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BENEFIZ: Opernabend voller Gefühle und Esprit

Ramón Vargas und Regula Mühlemann bestritten im Luzerner Theater zusammen ein Galakonzert. Es wurde ein bewegender und beglückender Abend.
Die künstlerische Chemie stimmte zwischen Ramón Vargas und Regula Mühlemann. (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Die künstlerische Chemie stimmte zwischen Ramón Vargas und Regula Mühlemann. (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Stefan Degen

Gleich zu Beginn zeigt ein kurzer Film Bilder, die unter die Haut gehen: cerebral gelähmte Kinder in Mexiko, die für ein wenig Freude im Leben hart kämpfen müssen. Ihnen und ihren Familien hilft ganz konkret die Stiftung «Fondo Memorial Eduardo Vargas», die Ramón Vargas im Andenken an seinen im Jahr 2000 verstorbenen Sohn gründete. Für den mexikanischen Tenor ist diese Stiftung eine Herzensangelegenheit, für die er weltweit Benefizkonzerte gibt. So auch am Samstagabend wieder einmal im Luzerner Theater, dem der 55-jährige Sänger eng verbunden ist.

Auf Augenhöhe

Denn hier hat er sich im Ensemble von 1988 bis 1990 die Basis für seine Weltkarriere erarbeitet. Als Partnerin zur Seite steht Vargas diesmal die aus Adligenswil stammende Sopranistin Regula Mühlemann (29). Auch sie ist schon in Produktionen am Luzerner Theater aufgetreten. So wird der Abend zu einem Generationentreffen unter Sängern. Erfreulich dabei ist: Sie treffen sich auf Augenhöhe.

Das umfangreiche Programm beinhaltet Werke von Mozart, Donizetti und Verdi. Ramón Vargas wählt seine Partien stets mit Bedacht aus und ist dem Belcanto-Repertoire über all die Jahre weitgehend treu geblieben. Das erlaubt ihm auch, mit gereifter Stimme Werke von Mozart zu interpretieren. Die Arie des Don Ottavio «Il mio tesoro» (aus «Don Giovanni») singt er schön auf dem Atem, die Arie «Fuor del mar» (aus «Idomeneo») gestaltet er packend mit dramatisch aufgeladenen Koloraturen.

Einnehmend die beiden Mozart-Arien, die Regula Mühlemann interpretiert: Gefühlvoll das «Vedrai carino» der Zerlina, elegisch das «Zeffiretti lusinghieri» der Ilia. Ihre Stimme strahlt mit reinem Silberton. Dann der Wechsel zu Donizetti: Eine kecke Norina («Don Pasquale») mit viel Schalk und leicht perlenden Koloraturen. Ernst und heiter schliesslich «L’elisir d’amore»: Die Arie des Nemorino «Una furtiva lagrima» berührt durch Schmelz, puren Wohllaut und verinnerlichten Vortrag. Hübsch ausgespielt folgt das Liebestrank-Duett «Esulti pur la barbara», das Tenor und Sopran mit viel Spielfreude, Esprit und stimmlich aufs Schönste harmonierend gestalten.

Nach der Pause singt Ramón Vargas zunächst die von Matteo Salvi für Donizetti nachkomponierte Arie «Angelo casto e bel» aus «Il duca d’Alba». Eine Ode des Schmerzes, gekrönt mit einem sich in der Höhe weit öffnenden strahlenden Spitzenton. Regula Mühlemann brilliert in der virtuosen Arie «O luce di quest’anima» aus «Linda di Chamounix» mit schönen Variationen im Belcanto-Stil. Im Duett «Verranno a te» aus «Lucia di Lammermoor» finden Vargas und Mühlemann erneut zu perfekter Einheit. Sie zeigen ihr sängerisches Wohlgefühl denn auch unverhohlen schon vor dem Schlusston durch glückliche Blicke.

«Sehr dankbar»

Vor dem Verdi-Teil wendet sich Ramón Vargas ans Publikum: «Ich bin sehr dankbar, wieder in der Stadt Luzern zu sein.» Sympathisch seine Worte auch über die Partnerin des Abends: «Sie ist fantastisch, sehr jung, sehr hübsch, mit viel Talent. Also – sie hat alles!»

Gut liegt Regula Mühlemann denn auch die Arie des Oscar «Volta la terrea» (aus «Un ballo in maschera»), während Vargas in Adornos Arie «Cielo pietoso rendila» (aus «Simon Boccanegra») dramatische Attacke mit lyrischer Emphase zu verbinden weiss – dazu perfektes Legato und edle Phrasierung.

Den Schlusspunkt setzt das Duett Duca-Gilda («Signor né principe ... Addio, addio speranza») aus «Rigoletto». Noch einmal singen der arrivierte Sänger und seine junge Partnerin auf Augenhöhe. Die Luzernerin empfiehlt sich damit für grössere Partien auf der Bühne: Adina, Norina, Oscar, später wohl auch Gilda und Lucia.

Den ganzen Abend gelächelt

Zum guten Gelingen des Abends trägt wesentlich das Luzerner Sinfonieorchester unter dem Dirigenten Howard Arman bei. Es begleitet die Solisten aufmerksam und setzte zudem eigene Akzente mit zwei Ouvertüren («Tito» und «Betly») und Auszügen aus beliebter Ballett­musik. In Erinnerung bleibt auch eine ältere Cellistin, die den ganzen Abend über ein Lächeln auf dem Gesicht hat. Das Publikum im Luzerner Theater feiert die beiden Protagonisten mit Standing Ovations und dankt auf diese Weise für einen Abend voller Emotionen.

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