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BERLIN: Filmpreis für Schweizer Koproduktion «Youth»

Bei der Verleihung des 28. Europäischen Filmpreises gewann Paolo Sorrentinos Tragikomödie «Youth» mit Michael Caine und Harvey Keitel am Samstagabend alle wichtigen Preise. Am Film war die Schweiz minoritär beteiligt, grosse Teile davon wurden in den Schweizer Bergen gedreht.
Die Gewinner der österreichische Schauspieler Christoph Waltz, die britischen Schauspieler Charlotte Rampling, und Sir Michael Caine und Paolo Sorrentino (von links nach rechts) an der 28. Verleihung des Europäischen Filmpreises in Berlin. (Bild: EPA/ Clemens Bilan)

Die Gewinner der österreichische Schauspieler Christoph Waltz, die britischen Schauspieler Charlotte Rampling, und Sir Michael Caine und Paolo Sorrentino (von links nach rechts) an der 28. Verleihung des Europäischen Filmpreises in Berlin. (Bild: EPA/ Clemens Bilan)

Der 45-jährige Sorrentino wurde auch als bester Regisseur geehrt. Sein 82-jähriger Hauptdarsteller Michael Caine, der im Film einen pensionierten Dirigenten in der Sinnkrise spielt, erhielt die Auszeichnung als bester Schauspieler und aus den Händen von Regisseur Wim Wenders obendrein noch einen Sonderpreis der Europäischen Filmakademie für sein Gesamtwerk.

«Danke, danke Ihnen sehr. Ich kann Ihnen nicht sagen, was das bedeutet!», rief der sichtlich gerührte Brite Caine ins Publikum. Oscar-Preisträger Sorrentino hatte bereits vor zwei Jahren mit «La Grande Bellezza» die Trophäe für den besten Spielfilm beim Europäischen Filmpreis geholt.

Die britisch-französische Schauspielerin Charlotte Rampling wurde nicht nur für ihr Lebenswerk, sondern auch als beste Schauspielerin für ihre Rolle in dem Ehedrama «45 Years» geehrt - und war bei diesem Preisregen den Tränen nahe. «Ich liebe es, Auszeichnungen zu bekommen», so die 69-jährige Rampling. Auf eine bestimmte Art seien Schauspieler wie Kinder. «Ich denke, wir alle wollen anerkannt werden und gesagt bekommen: Du hast heute gute Arbeit geleistet.»

Eher konservative Wahl

«Youth» erzählt von zwei alten Freunden (gespielt von Caine und Harvey Keitel), die gemeinsam Urlaub in einem Wellnesshotel in den Alpen machen - und dort mit den grossen Fragen nach Liebe, Tod und Vergänglichkeit konfrontiert werden.

Die Mitglieder der Filmakademie gingen mit ihrer Wahl für den erlesen elegischen Bilder- und Gefühlsrausch «Youth» auf Nummer sicher - und entschieden sich gegen das filmische Wagnis.

Ebenso experimentell wie der 138 Minuten lange, in nur einer einzigen Kameraeinstellung gedrehte Berlin-Krimi «Victoria» war Mitfavorit «Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach». Der Schwede Roy Andersson gewann für seinen skurrilen Film über zwei trübsinnige Scherzartikel-Verkäufer immerhin den Preis für die beste Komödie.

Seltene europäische Einigkeit

Der 59 Jahre alte Oscar-Preisträger Christoph Waltz nahm sichtlich gerührt und mit zittriger Stimme den Europäischen Filmpreis für seinen «Beitrag zum Weltkino» entgegen. Der gebürtige Wiener spielte zuletzt in internationalen Produktionen wie «Inglourious Basterds» und «Spectre».

Auch politisch wurde es bei der Gala. «Europa geht durch eine harte Zeit. Und unsere Filme, die wir heute Abend feiern, zeigen eigentlich eine andere Art von Europa», sagte Wim Wenders, der Präsident der Europäischen Filmakademie ist. Sie zeigten eine europäische Filmfamilie, die sich gut verstehe. «Und das ist ja eigentlich in Europa gerade nicht angesagt. Und ich glaube, wir müssen ein bisschen auch mit einem guten Beispiel vorangehen.»

So gab es bei der Verleihung auch nachdenkliche Momente. Schauspieler Burghart Klaussner («Der Staat gegen Fritz Bauer») sang Charles Trenets Chanson «Douce France» als Hommage an das von Terroranschlägen erschütterte Land. Und Filmstar Daniel Brühl erinnerte an den inhaftierten ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow.

sda

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