Konzertabend in der Schüür: Begeisternde dreifache Sicht auf die Luzerner Musikszene

Drei Bands und eine volle Schüür: Hanreti, Schnellertollermeier und GeilerAsDu sind noch besser, als man es eh schon gewusst hat.

Pirmin Bossart
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Hanreti eröffneten das Luzerner Dreifachpack.

Hanreti eröffneten das Luzerner Dreifachpack.

Bild: Silvio Zeder / PD

Zwischen Weihnachten und Silvester sind die Menschen etwas müde und übersatt. Aber da ist auch die Lust, sich in der friedlichen Leere dieser Tage noch was Freudvolles reinzuhauen. Da kam das Triple-Menü der Schüür am Freitagabend gerade richtig: Drei einheimische Bands, die unterschiedlicher nicht sein könnten, weckten die Lebensgeister, schraubten sich zu Höhenflügen, machten Stimmung.

In einem schönen Bogen zieht der Konzertabend seine Spur durch die Nacht. Hanreti eröffnen den Reigen. Das Kollektiv überrascht mit verspieltem Elektronik-Einsatz und einer neuen Wucht, mit der sie ihre oft träumerischen Songs zum kollektiven Brennen bringen. Es ist wunderbar, wie entspannt und gleichzeitig stringent sie jederzeit ganz ihre eigene Musik spielen und sofort erkennbar sind, ohne dass sie wie herkömmlich Songs ihres aktuellen Albums spielen müssen.

Hanreti sind zur spezifischen Soundmarke geworden, die eigene Duftnoten, harmonischen Gesetzmässigkeiten, Grooves und melodischen Hooks entwickelt und variiert. Das Konzert wirkt wie ein einziger Fluss, der sich immer wieder in neuem Licht zeigt. Da können sich laidback genuschelte Pop-Songs zu psychedelischen Kollektivimprovisationen entwickeln, in die sich später wieder ein träumerischer Song einschleichen oder eine krautrockige Minimal-Fuhr Gestalt annehmen kann. Die Band spielt konziser und überraschender denn je, einfach grossartig.

Musik wie ein fremdes Wesen

Hört man bei Hanreti noch ganz verschiedene Anleihen von stilistischen Ausprägungen der Rock-Vergangenheit durchschimmern, die eigenwillig absorbiert und transformiert werden, wird man von Schnellertollermeier in ein anderes Universum gebeamt. Dieses Trio steht für eine Musik, die einem einnimmt wie ein fremdes Wesen. Sie ist intelligent und wirkt dennoch körperlich. Sie hat Power, aber erschlägt einem nicht. Und sie ist so raffiniert und eigen, dass es einem manchmal fast den Atem verschlägt. Wie machen die das?

Sie generieren ein feinstofflich atomisiertes Fluidum aus rhythmischen Partikeln und Soundmolekülen, das sich energetisch auflädt und punktuell vehement durchbrechen kann. Da sind drei exzellenten Musiker am Werk, die ihre ganz eigene Sprache entwickelt haben und sie furchtlos dorthin führen, wo man in Bann geschlagen wird, ohne dass man immer versteht, was genau sich da jetzt abspielt.

Schnellertollermeier.

Schnellertollermeier.

Bild: PD

Elektronik, Hardcore, Jazz, Rock: Das Trio verschmelzt solche Sound-Erinnerungen zur persönlichen Matrix. Es gibt keine Rücksicht auf Wohlgefallen, keine Spur von zur Schau gestellter Virtuosität, kein Anbiedern mit Zeitgeist. Diese Musik ist ein Uhrwerk an Präzision und zugleich eine Wucht an Auflösung aller Grenzen. Wahrscheinlich die innovativste Band der Schweiz. Das ist Sonderklasse.

Euphorisierendes Gesamtpaket

Der Abend klingt aus mit dem melodischen Hip-Hop von GeilerAsDu. Gute Texte mit zeitkritischen und persönlichen Statements zur Lage des Ichs in global verstörten Zeiten werden vom Rap-Duo Luzi und Mike gekonnt in Flow gebracht und von einer tighten Band unterfüttert. Auch wenn der letzte Zacken zu fehlen scheint, um das Publikum aus dem Häuschen zu bringen, liefern GeilerAsDu ein euphorisierendes Gesamtpaket an Groove und Flow, das stets zugänglich bleibt und gegen Ende immer partymässiger wird.

Es war ein Konzertabend mit Top-Qualität, an dem alles stimmte, bis zur exzellenten Lichtchoreografie von Tom Kuhn. Luzern ist zwar schon längst nicht mehr die «Rock City», als die sie sich einst proklamierte. Aber mit diesen drei Bands mischt man problemlos an der Spitze des schweizerischen Musikschaffens mit.