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Beethoven mit den Abgründen und der Weite des Pilatus

Das renommierte Hagen Quartett begeisterte die vielen Zuhörer am zweiten Wochenende der «Gipfelwerke auf dem Pilatus»
Gerda Neunhoeffer
Topensemble auf dem Pilatus. Hagen Quartett. (Bild: PD)

Topensemble auf dem Pilatus. Hagen Quartett. (Bild: PD)

«Es ist das als höchster Gipfel der Instrumentalmusik angepriesene, viel bewunderte neueste Quartett des Meisters unserer Zeit»: So kündigte der Mainzer Schottverlag Ludwig van Beethovens Streichquartett Nr. 12 Es-Dur op. 127 damals an. Und so passt es am Samstag hervorragend als Eröffnung des zweiten Wochenendes der vom Luzerner Sinfonieorchester veranstalteten «Gipfelwerke auf dem Pilatus». Aufgeführt vom Hagen Quartett, lockt es wieder viele Zuhörer auf den Berg. Sie werden nicht nur mit erstklassiger Musik belohnt – auch das Wetter öffnet sich mit weitem Rundumblick und später mit unzähligen Sternen.

Das aus Salzburg stammende Hagen Quartett, seit über 30 Jahren erfolgreich in aller Welt, spielt mit Hingabe und einer Klangsprache, die aufrüttelt. Da wird nichts geglättet oder verschleiert, da kommen die Töne pur, auch mal rau, kratzig, derb. Aber genau damit passt Beethovens vielschichtige Musik auf den Pilatus mit seinen schroffen Felsen, Abgründen und dann wieder lieblicher Weite.

Lange Wanderung auf höchste Gipfel

Die Geschwister Lukas, Veronika und Clemens Hagen mit Rainer Schmidt an der zweiten Violine zeigen im Dragon Forum im Hotel Pilatus Kulm eindrucksvoll, dass sie sowohl in kleinsten Räumen wie auf den grossen Bühnen zu Hause sind. Ganz nah am Publikum lassen sie Beethovens innerste Gedanken klar nachvollziehbar werden. Die lyrischen Themen geraten zu spannungsreichen Dialogen, auch wenn Lukas Hagens Violine bisweilen etwas scharf und zu laut klingt. Wie einsam Beethoven durch seine fortschreitende Taubheit gewesen sein mag: Wie seine Melodien oftmals wie ins Nichts oder eine jenseitige Welt führen, um dann doch wieder zusammenzukommen, wird in der Interpretation des Hagen Quartetts ergreifend hörbar.

Im Streichquartett Nr. 13 B-Dur op. 130/133 ist die Balance dann durchgehend ausgewogen, die Ambivalenz zwischen Düsternis und lieblicher Gesanglichkeit wird voll ausgekostet. Da betört Schmelz in den beiden Violinen, der dunkle Ton der Bratsche von Veronika Hagen und die warme Tiefe im Cello von Clemens Hagen ergänzen sich zu sehnsuchtsvollen Ausflügen in himmlische Weiten. Erdnah, spritzig und humorvoll ist das rasch dahineilende Presto, spielerisch leicht das Andante, und die Cavatina gewinnt ihren innigen Ausdruck aus dem orchestral dichten Spiel mit wundervollem Legato.

Die Grosse Fuge, die damals als «unverständlich, wie chinesisch» bezeichnet wurde, wird zum grossen Wurf, in dem sich die Themen klar durchweben. Aus hauchfeinstem Piano entwickeln sich subtile Steigerungen, und es ist wie eine lange, wunderbar geführte Wanderung auf höchste Gipfel. Das Publikum ist hingerissen. Und als die Künstler hinterher im Queen Victoria Saal zum gemeinsamen Essen erscheinen, brandet nochmals spontan Beifall auf.

Hinweis

Am nächsten Wochenende spielt das Hagen Quartett noch einmal Beethoven auf dem Pilatus.

www.sinfonieorchester.ch

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