Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Theater: Benedikt von Peter verlässt Luzern

Nicht überraschend, aber dennoch ein Schock für das Luzerner Theater: Intendant Benedikt von Peter wechselt auf die Saison 2020/21 zum Theater Basel. In dieser Spielzeit wird er parallel auch noch das Luzerner Theater leiten, bevor er es dann definitiv verlässt. Lesen Sie unser exklusives Interview.
Interview: Urs Mattenberger
Benedikt von Peter vor dem Luzerner Theater, das er noch drei Spielzeiten lang leiten wird. (Bild: Pius Amrein, 20. August 2018)

Benedikt von Peter vor dem Luzerner Theater, das er noch drei Spielzeiten lang leiten wird. (Bild: Pius Amrein, 20. August 2018)

Der Intendant des Luzerner Theater, Benedikt von Peter, wird ab 20/21 Intendant des Theater Basel. Aber er wird auch im Übergangsjahr 20/21 in Luzern in einem limitierten Pensum intendantische Aufgaben wahrnehmen und mit seinem Team seine fünfte Luzerner Spielzeit 20/21 planen. Umgesetzt wird dieser von den drei Spartenleitungen. Auf dieses Modell eines Übergangsjahres, mit dem von Peter seinen Fünfjahresvertrag als Intendant in Luzern erfüllt, verständigte sich gemäss der Medienmitteilung von heute der Stiftungsrat des Luzerner Theater mit Benedikt von Peter sowie dem Verwaltungsrat in Basel.

Benedikt von Peter, die Stiftungspräsidentin des Luzerner Theaters (Box unten) sieht in Ihrem Wechsel nach Basel einen logischen Karriereschritt für einen erfolgreichen jungen Regisseur. Was hat Sie in Luzern enttäuscht, dass Sie sich nach nur zwei Jahren entscheiden, dies zu tun?

Das hat mit Enttäuschung überhaupt nichts zu tun. Und es ist auch nicht so, dass ich mich in Basel beworben hätte. Aber die Anfrage vom dortigen Theater kam in einem Moment, in dem ich mir ohnehin allmählich Gedanken über eine allfällige Vertragsverlängerung hätte machen müssen. Das hatte ich ja auch angekündigt, und das hängt mit den langen Planungszeiten am Theater zusammen. Die intendantischen Planungsarbeiten erstrecken sich bis zwei Jahre voraus. Wenn ich Luzern nach der Spielzeit 2020/21 verlasse, werde ich sieben Jahre Arbeit und Herzblut in dieses Theater gesteckt haben!

Nach zwei bisherigen und zwei weiteren Spielzeiten in Luzern stehen Sie in einem dritten Übergangsjahr als Intendant in Basel wie in Luzern im Einsatz. Wie kommen Sie da auf sieben Jahre?

Die Planungszeit von zwei Jahren bedeutet, dass ich bereits zwei Jahre vor meiner ersten Spielzeit für das Luzerner Theater gearbeitet habe, ohne dass das Publikum das wahrnehmen konnte. Das war und ist für mich eine fantastische Zeit. Die Offenheit des Publikums oder die breite Laienkulturszene, dank der Kultur nicht erst gemacht werden muss, sondern einfach da ist: Das waren und sind tolle Erfahrungen. Aber ich weiss auch nicht, ob ich überhaupt der Typ Intendant bin, der zwanzig Jahre an einem Ort bleiben kann (lacht).

Warum nicht?

Wir zeigen in Luzern eine grosse Anzahl auch an kleineren Produktionen und neue Formen, um der Heterogenität des heutigen Publikums gerecht zu werden. Ich denke, es ist schwierig, einen derartigen Output über viele Jahre aufrechtzuerhalten. Sie selber haben mich ja nach dem «Rigoletto» in der Viscosi-Halle besorgt gefragt, wie viele solcher Spielstätten wir noch auf dem Radar hätten. Ich bin als Regisseur vielleicht ein Freak – aber irgendwann kennt das Publikum ja dann auch meinen Stil.

Nach zwei weiteren Spielzeiten in Luzern ein Übergangsjahr, in dem Sie für Basel wie für Luzern tätig sind. Das klingt nach einem Seilziehen in den Verhandlungen. Welche Rolle haben Sie selber dabei eingenommen?

