Interview
Barbara Terpoorten: «Nun kann ich zeigen, dass ich nicht nur die gute Polizistin bin»

Die Schauspielerin Barbara Terpoorten über über ihre Rolle im Theaterstück «Die Geizige» – ihr Rückkehr ins «Bestatter»-Aarau, Erbschaften und Leichenschmaus.

Daria Frick
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Barbara Terpoorten: «Geiz ist immer mit Angst verbunden.»

Barbara Terpoorten: «Geiz ist immer mit Angst verbunden.»

Frau Terpoorten, mit Ihrer Produktion «Die Geizige» kommen Sie zurück nach Aarau. Hier hat schon «Der
Bestatter» gespielt, die Kommissarin Giovanoli hat hier gelebt. Ist es für Sie eine Art nach Hause kommen?

Barbara Terpoorten: Ich fühle mich total geborgen. Wenn ich durch die Stadt laufe, sehe ich, wo ich schon überall gedreht habe, was ich alles kenne. Wir haben während fünf Jahren ganze Sommer lang hier gearbeitet. Ich habe dieses schöne Städtli schon sehr ins Herz geschlossen.

Wie fühlt es sich an, mit einer anderen Geschichte, nicht als Anna-Maria Giovanoli, in Aarau zu spielen?

Sehr gut und aufregend. Gerade weil ich einen persönlichen Bezug zu Aarau habe. Nun kann ich den Leuten zeigen, dass ich nicht nur die gute Polizistin bin, sondern auch eine schlimme Tochter sein kann. In der Tuchlaube habe ich schon früher gespielt. Es war also naheliegend, dass Sempione Productions zusammen mit Peter Kelting ein Gastspiel planen.

Barbara Terpoorten, bekannt aus «Der Bestatter», kommt mit ihrem Theaterstück zurück nach Aarau.

Barbara Terpoorten, bekannt aus «Der Bestatter», kommt mit ihrem Theaterstück zurück nach Aarau.

Fabio Baranzini

Sie und Suly Röthlisberger sind aus «Der Bestatter» beinahe schon eine Familie. In «Die Geizige» spielt sie nun Ihre Mutter. Konnten Sie beide sich deshalb besser in eine solche Familiengeschichte einfühlen?

Nein, aber durch die Dreharbeiten kennen wir uns natürlich sehr gut und wissen, wie wir ticken. Das erleichtert viel bei der Probenarbeit.

Aus Molières männlicher Hauptfigur haben Sie, als Autorin, gezielt eine weibliche Hauptrolle für Suly Röthlisberger geschaffen?

Ja, Suly Röthlisberger fand ich schon immer toll. In Molière ist die Mutter nicht existent, obschon sie eine zentrale Figur in einer Familie ist. In der Literatur geht es oft um die mächtige Vaterfigur, deshalb wollten wir schon lange ein Stück inszenieren mit einer mächtigen Mutter.

Also gibt es zu wenige Rollen für ältere Frauen?

Ja, es bräuchte vielleicht auch dort eine Quoten-Regelung. (Lacht.) Zusammen mit Rolf Hermann haben wir eine Mutter-Figur kreiert, die nicht nur kitschig, gutmütig und strikt ist, sondern auch wahnsinnig eigensinnig, stur und lebensfroh.

Barbara Terpoorten: «Streitereien gibt es wohl in jeder Familie»   

Barbara Terpoorten: «Streitereien gibt es wohl in jeder Familie»   

«Der Geizige», die Vorlage zu Ihrem Stück, ist eine Komödie über einen Geizhals und einen Familienstreit. Wie sieht es in Ihrer Familie aus, gibt es auch solche Streitereien?

Streitereien gibt es wohl in jeder Familie. Die Frage ist nur, wie sie ausgetragen werden. Wir gehören eher zu der subtilen Sorte. In der Familie meines Mannes wird man schon eher laut. Gewisse Teile unseres Stückes sind Original-Zitate meiner Schwiegermutter. Mein Mann, Siegfried Terpoorten, der Regisseur des Stücks, hat sie damals gefilmt, als sie Wünsche äusserte, wie sie bestattet werden möchte und wo. Das hat sie dann immer wieder abgeändert. Zum Beispiel: doch keinen Schweinebraten, nur Kaffee und Kuchen zum Leichenschmaus. Die Frau hatte sehr viel Humor und Elfriede, die Rolle von Suly Röthlisberger, hat das eben auch.

Bei Molière ist der Geizige der Böse. Ist Geiz eine schlechte Charaktereigenschaft?

Ja. Definitiv. Geiz ist immer mit Angst verbunden. Die Angst, dass jemand einem etwas wegnehmen möchte. Angst davor, dass mit Liebe gegeizt wird. In unserem Stück ist nicht nur die Mutter die Geizige, sondern auch die Töchter und sogar ein wenig die Enkelinnen. Vor allem, weil es um die Erbschaft geht, mit der alle schon gerechnet haben ...

Warum bietet besonders eine Erbschaft so viel Konfliktpotenzial?

Es geht um die Art und Weise, wie das Erbe verteilt wird. Oft fühlt sich eines der Kinder benachteiligt, obschon dies objektiv betrachtet gar nicht der Fall ist. Das liegt daran, dass wir das Erben mit Wertschätzung, Anerkennung und sogar mit Liebe der Eltern gleichsetzen. Oft spielt dabei die Grösse des Erbes gar keine Rolle. Ironischerweise gibt es dort, wo es nichts zu erben gibt, auch keine Streitereien.

In dem Stück wird also viel gestritten.

Ja, es ist schliesslich der 70. Geburtstag der Mutter und der Tag der Erbverteilung. Es gibt eine kleine Feier, und die Töchter und Enkelinnen kommen alle mit anderen Erwartungen. Da kumulieren und prallen innerhalb von wenigen Minuten alte Vorwürfe und Stigmata aufeinander. Innerhalb der Familie hat man ja selten die Chance, eine neue Figur zu werden.

Das klingt alles eher traurig. Warum muss man «die Geizige» trotzdem schauen?

Traurig? Nein, es ist eigentlich eine Komödie, wie bei Molière. Man sollte es sich ansehen, weil man über sich selbst lachen kann, über die Familie und vielleicht auch einen anderen Blick auf das Erben bekommt.

«Die Geizige» Tuchlaube Aarau Mi, 23., Fr, 25., und Sa, 26. November, 20.15 Uhr.

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