BELLPARK: Diese Kunst tut so, als sei sie nur Spiel

Andres Lutz und Anders Guggisberg sind das Künstlerduo Lutz & Guggisberg. Im Museum Bellpark in Kriens haben sie ein künstlerisches Chaos eingerichtet.

Kurt Beck
Drucken
Teilen
Kunst der eher unheimlichen Art: Die Installation «Die Herde im Keller» von Lutz & Guggisberg im Museum im Bellpark, Kriens. (Bild: PD)

Kunst der eher unheimlichen Art: Die Installation «Die Herde im Keller» von Lutz & Guggisberg im Museum im Bellpark, Kriens. (Bild: PD)

Dass das angesagte Schweizer Künstlerduo Lutz & Guggisberg mit seinen Interventionen Gewohntes radikal verändert, erlebt der Besucher bereits im Foyer des Museums im Bellpark. Das gediegene Entree der über 100-jährigen Villa in Kriens hat eine drastische Umgestaltung erfahren. Die Wände und der Treppenaufgang sind mit grossformatigen Fotoarbeiten überzogen: Links das Abbild einer Jagdhütte mit Trophäen, rechts ein wilder Holzhaufen und geradeaus der Ausblick in eine Baumgruppe hinter einem abgewrackten Christbaum. Statt grossbürgerlicher Gastlichkeit verströmt der Raum nun den Charme einer Geisterbahn.

«Wir wollten, dass Lutz & Guggisberg mit den Räumen arbeiten und sie in die Ausstellung mit einbeziehen», erklärt Hilar Stadler, Leiter des Museums. Diesen Auftrag haben die Künstler gründlich erledigt. Die sonst properen Räume des Hauses sind atelierähnliche umgestaltet worden mit Dreckspuren in Ecken, Betonfragmenten auf dem Parkettboden und auf Balkonen. Und im Obergeschoss sieht es aus wie in einem Plattenladen nach dem Ausverkauf. «Lutz & Guggisberg haben sich alle Mühe gegeben, dass die Ausstellung nicht schön aussieht», kommentiert Hilar Stadler.

Das Trashige gehört zum Schaffen des Duos. Es nimmt seiner Kunst das Elitäre und bringt sie auf eine populäre, fast alltägliche Ebene, macht sie attraktiv und verständlich auch für ein breites Publikum. Lutz & Guggisbergs Kunst ist auch durch ihre ausgesprochen verspielte Art leicht zugänglich. In der Ausstellung ist die Freude am Gestalten von bizarren Objekten, am Experimentieren mit Farben und Formen sowie am Inszenieren von Geschichten und surrealen Situationen im ganzen Haus sichtbar.

Beim Material und den Ausdrucksmitteln sind die beiden kreative Allesverwerter: Gewöhnliche Materialien wie Abfallholz, Gips, Beton, Karton, Äste verwenden sie ebenso selbstverständlich wie Ölfarbe und Leinwand. Plastik, Malerei, Video, Performance, Musik und Fotografie sind Mittel, die sie unbekümmert und nach Bedarf einsetzen.

Zufall und Kalkül

Wie Lutz & Guggisberg arbeiten, zeigt eine Videoinstallation, die auf drei Bildschirmen das Entstehen von Materialbildern wiedergibt. Das Zusammenspiel von Zufall und Kalkül ist dabei ein wesentliches Gestaltungsprinzip.

Die Ausstellung im Museum im Bellpark gibt einen Einblick in das Schaffen von Lutz & Guggisberg in den letzten sechs Jahren. Im Erdgeschoss bilden Holzskulpturen einen Schwerpunkt mit skurrilen Bäumchen und komplexen Konstruktionen aus Holzteilen. Im Obergeschoss sind neue Malereien zu sehen, die mit Betonskulpturen kombiniert sind.

Bereit zur Attacke

Der unheimliche Höhepunkt der Ausstellung ist die «Herde», die sich im düsteren Zwielicht im Keller versteckt. Die alienhaften und riesenbakterienähnlichen Objekte sind in Reih und Glied formiert, als ob sie sich für eine Attacke bereithalten. Und der rote Hirsch vor dem Behinderten-WC ist ebenfalls höchst suspekt. Die Installation im Keller macht deutlich: Die Kunst von Lutz & Guggisberg – so spielerisch sie auch daherkommt – ist weder banal noch harmlos, sondern doppelbödig und voller Anspielungen. Diese Erkenntnis hätte man schon vor dem Betreten des Hauses gewinnen können, beim Anblick der grossen, stierhaften Betonskulptur «Der Produzent», die neben dem Zugang zum Museum steht und wuchtig signalisiert: Das ist kein Spass.

HINWEIS

Museum im Bellpark, Luzernerstrasse 21, Kriens. Mi–Sa 14–17, So 11–17 Uhr. Bis 22. Februar. www.bellpark.ch