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BASEL: «Drawn Together» – die Beziehung der Crumbs als Comic

Das Basler Cartoon­museum widmet sich dem bekannten Zeichnerpaar Crumb. Die Beiden können nicht nur zeichnen, sondern sind auch sehr witzig.
Susanna Petrin
Aline Kominsky-Crumb und Robert Crumb einmal im Selbstporträt ... (Bild: PD/Cartoonmuseum Basel)

Aline Kominsky-Crumb und Robert Crumb einmal im Selbstporträt ... (Bild: PD/Cartoonmuseum Basel)

Susanna Petrin

So, wie sie zusammen reden, so zeichnen sie auch zusammen. Einander ergänzend, befragend. Sie fallen sich nie ins Wort, die Übergänge sind fliessend. Als ob sie sich gerade neu kennen lernten; und doch symbiotisch wie nach 38 Jahren Ehe – denn so lange sind die Zeichner Aline Ko­minsky-Crumb und Robert Crumb schon miteinander verheiratet. Immer eng verbunden, nie monogam.

Er der Nerd, sie die Schöne

Der weltberühmt-berüchtigte Underground-Zeichner und die bekannte Underground-Zeichnerin. Da sitzen die beiden nun im Cartoonmuseum Basel nebeneinander und beantworten Fragen. Der Anlass ist die Ausstellung, laut Museumsleiterin Anette Gehrig die erste Europas, welche die gemein­samen Werke des Zeichnerpaars in den Mittelpunkt rückt.

Aline Kominsky-Crumb erzählt gern und viel. Robert Crumb lächelt vor sich hin, kommentiert mit trockenem Humor, halb in seinen Bart, halb zum Publikum sprechend. Sie ist eine aparte, mit Yoga und Gesichtschirurgie gestraffte Endsechzigerin; langes, rot gelocktes Haar, Minijupe, Netzstrümpfe, hohe Absätze. Er ist der dünne, kauzige Nerd, grosse Augen hinter dicken, runden Brillengläsern.

Obsessionen und Neurosen

Sie sagt etwas, er sagt etwas – oder umgekehrt. Viele dieser Zwei- oder Dreizeiler sind schon fast beste Stand-up- Comedy. Er: «Eines Tages sagtest du: Okay, wir verlassen das Land.» Sie: «Du hast vorher so lange über die USA geschimpft.» Er: «Ich bin eines Morgens aufgewacht und lebte in Frankreich.» Das Paar lebt seit 1991 im Bergdorf Sauve. Dort passiere es manchmal, dass fremde Menschen an der Türe klingeln, die glauben, die zwei aus ihren Comics wie Freunde zu kennen. Sie: «Manche Leute meinen, sie wüssten alles über uns.» Er: «Sie wissen sehr viel über uns.» Sie: «Ja, mehr als genug.»

Mit nichts haben die zwei hinter dem Berg gehalten. Sexuelle Obsessionen und Fantasien sind Crumbs Lebensthema. Gepaart mit seinen Ängsten, Komplexen und Neurosen. Enorme Weibsbilder mit ausladenden Hintern und vollen Brüsten bevölkern seine Cartoons. Geile Michelin-Frauchen. «Sexobjekte», empören sich die Kritikerinnen. Das ist natürlich wahr. Aber es sind derart übertrieben sexualisierte Frauenbilder, derart offensichtlich einer triebgesteuerten männlichen Fantasie entsprungen, dass sie gleichzeitig selbstentlarvend komisch wirken.

Am Ende geht der Witz vor allem auf seine eigenen Kosten, den schmächtigen Nerd mit Brille, der diesen erfrischend antianorektischen Superweibern nachgeifert und nur allzu selten ein solches Wesen ins Bett bekommt. Die grösste Tragödie seines Comic-Alter-Egos ist: Er kann sie nicht alle haben. Crumb selber konnte als Jugendlicher lange gar keine haben – bis er allmählich mit seinen Zeichnungen bekannt wurde, bis er damit Frauen beeindrucken konnte.

Vor der Ehefrau geflohen

Robert Crumb floh 1967 vor seiner ersten Ehefrau, vor einem ruhigen Leben in Cleveland, ins Hippieparadies San Francisco. Er zeichnete psychedelische Poster, nahm LSD, erfand Mr. Natural und Fritz the Cat, bis heute seine bekann­teste Figur. Über die Zeit davor, seine Kindheit mit gewalttätigem Vater, psychisch kranker Mutter und allesamt depressiven Geschwistern erzählt er eindrücklich in Terry Zwigoffs Dok-Film «Crumb».

Auch Aline Kominsky zog es in den frühen 70ern nach San Francisco. Es sei ihr vorgekommen, als sei sie bereits eine Figur in seinen Comics gewesen, bevor sie sich dort kennen lernten. Nämlich: «Honey Bunch Kaminski», ein jüdisches Cowgirl. «Ich lebte zuvor mit einem Cowboy in Arizona», sagt sie, «es kam mir vor, als ob er da etwas angezapft hätte.» Pause, dann beide: «Der Rest ist Geschichte.» Und er sagt: «Es ist gefährlich, zu zeichnen, was man will. Man könnte es bekommen.»

Feministische Cartoonistin

Sie hat schon früh mit eigenen Werken begonnen und engagierte sich als Feministin der Underground-Comicszene. Unter anderem gab sie ein von lauter Frauen gestaltetes Magazin heraus. Auf die Idee zusammenzuarbeiten kamen sie, als Aline Kominsky mit einem gebrochenen Bein zu Hause feststeckte. Ganz dumme Sachen hätten sie gezeichnet, erzählt sie, Ausserirdische und Timothy Leary und sich selber. Als ein zum Essen eingeladener befreundeter Produzent das sah, wollte er es herausgeben. Seither sind Hunderte von gemeinsamen Seiten über ihre Beziehung entstanden. Jedes Panel eine Kollaboration. Und als ihre 1981 geborene Tochter Sophie alt genug war, also 11, zeichnete sie sich selber mit hinein.

Sie seien das einzige Zeichnerpaar, das zusammen zeichne. Alle anderen hätten sich dabei sofort zerstritten. Und sie beide? Robert Crumb antwortet: «Wir kommen in Comics viel besser zusammen aus als im echten Leben.»

«Drawn Together», bis 13. 11., Cartoonmuseum Basel. Infos: www.cartoonmuseum.ch

... und einmal in Natura. (Bild: PD/Cartoonmuseum Basel)

... und einmal in Natura. (Bild: PD/Cartoonmuseum Basel)

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