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Film-Dokumentation aus Syrien: Bedrückender Abschied vom zerstörten Aleppo

In «For Sama» dokumentiert die Syrerin Waad Al-Khateab für ihre Tochter deren erstes Lebensjahr im Krieg. In Bildern, die haften bleiben.
Geri Krebs
Die syrische Dokumentarfilmerin Waad Al-Khateab zeigt in ihrer Dokumentation "For Sama" die Kriegsrealität in ihrer Heimatstadt Aleppo, mit Bombardierungen und inmitten von Ruinen. Bild: PD

Die syrische Dokumentarfilmerin Waad Al-Khateab zeigt in ihrer Dokumentation "For Sama" die Kriegsrealität in ihrer Heimatstadt Aleppo, mit Bombardierungen und inmitten von Ruinen. Bild: PD

Seit März 2011 herrscht Krieg in Syrien. Doch längst hat der Konflikt aufgehört, die Schlagzeilen zu beherrschen. Dies, obwohl gegen eine Million Tote und zwölf Millionen Geflüchtete zu verzeichnen sind – und hier ein Regime vor keinem Verbrechen zurückschreckt, und das mit Hilfe Russlands und Irans fast das ganze Land zurückerobert hat.

Die syrische Journalistin und Dokumentarfilmerin Waad Al-Khateab hat in Aleppo, Syriens grösster Stadt, 2011 miterlebt, wie der Aufstand gegen das Assad-Regime zunächst erfolgreich war. Als junge Studentin begann sie ab 2012 zu filmen, was um sie herum geschah – und sie hört damit auch nicht auf, als es immer gefährlicher und die Revolte zum offenen Krieg wird. In dieser Zeit lernt sie Hamza kennen, einen Arzt an einem Spital in Aleppo. Bald heiraten die beiden. 2015 kommt ihre Tochter Sama zur Welt.

Handyaufnahmen von Ruinen und Bomben

Der Film beginnt 2016, als Aleppo schon weitgehend von ­Assads Luftwaffe zerstört ist. Zuerst sieht man Fotos einer fröhlichen jungen Frau, es folgen verwackelte Handybilder aus dem Krieg, wie man sie in den letzten Jahren in so manchem Film aus Syrien gesehen hat.

Waad Al-Khateab lebt heute nicht mehr in Syrien. Am 21. Dezember 2016 kann sie aus der Stadt evakuiert werden – zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter in einem der letzten Konvois, die unter Vermittlung der UNO die während sechs ­Monaten von Assads Truppen belagerte Stadt in Richtung ­türkische Grenze verlassen.

Die Bilder der Konvois, die in jenen Dezembertagen die Medien beherrschen, sind heute weitgehend vergessen, doch das, was dieser Film zeigt, wird hoffentlich nicht so schnell vergessen. Etwa: An einem der letzten Tage vor der Evakuierung geht Waad Al-Khateab noch einmal aufs Dach des Hauses, in dessen Keller ihr Mann in den letzten Wochen das letzte funktionierende Notspital im Rebellengebiet von Aleppo betreibt.

Es ist ein sonniger Novembertag und die Handykamera blickt über eine Stadt, die im hellen Licht einen Anblick bietet, der sich kaum unterscheidet von den Aufnahmen aus Berlin oder Dresden am Ende des 2. Weltkriegs, die längst zu Ikonen der Kriegsfotografie geworden sind. Doch kaum ist das Bild der Ruinenlandschaft vor strahlend blauem Himmel erschienen, sind schon wieder Flugzeuge da, schlagen Bomben ein, die Szene bricht ab, Menschen flüchten gerade noch schreiend in den Keller, der teilweise einstürzt.

Waad, Hamza und Sama bleiben unverletzt: «Wir werden wiederkommen», hat jemand auf das ausgebrannte Wrack eines Busses geschrieben. «FADA – Free Aleppo Doctors Associaton», steht auf einer Plakette in einem der zerstörten Räume. Waad Al-Khateab filmt sie noch ein letztes Mal: «Hier, Sama, hast du das erste Jahr ­deines Lebens verbracht.»

Hinweis

«For Sama» läuft im Kino Seehof in Zug und ab dem 16. Oktober im Stattkino in Luzern. Am 16. Oktober, 19 Uhr, im Stattkino: Spezialvorführung mit Podiumsdiskussion mit der syrischen Journalistin Yasmine Merei.

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