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Der Cellist Steven Isserlis:
«Beethoven ist unglaublich lustig»

Der britische Cellist Steven Isserlis ist regelmässiger Gast beim Luzerner Sinfonieorchester. Dennoch gibt es von ihm jetzt eine Premiere: Er dirigiert ein Klavierkonzert vom Cello aus. Im Gespräch erzählt er über sein Treffen mit Radu Lupu und Christian Tetzlaff.
Interview: Katharina Thalmann
Der Cellist und Autor Steven Isserlis (60): «Ich bin enthusiastisch.» (Bild: Ingo Höhn)

Der Cellist und Autor Steven Isserlis (60): «Ich bin enthusiastisch.» (Bild: Ingo Höhn)

Sie spielten bereits diesen Mai in Luzern und kehren nun zurück. Wie kam es zu dieser einmaligen Konstellation mit Ihnen, Christian Tetzlaff und Radu Lupu?

Steven Isserlis: Nun, Christian ist ein guter Freund. Und Radu kenne ich seit über zehn Jahren, weil er zu meinem 50.-Geburtstag-Konzert gespielt hat. Und dann wieder zu meinem Sechzigsten und das war das erste Mal, dass ich mit ihm gespielt habe. Ich habe getraut, mich zu fragen! Wir spielten die Schumann-Romanzen op. 94, die auch in Luzern auf dem Programm stehen. Und ich wollte schon immer das A-Dur-Konzert KV 488 von Mozart mit ihm spielen. Ich habe das einmal in Norwegen dirigiert und ihm die DVD davon geschickt – quasi als Bewerbungsvideo. Und er sagte Ja.

Seit wann dirigieren Sie auch?

Nun, ich dirigiere nicht. Ich werde von meinem Cello aus führen – das ist eigentlich wie Kammermusik. Dort, wo der Dirigent stehen würde, sitze ich mit meinem Cello. Denn für’s Dirigieren bin ich ein hoffnungsloser Fall! Und weil ich nicht gern den Takt schlage, macht das hie und da Lisa Schatzmann, die erste Geigerin des Luzerner ­Sinfonieorchesters. Meine Aufgaben sind die Proben und die Interpretation.

Auf ihrer Homepage schreiben sie über ihre vielen Enthusiasmen. Sind sie ein geborener Optimist?

Das würde ich nicht sagen, nein. Aber ich bin enthusiastisch: Die Dinge, die ich liebe, liebe ich wirklich sehr. Und dazu gehört Radu Lupu. Und Mozart. Und Schumann. Und gutes, scharfes Essen. Und so weiter.

Sie haben zwei Kinderbücher mit Biografien von berühmten Komponisten geschrieben. Was brachte Sie dazu?

Mein Sohn. Er dachte als ganz kleines Kind, dass alle klassische Musik von Schumann sei, weil er wusste, wie vernarrt ich in Schumann bin. Er sagte: «Daddy, ich habe heute Schumann gehört!» Und ich sagte: «Ja, du hast Beethovens Pastorale gehört.» Ich konnte damals kein wirklich gutes Kinderbuch finden. Entweder waren sie zu ernst und faktisch oder sie waren nicht akkurat genug. So wollte ich es selber versuchen.

Ist Schreiben also ein weiterer Enthusiasmus von Ihnen?

Genau. Aber im Moment habe ich so viel damit zu tun, mein Cello zu üben, dass ich nicht wirklich Zeit für etwas anderes habe.

Das Schöne an Ihren Büchern ist nicht nur die historische Präzision, sondern auch der leichte, humoristische Ton. Was ist für Sie die Beziehung zwischen Humor und Musik?

Ich glaube, alle meine Lieblingskomponisten haben einen grossartigen Sinn für Humor. Beethovens Musik ist urkomisch, auch Haydns Musik.

Haydn gilt als der Lustige unter den Komponisten. Aber Beethoven?

Er ist unglaublich lustig! Manche Sachen in seinen Cellostücken bringen mich jedes Mal zum Lachen, auch wenn ich sie schon unzählige Male gespielt habe. Schumann kann lustig sein, Mozart ist sehr lustig, Bach kann auch lustig sein. Wagner ist nicht lustig, und er ist nicht unter meinen Lieblingskomponisten.

Weil Sie so viel über die Biografien der Komponisten wissen: Ist es nicht verlockend, biografische Eckdaten in den Kompositionen zu hören?

Ja, da muss man vorsichtig sein. Deswegen spielen die Leute Schostakowitsch so grimmig und finster. Sie denken, dass sein ganzes Leben so trostlos war. Aber das stimmt nicht, er hat einen ironischen Humor, aber in seiner Musik ist auch so viel Schönheit und Sanftheit. Bei Komponisten wie Robert Schumann kann Kenntnis über sein Leben hilfreich sein, weil er so ein autobiografischer Komponist ist. Er hat kleine Botschaften an seine Freunde oder an Clara in seine Musik eingewebt. Das zu wissen, ist schon nützlich.

Engagieren Sie sich neben Ihrer Tätigkeit als Autor auch in anderen Formen für Musikvermittlung bei jungen Menschen?

Ich spiele immer wieder Kinderkonzerte, die letzten zwei waren in Japan. Beim ersten drehten sie das Licht an – und ich sah 90 Prozent Erwachsene. Ich hatte wie Kinder mit ihnen geredet. Das war etwas merkwürdig. Beim nächsten waren dann mehr Kinder da. Ausserdem bin ich seit über 20 Jahren künstlerischer Leiter des internationalen Musikseminars in Prussia Cove in Cornwall. Ich unterrichte dort mit Andras Schiff, Thomas Adès und Ferenc Rados. Das ist eine sehr wichtige Tätigkeit in meinem Leben.

Luzerner Sinfonieorchester, Christian Tetzlaff (Violine), Radu Lupu (Klavier), Steven Isserlis (Cello und Leitung); Werke von Bach, Mozart und Schumann, Freitag, 21. Juni, 19.30 Uhr, KKL Luzern

Buchhinweise: Steven Isserlis: Warum Beethoven mit Gulasch um sich warf. Rüffer & Rub Sachbuchverlag, 2005; Steven Isserlis: Warum Händel mit Hofklatsch hausierte. Rüffer & Rub Sachbuchverlag, 2007

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