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Buchpreisgewinner Peter Stamm: «Bei Büchern sind Ranglisten sinnlos»

Peter Stamms jüngster Roman «Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt» wurde mit dem elften Schweizer Buchpreis ­ausgezeichnet. Im Interview erklärt der Thurgauer, warum der Preis seine Leserschaft verändert.
Interview: Alexandra Looser
Der Schriftsteller Peter Stamm hat für sein Buch «Die sanfte Gleichgueltigkeit der Welt» den Schweizer Buchpreis erhalten. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Der Schriftsteller Peter Stamm hat für sein Buch «Die sanfte Gleichgueltigkeit der Welt» den Schweizer Buchpreis erhalten. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Peter Stamm, das beste Buch gibt es nicht, haben Sie bei der Verleihung des Schweizer Buchpreises in Basel gesagt. Nun sind aber doch gerade Sie jener Beste – wie sehr schmeichelt Ihnen dieser Preis trotzdem?

Ich fühle mich natürlich sehr geehrt und ich freue mich über den Preis. Aber es widerspricht meiner literarischen Überzeugung, von einem besten Buch zu sprechen. Ich habe auch ein paar Mal nicht gewonnen, was nichts über die Bücher an sich aussagt. Ein Buch ist ein Buch – ein Preis eben nur ein Preis. Für die schönen Künste sollten keine Ranglisten existieren.

Sie hatten keine Dankesrede vorbereitet – haben Sie nicht mehr mit einem Preis gerechnet?

Nein, ich wollte nur diese Oskar-Verleihungsstruktur aufbrechen. Man sollte den Showcharakter einer solchen Veranstaltung nicht noch verstärken mit einer Rede, in der man seiner Mutter dankt.Was jetzt natürlich keine Respektlosigkeit meiner Mutter gegenüber darstellen soll. Aber bei solchen Angelegenheiten sollte man eher bremsen als Gas geben.

Nach zwei Nominierungen –für «Wir fliegen» 2008 und «Seerücken» 2011 – hat es nun beim dritten Anlauf geklappt. Lag es an den­ Büchern?

Vielleicht, aber nicht nur. Ich war oft Teil einer Jury, und auch wenn man der Arbeit seriös nachgeht, gibt es natürlich Vorlieben. Vor allem in der Schweiz, deren Literaturkreis sehr klein ist und jeder jeden kennt, ist Objektivität schwierig. Von daher denke ich, dass die Bücher wie auch die Jury-Mitglieder einen Einfluss haben.

Ist «Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt» auch Ihr persönlicher Favorit?

Ich vergleiche meine Bücher gerne damit, mehrere Kinder zu haben. Man hat ja auch kein Lieblingskind – da ist das eine mal näher, dafür fordert einen das andere zu einem gewissen Zeitpunkt stärker heraus, und das erste Buch ist und bleibt für immer speziell. «Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt» ist mein jüngstes Buch und folglich jenes, das mich derzeit am meisten beschäftigt.

Über welche Kraft verfügt der Schweizer Buchpreis gegenüber kritischen Stimmen: Verspüren Sie Genugtuung?

Das ist schwer zu sagen. Wenn man einen solchen Preis gewinnt, dann gibt es bereits im Vorfeld solche, die sich ärgern, dass man überhaupt nominiert wurde. Die empfinden die Anerkennung als unverdient. Im Normalfall kaufen jene Menschen meine Bücher, die meine literarische Art mögen. Durch einen solchen Preis bilden sich nun auch Menschen eine Meinung zu einem Buch, für die es eigentlich gar nicht geschrieben wurde, die sonst andere Bücher kaufen und lesen würden. Von daher ist Genugtuung das falsche Wort. Weil so ein Preis verändert auch die Leserschaft.

Für wen haben Sie Ihr Buch nicht geschrieben?

Ich für mich persönlich kann nicht für ein stilles Publikum schreiben. Ich habe keine fiktive Leserschaft vor Augen, der mein Buch gefallen könnte oder nicht. Jeder Leser und jede Leserin soll für sich selbst herausfinden, was er oder sie mag. Darum sollten Bücher auch nicht nach Preisen beurteilt werden. Wer auf die Pirsch geht und sich auch auf Unbekanntes einlässt, entdeckt vielleicht ein Buch, das ganz wunderbar ist, aber nie in einer Zeitung besprochen wurde, geschweige denn einen Preis gewonnen hat. Und das ist es, was Literatur ausmacht, dass sie vielfältig und doch auch eigen ist.

Inwiefern verkörpert das Nebulöse Ihrer Erzählungen eine eigene, vielleicht gar Thurgauer Spezialität?

Die Thurgauer Landschaft hat mich sehr beeinflusst. Letztens hat beispielsweise ein Kollege aus Brasilien gesagt, dass mein erster Roman «Agnes» so nie in Brasilien spielen könnte – es wäre ein ganz anderes Buch, wäre es in Brasilien geschrieben worden. Klima und Topografie spielen daher sicherlich eine Rolle beim Schreiben.

Auf Mundart zu schreiben käme dabei für Sie nicht in Frage?

Fürs Radio habe ich einmal einen meiner Texte ins Schweizerdeutsch übersetzt – was sehr schön war. Aber ich bringe es nicht zustande, direkt auf Schweizerdeutsch zu schreiben. Hochdeutsch als Kunstsprache ist für mich wie das Sonntagskleid aus Kindertagen. Zwar schön, aber man fühlt sich nicht so wohl wie in den Alltagskleidern. Und genau diese Diskrepanz finde ich sehr befruchtend – darum bleibt Hochdeutsch meine Schriftsprache.

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