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Auf Schloss Werdenberg treiben sie es besonders wild

Am Pfingstwochenende hat die Wildnis auf Schloss Werdenberg Einzug gehalten. An der Schlossmediale verbinden sich audiovisuelle Kunst und Musik jenseits der Schubladen in einer aufregenden Mischung.
Bettina Kugler
Die Barokksolistene feiern mit «Purcell’s Playground» ein wildes Fest im Schloss. (Bild: Anja Köhler)

Die Barokksolistene feiern mit «Purcell’s Playground» ein wildes Fest im Schloss. (Bild: Anja Köhler)

Es duftet nach Tannennadeln und wildem Wald; Bäume und Moos, Laub und allerlei Getier aus dem Umland hat sich heimlich im Schloss breitgemacht. Im Parterre hängt eine Rheintaler Tanne mit der Spitze nach unten, geheimnisvoll beleuchtet. Eine Etage weiter oben halten Fuchs und Hase einen feudalen Festschmaus. Ein Schnaufen und Ächzen hallt sanft durch die immer noch kühlen Schlossmauern: Acht alte Akkordeons, über Stühle drapiert wie Raupen in Monstergrösse, werden beatmet von handelsüblichen Staubsaugern. Unter deren Panzer aus Hartplastik schlummert ein wildes Leben, über das wir sonst gedankenlos auf Knopfdruck gebieten.

Atmende Riesenraupen, wilde Stimmartistik

«Balgerei» nennen Urban Mäder und Peter Allamand ihre klingende Installation. Sie passt, so technisch ausgeklügelt sie auf den ersten Blick erscheint, bestens in die Wildnis, die Mirella Weingarten als künstlerische Leiterin der Schlossmediale Werdenberg dieses Jahr im Schloss inszeniert hat. «Balgerei» ist freilich nicht nur Teil der Ausstellung, sondern wird auch musikalisch bespielt; gleich zur Eröffnung am Freitag von Matthias Loibner. Mit seiner zeitgenössisch aufgerüsteten Drehleier mischt er sich (nach einem wilden Empfang des amerikanischen Stimmvirtuosen David Moss) unter die zitternden Bässe der Bälger. Loibners «Hurdygurdy Balgerei» stimmt im Wandelkonzert «Wildwerke» mit gewaltiger Energie ein auf weitere Schritte aus dem Schutzraum des Gebändigten und Berechenbaren – hinaus in die Wildnis der Kunst. An der Schlossmediale 2018 ist das kein Paradoxon.

Wilde Kerle lauern auf Schritt und Tritt: leise und laute, im Porträt eingefrorene, ausgestopfte – oder lebenslustige Kraftprotze wie Steven Player, furios steppender Tänzer der Barokksolistene aus Norwegen. Mit ihrem Programm «Purcell’s Playground», einer überschäumend temperamentvollen Hommage an den britischen Barockkomponisten Henry Purcell, zeigen die Musiker unter der Leitung des Geigers Bjarte Eike gleich am Eröffnungsabend, dass Barock und Rock einander so nahe sind wie ihr Name. Zu erleben ist es sonst freilich selten so. Henry Purcells Barock sieht in wilden Gefilden anders aus als in klassischen Tonhallen: eher nach einer Session unter Freunden im Pub. Furios!

Wie Hänsel und Gretel streift das Publikum zunächst durch das Birkenwäldchen im ersten Stock und trifft dort auf Bjarte Eike mit seiner Fiedel: ein magischer Moment, der Gänsehaut macht. Ganz anders wirkt die Rastlosigkeit in Heiner Goebbels’ «Surrogate Cities» in einer Trioversion für Stimme, Klavier und Schlagzeug (David Moss, Heike Gneiting, Jan Schlichte): ein rasanter Gruss an den diesjährigen Künstler im Fokus.

Heiner Goebbels in der Schlossküche

Goebbels schert sich nicht um Schubladen; er komponiert mit Klang und Musik, Raum, Licht, Text und Stimme – man kann es nach dem Konzert stundenlang weiterverfolgen in der Schlossküche. Dort kreist ein Zeppelin wie ein übermütiger Mond über einer Schafherde. «Landscape 3» spiegelt die Landschaft nur vor, in sanfter Beharrlichkeit: anders als das heftig pulsierende Trio.

Halb Mensch, halb Geist oder Kobold, so sehen die Kreaturen aus, die Patricia Lambertus mit Versatzstücken des regionalen Brauchtums ausstaffiert hat. Lebensgrosse Figurentafeln sind an markanten Punkten im Schloss aufgestellt. Dazu gibt es Kurzfilme von Beryl Schennen und Fischteich alias Peter Kurtner und Stephan Lichtensteiger, Fotografien von Anne Gabriel-Jürgens und eine Videoinstallation über das Lebensprojekt Auroville, eine Zukunftsstadt ohne Geld und Gesetze. Alles umspielt von wilder Musik aus alten Zeiten und aus dem Hier und Heut

Die Schlossmediale in Werdenberg läuft noch bis 27. Mai.

Weiteres Programm: www.schlossmediale.ch

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