Bligg im Interview: «Als Musiker gibt es keine Altersgrenze»

Nach einem Jahr als Vollzeitpapi kehrt der Schweizer Mundartmusiker wieder zurück auf die Bühne - und besucht dreimal die Ostschweiz.

Interview: Desirée Müller
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Bligg tritt am Samstag, 25. August, am Summerdays Festival in Arbon auf.

Bligg tritt am Samstag, 25. August, am Summerdays Festival in Arbon auf.

Frisch vom Coiffeur im gewohnt stylischen Bligg-Outfit nimmt sich der Schweizer Mundartmusiker, Produzent und Papi im Hotel Renaissance in Zürich Zeit für eine Kaffipause – und einen Schwatz mit dem «A». Bligg besucht dieses Jahr nämlich dreimal die Ostschweiz. Auch privat ist er mit Sohn Lio regelmässig am Bodensee anzutreffen. Am 24. August steht der 41-Jährige nun am Summerdays Festival in Arbon auf der Bühne. Am 10. November kommt der erfolgreiche Musiker in die Rüegerholzhalle nach Frauenfeld und am 1. Dezember nach Wattwil in die Markthalle. Nach einem Jahr Pause startet Bligg nun mit seinem neuen Album «KombiNation» und einem vollen Tourneekalender durch. Die Auszeit tat dem Musiker sichtlich gut.

Sie waren ein Jahr von der Bildfläche verschwunden. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Bligg: Nach zwanzig Jahren war es Zeit für eine Pause von der Bühne. Ich unternahm mit meinem Bruder einen Roadtrip durch Florida und reiste durch Asien. Dazu verbrachte ich viel Zeit mit meinem 3-jährigen Sohn Lio und testete gefühlte hundert verschiedene Hüpfburgen. Dazu hatte ich zum ersten Mal seit Jahren freie Wochenenden. Das war anfangs ungewohnt, aber auch wirklich sehr schön.

Also ein chilliges Jahr?

Teils, teils. In der Auszeit entstand auch mein neues Album «KombiNation», das im April veröffentlicht wurde. Dank meiner Reisen konnte ich verschiedene Musikstile in die Songs einfliessen lassen. Zum Beispiel karibische Klänge. Daher war es auch ein sehr produktives Jahr. Einzig auf die Auftritte verzichtete ich.

Ein Jahr Pause klingt gut. Wie konnten Sie sich finanzieren?

Ich lebe recht bescheiden und nach zwanzig Jahren im Musikbusiness bin ich ziemlich gut aufgestellt. Ich gehe dazu nicht mehr gross in den Ausgang und habe keinen Fahrzeugpark in der Garage.

Hören Sie selbst Ihre Musik?

Eigentlich nicht. Oft geniesse ich die Stille nach einem Tag im Studio und höre überhaupt keine Musik zu Hause. Kürzlich war ich aber mit Lio im Auto unterwegs und im Radio wurde mein Song «Stammtisch» gespielt. Lio begann sogleich mitzusingen und ich war absolut baff! Er war Wochen zuvor dabei, als ich seiner Mutter das Musikvideo auf dem Laptop zeigte. Es ist mir ein Rätsel, warum er sich Teile des Textes merken konnte.

Apropos Mitsingen: Sie haben bisher über 250 Songs produziert. Kennen Sie noch alle Texte?

Definitiv nicht. So die Evergreens wie «Rosalie» werde ich noch mit 90 im Altersheim auswendig können. Aber es gibt sogar noch x unveröffentlichte Songs auf meinem Laptop.

Zum Thema Altersheim: Wie lange wollen/können Sie noch auf der Bühne stehen?

Als Musiker gibt es eigentlich keine Altersgrenze. Solange ich Freude am Produzieren und Performen habe und die Leute meine Musik hören, mache ich weiter.

Und wenn das mal nicht mehr der Fall ist?

Ich habe verschiedene Träume oder schon etwas konkretere Pläne. So würde ich gerne eine Kinder-CD aufnehmen oder ein Drehbuch schreiben. Am liebsten einen Thriller.

Bligg hat eine düstere Seite?

Thriller finde ich einfach grossartig. Ich habe auch schon einige Ideen im Kopf. Aber die sind noch nicht spruchreif.

Wie wäre es mit Schauspielerei?

In der Tat habe ich schon Anfragen bekommen. Doch bisher hat mich noch keine Rolle so richtig überzeugt.

Was können sich unsere Leser unter einer Kinder-CD vorstellen?

Manchmal rappe ich spontan für Lio. Zum Beispiel wenn er seinen Pyjama nicht anziehen möchte. (Singt den «Pischi-Song».) Meistens funktioniert's und er macht bereitwillig mit. So dachte ich mir, dass ich Eltern mit solchen Liedern den Alltag etwas erleichtern könnte.

Coole Idee!

Danke.

Sie sind ein Wortkünstler. Waren Sie auch im Deutschunterricht so kreativ?

Ich war wirklich ziemlich gut in Deutsch und schrieb auch gerne Aufsätze und so. Dafür war ich in Mathe super schlecht.

Ihre Grosseltern und auch Ihre Eltern haben früh geheiratet. Machen sie ordentlich Druck?

Verheiratet oder nicht – ich habe ein Kind und das zählt doppelt, wenn nicht dreifach (lacht).

Immer wieder werden Sie als der attraktivste Musiker der Schweiz betitelt.

(lacht)

Das beeindruckt mich wenig. Ich finde es viel wichtiger, dass mich die Leute wegen meiner Musik gut finden. Mein Aussehen konnte ich mir schliesslich nicht aussuchen.

Wie sieht's mit Groupies aus?

Es heisst immer, dass die Schweizer so zurückhaltend sind. Kürzlich wurde ich aber im Hallenbad eine halbe Stunde lang von einer Seniorin angestarrt. Diese ermunterte dauernd ihre verstörten Enkel, ein Autogramm zu holen. Wer direkt fragt, kriegt super gerne ein Selfie. Aber dieses Beobachten und Gemurmel finde ich irgendwie unheimlich. (Zieht eine Grimasse)