag und Nacht. Dazu kommt der subtile, aber stetige Druck von aussen, dass eine gute Mutter ihr Kind zu stillen hat. Wenn es endlich so klappt, wie man sich das vorstellt, ist alles wieder anders.

Mama Kate wird diesen Druck vielleicht nicht haben. Adelige Kreise pflegten, zumindest früher, Ammen anzustellen. Was William und Kate aber sicher auch feststellen werden: Bei Babys ist nichts von langer Dauer. Die einen lehnen plötzlich das Fläschchen konsequent ab und wollen ausschliesslich Brust (so wars bei uns), andere wollen nur noch Fläschchen (so wars zuvor bei uns), dann wollen sie plötzlich fast gar nichts (so wars bei uns). Später finden sie Brei super (so wars bei uns), und plötzlich finden sie Brei widerlich (so wars auch bei uns). Am besten akzeptieren Eltern diese Phasen, sorgen sich so wenig wie möglich und vertrauen auf das kleine Wesen. Es nimmt sich, was es braucht.

Susanne Balli

Den Kleinen spielerisch fördern

fitness Als Sportreporter, der vor allem über den FC Luzern berichtet, ist es fast ausgeschlossen, Überschneidungen mit dem Privatleben zu Hause in der Familie zu vermeiden. Der FCL und Fussball sind omnipräsente Themen. Wenn ich mich unserem bald elfmonatigen Sohn widme, ist oft ein Ball im Spiel. Das soll eine gute Sache sein, heisst es in Ratgebern. So habe ich gelesen: «Ihr Baby muss noch nicht laufen können, um Spass am Fussballspielen zu haben. Platzieren Sie einen leichten, mittelgrossen Ball vor sich, halten Sie Ihr Baby unter den Achseln und schwingen Sie es nach vorne, sodass es den Ball mit den Beinen kickt.» Diese Schwingbewegung der Beine festigt die Bauch- und die Beinmuskeln «und bereitet Ihr Baby auf später vor, wenn es einmal echten Fussball spielen wird».

Nein, nein, ein Hakan Yakin muss er keiner werden, aber wenn er später gerne kicken würde, wäre das natürlich schön. Sportfan William dürfte es bei seinem Sohn ähnlich gehen – und vielleicht schafft er dereinst etwas mit Fussballer George, das er mit David Beckham verpasst hat: die WM ins Fussball-Mutterland zu holen.

Daniel Wyrsch

Nicht zu viel Respekt vor Tipps

Das Gemeine am Kinderkriegen ist: Alle wissen alles besser. So hat das Kind im Normalfall im Sommer «viel zu heiss» (besorgte Grosseltern) und im Winter «viel zu kalt» (Grosseltern). Auch ist oft etwas an den Schlafgewohnheiten auszusetzen, an der Art, wie man den Schoppen gibt, oder es wird am Kinderwagen herumgemotzt.

Lächeln und weitermachen

Im Zweifelsfall gilt bei allen solchen Ratschlägen: Lächeln, nicken und doch weiterhin so wie bisher machen. Das Schöne am Kinderkriegen ist eben auch, dass jedes Kind speziell ist. Jedes hat seine Macken, seine Vorlieben und seine Art, sich mitzuteilen. Und all das wissen im Normalfall die Eltern am besten. Zwar haben die Grosseltern einen enormen Erfahrungsschatz, aber man sollte sich nicht darauf versteifen.

So sollen William und Kate auch mal ein Machtwort von der Queen ignorieren, Charles zwar als Babysitter schätzen und vielleicht halt auch diese Tipps einfach wieder vergessen. Oder sie als das nehmen, was sie sind: Tipps. Die kann man zwar auf dem Weg zu einer Lösung brauchen, eine Anleitung gibt es glücklicherweise nicht.

Michael Graber