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Ausstellung von Chalet 5 im Haus für Kunst Uri: Beheimatet im Ornament

Im Haus für Kunst Uri ist derzeit die erste museale Einzelausstellung des Künstlerkollektivs Chalet 5 zu sehen. Mit Objekten, Bildern und Videos zeigt das Duo, wie viel Reizvolles das Alltägliche bereithält – in der Heimat wie auch in der Fremde.
Deborah Keller
Blick in einen der Ausstellungsräume im Haus für Kunst Uri mit Werken von Chalet 5. (Bild: Wälchli & Reichlin)

Blick in einen der Ausstellungsräume im Haus für Kunst Uri mit Werken von Chalet 5. (Bild: Wälchli & Reichlin)

Gartenzaunfragmente in diversen Variationen prangen an der Aussenfassade des Museums: weiss, grau oder schwarz gestrichen, diagonal, senkrecht oder quer gerastert, mit konvexem oder geradem Abschluss und unterschiedlichen Verzierungen. Die zwölf Musterteile sind wie eine Patchworkdecke aneinandergefügt und mit Preisschildern von Jumbo versehen. Das Haus für Kunst Uri wirbt jetzt also für den Schweizer Baumarkt?

In gewisser Weise ja, derweil der Jumbo in Erstfeld aktuell ein Werbebanner der Ausstellung in Altdorf ausgehängt hat, was dort wohl nicht weniger verwunderlich erscheint. «Reality Hacking» nennt man solch künstlerische Eingriffe ins Alltägliche, die nur haarscharf an der Normalität vorbeischrammen und gerade deshalb irritieren.

Die Frage nach der Identifikation

Sie sind nicht das eigentliche Metier des Kollektivs Chalet 5, wohl aber ist es die Auseinandersetzung mit ornamentalen Erscheinungen, die überall in unserer Umgebung lauern – zum Beispiel in einer Musterinstallation von Gartenzäunen bei Jumbo. Überführt ins Haus für Kunst bildet sie den Auftakt zur ersten umfangreichen Museumsausstellung von Chalet 5. «Zuhause ist auswärts und auswärts ist zuhause», lautet ihr Titel. Fragen nach dem Ort des Eigenen, den manche gerne protektionistisch einzäunen, und nach der Identifikation mit dem Fremden stehen also als Motto über der Präsentation.

Karin Wälchli (*1960 in Zürich) und Guido Reichlin (*1959 in Luzern), die heute in Göschenen leben und seit 1995 als Chalet 5 gemeinsam agieren, sind gerne auswärts unterwegs – das wird in der Ausstellung bald deutlich. Viele ihrer gattungsübergreifenden Werke der letzten fünfzehn Jahre, von denen sie einige in Altdorf neu arrangiert zeigen, sind von Atelieraufenthalten in Kairo und einer dreimonatigen Projektreise durch Indien inspiriert. In Ländern, wo Muster und Verzierungen noch einen bedeutenderen Stellenwert geniessen als in unseren westlichen Sphären, fühlen sich die bekennenden Liebhaber von Seriellem offensichtlich wohl.

Neue Gemälde und heimische Wurzeln

Den ersten Teil der Ausstellung im Erdgeschoss allerdings dominieren Werke von 2016 bis 2018, in denen Wälchli und Reichlin wörtlich andere Töne anschlagen: Die Malerei, die sie neuerdings praktizieren, zeigt keine Ornamente, sondern meist dunkeltonige Farbigkeit und organisch anmutende, undefinierbare Formen. Vogelschwingen, Muskelfasern und andere Zellstrukturen klingen an. Oft in altmeisterlich plastischer Manier gemalt, bleiben die Gemälde dennoch grösstenteils abstrakt und erinnern auch an digitale Collagen.

Es sind rätselhafte, zuweilen fast unheimliche Bilder, an denen sich das Auge mit einer gewissen Lust am wohligen Schauer entlangtastet. Die gewaltige schwarze Plastik «Hauswurzel» von 2018, die am Ausstellungseingang fulminant den Raum durchmisst, stimmt wunderbar ein in diese geheimnisvollen Klänge und eröffnet die Thematik des Heimischen, des Ortes, wo man Wurzeln schlägt. Bunter und lichter tut das auch die Wandmalerei «Rigi» in Form einer vielfarbig linearen Rasterung. Sie greift die Tonigkeit vom gegenüber hängenden «Mädchen im Garten» auf, das der Innerschweizer Künstler Heinrich Danioth 1950 malte, schlägt aber auch eine Brücke zu den umliegenden Bergwipfeln, die im angrenzenden Fenster wie eine Erweiterung des Wandbildes erscheinen. Auf den zwei oberen Etagen nehmen uns die Künstler vermehrt mit ins Auswärtige: Sie begrüssen uns etwa mit ihren 2009 erstmals gezeigten «Gatekeepers», pompöse Portalbekrönungen aus den Strassen von Kairo, die sie im Atelier aus Karton, Marmorimitat und Interferenzspiegelfolie nachbildeten. Dekontextualisierung und Transformation von alltäglich Dekorativem nutzen Chalet 5 oft, um neue Blickwinkel zu erschliessen. Zudem zeigen sie unter anderem drei ihrer stimmungsvollen Schwarzweissfilme, die mit dokumentarisch künstlerischem Auge beiläufige Situationen im öffentlichen Raum fremder Städte beleuchten.

Willkommen in der Ferne

Den Abschluss des Rundgangs bildet eine Diaprojektion der 2006 begonnenen Bildserie «Karin steht dazu»: Die alltäglichen Besonderheiten, die Chalet 5 auf Reisen entdecken, werden jeweils fürs Archiv abgelichtet, mit Karin Wälchli im Bild, die so sinngemäss für das Ornamentale einsteht, das hierzulande Ungewohnte, das Auswärtige. Bei Chalet 5 werden die Kategorien von zuhause und auswärts nicht per se politisiert. Die Begegnung mit dem Fremden wird aber als lustvolle, inspirierende und weltenöffnende Erfahrung spürbar. Und das mag als Aussage durchaus auch politisch schlagkräftig sein.

«Zuhause ist auswärts und auswärts ist zuhause», Haus für Kunst Uri, Altdorf. Bis 25. November 2018.

Buchvernissage und Künstlergespräch: So. 18. November 2018, 11 Uhr.

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