Das war tatsächlich ein langer Prozess, in dem der Stiftungsrat des Luzerner Theaters, der Verwaltungsrat des Theater Basel und ich uns auf ein solches Modell geeinigt hatten. In Basel hatte man zunächst Bedenken, nach dem Weggang von Andreas Beck, der 2019/20 ans Bayerische Staatsschauspiel wechselt, ein weiteres Interimsjahr einzuschalten. Nach der dritten Runde in den Bewerbungsgesprächen wurde dann die jetzt gewählte Lösung gefunden.

Und ein Jahr lang auf zwei Hochzeiten tanzen – das geht?

Ich hoffe es! (lacht) Nein, im Ernst, es gibt verschiedene Gründe, die das möglich machen. In Luzern habe ich ja viel Arbeit darauf verwendet, innerbetriebliche Abläufe neu zu strukturieren und den ganzen Betrieb tendenziell zu enthierarchisieren. Dieser Prozess ist weit gediehen. In Basel wird es in der ersten Spielzeit keine Box und keine Aussenspielstätten brauchen, auch das spart Zeit. Zudem steht die Spielzeit 2019/20 in Luzern bereits und diskutieren wir auch schon Pläne für die Spielzeit 2020/21. Damit ist das vom Aufwand her in diesem Übergangsjahr schon zu schaffen. Zudem geht es hier wie dort in der Theaterarbeit um ähnliche Themen.

Obwohl sich das katholische Luzern und das protestantische Basel stark unterscheiden?

Klar, diesbezüglich werde ich mit ganz anderen Mentalitäten konfrontiert werden, was ich aber für einen Theatermacher enorm inspirierend und wichtig finde. Aber die Frage, welche Balance das Theater mit Blick auf das heutige heterogene Publikum braucht, ist hier wie dort dieselbe: Welche Grundversorgung muss das Theater bieten, nachdem der Common Sense des Bildungsbürgertums an Bedeutung verloren hat?

Was zieht Sie denn speziell ans Theater Basel?

Für mich war klar, dass ich bei einem Wechsel wieder an ein Dreispartenhaus gehen würde, weil das einfach künstlerisch viel spannendere Möglichkeiten bietet als etwa ein Opernhaus. Klar war für mich auch, dass ich vorerst nicht nach Deutschland zurückkehren möchte – in der Schweiz wird an Theater informeller, effizienter und mit flacheren Hierarchien gearbeitet.

Und Basel im Besonderen?

Ich mag wie gesagt als Regisseur und sogar als Intendant ein Freak sein, aber auch ich schätze ein Haus, das international einen derart guten Ruf hat wie das Theater Basel. Insofern ist das für mich tatsächlich ein logischer Schritt. Und es muss jetzt auch gesagt sein, dass das Theater in Basel auch architektonisch einfach ein tolles Haus ist, selbst wenn es schwierig sein wird, auf dieser grossen Bühne die Intimität herzustellen, die ich wichtig finde.

Haben umgekehrt das Scheitern der Salle Modulable, Spardrohungen bei den Kultursubventionen und die langwierigen Planungsarbeiten für ein neues Theater in Luzern Ihren Weggang begünstigt?

Nein, das hat auch mit alledem nichts zu tun. Bei der Salle Modulable war es ja ohnehin nie ganz sicher, ob sich die in dieser Form hätte realisieren lassen. Die drohende Subventionskürzung 2016, die sich ja im Gespräch mit dem Kanton und der Stadt abwenden liess, werte ich aber als wichtiges, positives politisches Signal für ein neues Haus und für ein lebendiges Theater in Luzern! Und dass es Jahre braucht, um ein solches neues Theater zu realisieren, ist selbstverständlich.

Also ist Ihr Glaube an ein neues Theaterhaus in Luzern ungebrochen?

Ja, total! Ich mag zwar persönlich das Haus an der Reuss mit seiner Intimität. Aber wenn man dieses Theater als kulturellen Kulminationsort für die ganze Zentralschweiz in die Zukunft führen will, braucht es ein neues Haus. Und natürlich werde ich mich in diesen Prozess, der jetzt in eine entscheidende Phase kommt, in den nächsten drei Jahren weiter einbringen.

