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Seeklang Hergiswil: Bach und Mendelssohn kompromisslos interpretiert

Beim vierten Konzert von Seeklang Hergiswil in dieser Saison überzeugten junge Musiker mit Ausdruckskraft.
Gerda Neunhoeffer
Jesper Gasseling auf dem Bürgenstock, wo er eine weitere Konzertreihe leitet. (Bild: Tomasz Trzebiatowski / PD)

Jesper Gasseling auf dem Bürgenstock, wo er eine weitere Konzertreihe leitet. (Bild: Tomasz Trzebiatowski / PD)

Musizieren unter Freunden – das tut Jesper Gasseling in seiner Klassik-Reihe Seeklang Hergiswil beispielhaft. So auch im vierten Konzert am Donnerstagabend in der reformierten Kirche Hergiswil. Kirchenraum und Empore sind voll besetzt, das Publikum hört «Sturm und Drang». Bei Mendelssohn kann man sich das gut vorstellen. Aber bei Johann Sebastian Bach?

Das hört man gleich in den ersten zupackend gespielten Klängen, als die sechs jungen Musiker das Brandenburgische Konzert Nr. 5 angehen. Meist werden diese Konzerte mit Orchester und Dirigenten aufgeführt – hier ist es kammermusikalisch; das Tutti wird von Polina Yarullina (Cello) Sunita Abplanalp (Violine) und Hayaka Komatsu (Viola) gespielt. Ungewöhnliche Akzente werden gesetzt, Dramatik kompromisslos ausgelebt. Gasseling spielt die Solovioline mit Barockbogen und sparsamem Vibrato, Andrea Loetscher nimmt für das Adagio affetuoso nicht ihre goldene Flöte, sondern eine besonders warm klingende aus Holz.

Das verbindet sich mit der Violine zu samtenen Dialogen, wunderbar ruhig begleitet von Lukas Stamm am Cembalo. Er spielt die lange Kadenz im ersten Satz mit Verzögerungen, welche Raum zwischen den virtuosen Läufen lassen. Und das finale Allegro gestalten alle mit unwiderstehlichem, temperamentvollem Vorwärtsdrängen – Bach mit Sturm und Drang!

Die Cellistin spielt so intensiv, dass man den sonst üblichen Kontrabass bei Bach nicht vermisst. Und wie sie in Felix Mendelssohns Streichquintett Nr. 2 B-Dur op. 87 den tiefen Grund für Violinen und Bratschen legt, das ist hohe Klangkunst.

Mendelssohns Ideen bis
an die Grenzen ausgereizt

Gasseling spielt den ersten Satz nicht wie ein Violinkonzert, als das es oft beschrieben wird; er legt den virtuosen Part über den Tremoli der anderen Stimmen kammermusikalisch aus. Das ganze Quintett wird wie aus einem Guss musiziert: dicht im Klang, mutig und mit junger Frische reizen Jesper Gasseling & Friends Mendelssohns Ideen bis an spielbare Grenzen aus.

Inigo Armentia fügt seinen warmen Violaklang nahtlos zu den anderen, im zweiten Satz scheinen Elfen zu kichern und zu tanzen. Kurze Töne werden, wie bei Bach, wirklich kurz gespielt, die Leichtigkeit erinnert an den «Sommernachtstraum». Wie im dritten Satz Dramatik und Helligkeit, Elegie und Entrückung wechseln, hat fast schmerzhafte Intensität. Die löst sich im letzten Satz in virtuose Sechzehntel auf, und mit stürmischem Drang endet eine starke Interpretation. Als Vorschau auf das nächste Konzert erklingt als Zugabe «Summertime» von Gershwin.

Seeklang-Konzert «Mythos» am 18. Oktober 19.30 im Singsaal Matt Hergiswil; u.a. Gershwin und Mozart.

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