Weltmusik mit fadengeraden Stimmen verklingt: Kazalpin löst sich auf

Kazalpin, eine Band rund um den Luzerner Musiker Albin Brun, verbindet Ritualgesänge aus Belarus mit alpin gefärbtem Jazz. Nach zehn Jahren geht’s auf Abschiedstour.

Pirmin Bossart
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Nach einem Jahrzehnt ist Schluss: Kazalpin löst sich auf. (Bild: PD)

Nach einem Jahrzehnt ist Schluss: Kazalpin löst sich auf. (Bild: PD)

«Nach 10 intensiven Jahren wollen wir das Projekt nicht einfach versanden lassen, sondern uns richtig verabschieden und das Leben nochmals feiern», sagt der Luzerner Musiker Albin Brun. Die Band Kazalpin wird in den nächsten Tagen ihre letzten Konzerte geben, ist auf Abschiedstour. Kazalpin ist eine Fusion aus Albins Alpin Quartett und dem Vokalistinnen-Trio Akana aus Belarus (Weissrussland). Und mit Sicherheit eines der gelungensten Beispiele für die transnationale kulturelle Zusammenarbeit, die unter anderem vom damaligen Kulturkontakt Aargau-Belarus und seiner Projektleiterin Madeleine Rey ermöglicht worden war.

Etwas Neues und Drittes

Das Abenteuer begann im September 2009, als sich Albin Brun und der Aargauer Schlagzeuger Marco Käppeli in Belarus auf die Suche nach geeigneten Frauenstimmen für ein neues Projekt machten. Sie fanden die Sängerinnen Irena Kotvitskaja, Rusia und Nadzeya Tschuhunova des Vokaltrios Akana. Die drei Musikerinnen waren spezialisiert auf alte, vorchristliche Ritualgesänge, die sie auf Reisen zu alten Leuten in abgelegenen Regionen selber sammelten und aufzeichneten. Gleichzeitig waren sie offen für neue Einflüsse.

Also spannten Albins Alpin Quartett mit Albin Brun (Saxofon, Schwyzerörgeli), Patricia Draeger (Akkordeon), Claudio Strebel (Kontrabass) und Marco Käppeli (Schlagzeug) und das Akana-Trio zusammen und starteten als Formation Kazalpin eine fruchtbare Zusammenarbeit. Kazalpin versteht es, aus belarussischen Gesangstraditionen und eigenen Jazzkompositionen und volksmusikalischen Einflüssen etwas Neues und Drittes zu machen: eine jazzige Weltmusik mit wunderbaren Stimmungen, die Zuhörerinnen und Zuhörer in Belarus und in der Schweiz gleichermassen begeisterte.

Fasziniert von den Frauenstimmen

«Seit ich vor etwa 40 Jahren diese östlichen Gesänge, etwa aus Bulgarien oder Georgien, kennen gelernt habe, liessen sie mich nicht mehr los», sagt Albin Brun.

«Diese fadengeraden Frauenstimmen sind etwas vom Schönsten und Berührendsten, das ich kenne. Daher war dieses Projekt ein Geschenk für mich. Dort konnte ich meine Liebe zu dieser Musik voll ausleben.»

Die Schweizer Musiker lernten im Rahmen dieses Projektes herzliche Menschen kennen und bekamen durch die Sängerinnen und ihre Tourneen Einblicke in eine Kultur, «die zwar zu Europa gehört, aber doch oft unter dem Radar läuft und für die meisten von uns eher unbekannt ist».

Auch musikalisch wurden die Schweizer Jazzer herausgefordert. Die alten Lieder sind sehr kurz, also mussten sie sich bezüglich der Arrangements etwas einfallen lassen. Die zwei CDs «East Side Story» und CD «Śniežki/Schnee» und natürlich die Livekonzerte lassen hören, wie gut es der Band gelungen ist, mit ihren verschiedenen Ausgangspunkten in der Zusammenarbeit etwas Eigenes zu kreieren. Brun staunt selber, dass aus einem einmalig geplanten Austausch eine Band gewachsen ist, die zehn Jahre Bestand hatte.

Mittlerweile existiert das Trio Akana nicht mehr, Sängerin Irena Kotvitskaja ist nach Israel ausgewandert. «Dadurch wäre das Erarbeiten eines neuen Repertoires noch schwieriger und aufwendiger geworden, als es ohnehin schon immer war», sagt Brun. Aufgrund des beschränkten Entwicklungspotenzials entschied man sich schweren Herzens, Kazalpin aufzulösen.

Hinweis: Letzte Konzerte: Donnerstag, 28. November, Folkclub GZ Buchegg, Zürich; 29. November, Raum Gelber Wolf, Basel; 30. November, Kleintheater, Luzern. Infos unter www.kazalpin.com.