Sie haben das Theater in Luzern mit ihrem Raumtheater, spektakulären Aussenspielstätten und gesellschaftlichen Projekten in vieler Hinsicht revolutioniert. Wie nachhaltig können solche Entwicklungen über die Fünfjahreszyklen der Intendantenverträge sein?

Und dieser Aufbruch geht ja weiter. Ich verantworte noch drei ganze Spielzeiten in Luzern! Etwas, was bleiben wird, sind sicher die strukturellen Bereinigungen, die wir im Betrieb vorgenommen haben, um etwa die Effizienz zu steigern. Aber Intendanten machen Theater ja immer in Bezug auf das kulturelle und gesellschaftliche Umfeld einer Stadt. Da würde ich in Luzern die Zentralschweiz mit dazuzählen.

Was schätzen Sie an der hiesigen Kulturszene besonders?

Ich staune immer noch, wie stark hier traditionelle Formen von Kultur verbreitet sind, etwa in Form von Laientheatern, Blasmusiken oder Chören. Ich bin ja selber in einem Umfeld aufgewachsen, wo Identitäten sich postmodern auflösen. Und gerade deshalb hat mich hier dieses starke Gefühl für Identität fasziniert. Das und die kulturelle Vielfalt sind quasi die Grundlage, auf der ein Luzerner Theater aufbauen kann. Und sie bleibt bestehen über alle Intendantenwechsel hinweg.

Seit Benedikt von Peter: 20 Prozent mehr Zuschauer

«Der Wechsel nach Basel ist ein logischer Karriereschritt eines erfolgreichen, jungen Intendanten», sagt die Präsidentin des Stiftungsrats Luzerner Theater, Birgit Aufterbeck Sieber. «Natürlich kommt dieser Schritt früher als erwartet. Aber durch die Lösungen für das Übergangsjahr haben wir die Möglichkeit geschaffen, die erfolgreiche Entwicklung des Luzerner Theater auch in den nächsten Jahren sorgfältig fortzuführen.» Wegen der langen Vorläufe im Theater wird der Wechsel in Basel und Luzern bereits jetzt bekannt gegeben, damit der Übergang reibungslos und geordnet erfolgen kann. Von Peter bedankte sich beim Luzerner Publikum für die bisher gezeigte Offenheit sowie beim «guten, motivierten Team», das den «Kurs des Aufbruchs» möglich gemacht habe.

Tatsächlich befindet sich das Luzerner Theater seit Beginn der Intendanz Benedikt von Peter vor zwei Jahren im steten Aufbruch. Der damals 39-jährige Intendant positionierte das Luzerner Theater innert kürzester Zeit als vielbeachtete Spielstätte im deutschsprachigen Raum. Die Zuschauerzahlen des Hauses stiegen um 20 Prozent auf über 71000 Besucher bei einer Auslastung von 80 Prozent. Die Neupositionierung begann bereits mit von Peters Eröffnungsproduktion «Prometeo» und wurde weitergeführt unter anderem mit seiner legendären «La traviata»-Inszenierung. Auch suchte und entdeckte der junge Intendant, der sich dem «Raumtheater» verschrieben hat, im Umkreis von Luzern immer neue Spielorte, so etwa eine alte Viscose-Fabrikhalle in Emmenbrücke, in der «Rigoletto» vor ständig ausverkauftem Haus gespielt wurde. Zum Ende der vergangenen Spielzeit lockte das «Ein Luzerner Jedermann»-Freilichtspiel 9‘000 Besucher an. Benedikt von Peters dritte Spielzeit als Intendant des Luzerner Theater wird am 7. September mit der Premiere der Slapstick-Oper «Im Amt für Todesangelegenheiten» eröffnet.

«Gemeinsam sind wir gewachsen», sagt Stiftungsratspräsidentin Birgit Aufterbeck Sieber. «Von hier aus wollen wir die kommenden Jahre nutzen und uns mit diesem Rückenwind aufstellen für ein weiterhin starkes Luzerner Theater.»

Um die künstlerische Qualität und Ausstrahlung des Hauses über 20/21 hinaus sicherzustellen, setzt der Stiftungsrat eine Findungskommission ein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.