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Die Trogner Kantaten sind online:
«Bachs Musik stärkt das Immunsystem»

Alle Bach-Kantaten aufzuführen ist das auf über zwanzig Jahre angelegte Ziel der St. Galler J. S.-Bach-Stiftung. Alle Konzerte, Reflexionen und Analysen zu diesen Gipfelpunkten geistlicher Musik gibt es jetzt auf einer dichten neuen Website: Gratis und faszinierend vielfältig lädt sie zum Stöbern ein.
Martin Preisser

Auch der Schweizer Literat Adolf Muschg reiht sich in die illustre Serie von Rednerinnen und Rednern ein, die im Trogner Bach-Kantaten-Projekt über den barocken Komponisten und seine ­einzigartige Kunst nachdenken: «Bachs Musik hat die merkwürdige Eigenschaft, die Leere, in der wir sie hören, nicht zu übertönen, nicht zu verkleiden, nicht zu beschönigen, sondern fühlbar zu machen. Sie macht uns Musik-Kunden zu Lauschenden.»

Gut 120 der geplanten 220 Kantatenaufführungen in Trogen sind schon Geschichte. Das 2006 gestartete und 2027 zu Ende gehende Mammutprojekt, mäze­natisch betreut vom St. Galler Ex-Wegelin-Bankier Konrad Hummler, öffnet jetzt mit einer Website mit dem etwas holprigen Namen «Bachipedia» seine Archive und macht die Inhalte des Projekts gratis zugänglich, neben Deutsch auch auf Englisch und Spanisch.

J. S. Bachs Musik als Einladung zur Vorfreude

Zur Kantate «Wer mich liebet, der wird mein Wort halten», steuert die St. Galler Psychotherapeutin Verena Kast eine Interpretation bei: Die Kantate könne auch als Einladung zur Vorfreude gelesen werden. Und sie sagt: «Musik, die uns gefällt, entstresst nachgewiesenermassen, steigert die Immunabwehr.» Vor allem für selbst gemachte treffe das zu.

Die neue «Bachipedia»-Homepage dokumentiert nicht nur die Geschichte der Trogner Bach-Interpretationen unter Dirigent Rudolf Lutz, sondern lädt ein zum Stöbern, zum Hineinhören in diese wundervolle Musik, aber auch zum Lesen über das, was Persönlichkeiten (nicht nur aus der Kultur) über Bach denken, für wie aktuell sie seine Musik halten und welchen religiösen Inhalt sie vermitteln kann.

Man setzt auf Youtube

Bisher musste man für die ­Inhalte der Bach-Reihe einen kleinen Betrag fürs Streaming bezahlen. Die Reflexionen über die Kantaten erschienen bis 2012 in Buchform. Den Schritt zur Gratis-Website erklärt Konrad Hummler, Stiftungsratspräsident der St. Galler J. S.-Bach-Stiftung, so: «Als wir anfingen, war noch nicht klar, wohin sich der Streaming-Anbieter Youtube entwickeln würde. Heute ist Youtube klar die Nummer eins.» Auch wenn das bisherige Streaming von Trogner Bach-Inhalten nicht teuer war: «Paywalls verhindern die grosse Verbreitung von Inhalten», findet Hummler. Die Trogner Bach-Interpretationen haben einen riesigen Erfolg in den Social Medias, vor allem auch in Lateinamerika. «Das sind Länder, die eine grosse Affinität zur Religiosität und zur geistlichen Musik haben», erklärt Hummler das Phänomen.

Die neue, von seiner Tochter Anneliese Looser-Hummler gestaltete Homepage, will sich vor allem auch an die junge Generation wenden, die Bach entdecken soll. Und sie will Bach weltweit verbreiten. Dafür eignet sich eine Homepage mit Youtube-Qualität heute besser als der CD-Versand oder das aussterbende Medium DVD. Geplant ist auf der Website zukünftig auch ein Blog. «Ich bin mit der Bach-Reihe als begeisterter Dilettant gestartet und hatte manchmal Angst, dass mich das Riesenprojekt ermüden würde», gibt Konrad Hummler zu. Das Gegenteil sei eingetreten. «Die Musik von Bach stillt ganz sicher ein Bedürfnis nach Spiritualität und bietet Zugangsformen, die ausserhalb fester kirchlicher Verpflichtungen liegen», sagt er.

Viel Neues über die Wirkung von Bachs Musik

Die Bach-Interpretation von Rudolf Lutz ist eine von vielen möglichen, aber sicher eine sehr tänzerische, vitale und transparente. Sie macht Lust auf Johann Sebastian Bach. Die neue Homepage kommt spannend, einladend, vielseitig und höchst informativ daher. Und es gibt wohl kaum jemanden, der hier nicht viel Überraschendes über Bach und seine Musik und viel Nachdenkenswertes über die Wirkung seiner Klänge erfahren kann, sei es als Neueinsteiger oder als Bach-Fan.

Und zu welchen Gedanken regt J. S. Bach den Mäzen Konrad Hummler selbst an? In seiner Reflexion über die Kantate «Ich hatte viel Bekümmernis» spricht er von seinem «ungestörten Verhältnis zur Gottesfrage». Er wolle seinem Schöpfer dereinst «entfesselt, unbekümmert, frei von Zweifeln, vielstimmig-einstimmig jubelnd» gegenübertreten.

Hinweis

www.bachipedia.org

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