Operette in Sursee: Berlin total auf Erde und Mond

Sterne, Fürsten, Liebeleien und ein erleichterter Polizist: Die Operette «Frau Luna» entzückt in Sursee.

Roman Kühne
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Mondszene mit den Hauptfiguren Fritz (Andres Esteban, vorne) und Frau Luna (Raya Sarontino, Podest).

Mondszene mit den Hauptfiguren Fritz (Andres Esteban, vorne) und Frau Luna (Raya Sarontino, Podest).

Bild: Roberto Conciatori / PD

Die Jungfrau hat Zwillinge – und erst noch vom Wassermann. Der Prinz Sternschnuppe liebt die Frau auf dem Mond. Diese macht dem Fritze schöne Augen. Aber der will eigentlich die Marie heiraten. Die Venus hat der Liebe abgesagt und löst lieber Kreuzworträtsel.

Turbulent geht es zu, zwischen Berlin und den Gestirnen. Turbulent, schwungvoll und prächtig ist auch die Inszenierung dieses burlesken Stückes. Ein wildes Karussell, das fast aus seiner Bühne platzt. Ein Spiel über Verführung und Lebensfreude, Wirrungen und Verdrehungen. Bis am Schluss jede und jeder sein Plätzchen findet.

Es ist eine «Feel-good-Operette», welche die Musik- und Theatergesellschaft Sursee mit der Premiere am Samstag lanciert hat – leicht, beschwingt und teils witzig. Sicher, Tiefgang oder gar Denkanstösse würde man vergebens suchen. Aber charmanter Humor und fröhliche Melodien sorgen für zwei vergnügliche Stunden.

Der deutsche Komponist Paul Lincke schrieb seine burleske Komödie zwar schon 1899. Die bekanntesten Stücke wurden jedoch erst später hinzugefügt und den finalen Schliff erhielt das Schauspiel erst Anfangs der 1920er-Jahre. Eine «goldene Zeit», die das Surseer Team überzeugend ins Theater bringt.

Der Mond als Varieté

Schon beim Bühnenbild (Björn B. Bugiel, Bau: Fynn Bolliger) gibt es Szenenapplaus. Die eh schon enge Rampe scheint aus allen Nähten zu platzen. Häuser in Blau, Grün, Gelb und Rot füllen das Rund. Berlin als ein Strauss bunter Luftballone. Details wie Schnürlischrift oder die Plakatsäule mit dem Aushang «Det Auge det Jesetzes» transportieren das Publikum in jene verrückten Jahre der damals drittgrössten Stadt der Welt.

Die Ausstattung des Mondes, geschwungene Rundtreppe, nicht weniger als 1120 gezeichnete Sterne am Himmel und viel Silber und Gold zeigen, was er wirklich ist – eine Varieté-Bühne und ein Partytrabant, mit der Startänzerin «Frau Luna» im Mittelpunkt. Ariann Gloor und ihr 9-köpfiges Nähteam spiegeln mit ihren Kostümen perfekt die damalige Partystimmung, mit der Deutschland der Hyperinflation trotzen wollte. Aus Gold und Silber sind die Körperschleier, jede Kopfbedeckung ist von Maskenbilderin Hanni Nievergelt individuell gestaltet. Die Parade der Sternzeichen mit Krebsscheren, Löwenhaar oder Skorpionschwanz führt zu Gemurmel im Publikum. Zwar ist die Ausstattung nicht überraschend, präsentiert sich jedoch festlich, fröhlich und professionell umgesetzt. Ein Mond-Mix aus Varieté, Madonna-Pop und Arabien.

Die Inszenierung von Björn B. Bugiel betont diesen Partycharakter. Abgesehen von einer kurzen Szene im Haus, ist ständig Bewegung auf der Bühne. Die Berliner Frauen mit ihren unförmigen Kleidern und Hüten, der exzellent aufsingende Chor , der sich am Cabaret orientierende Tanz schaffen ein abwechslungsreiches Panoptikum. Selbst die Rakete scheint richtig zu fliegen.

Überzeugendes Hauptdarstellerpaar

Das Orchester unter der Produktionsleiterin Isabelle Ruf-­Weber spielt im Ton keck und transparent. Zwar ist die Präzision bei der Premiere noch nicht überall da, aber die Musiker liefern das richtige Flair. Das Ensemble singt und spielt packend. Die Krienserin Raya Sarontino als kühl-überlegene Mondschönheit und der Basler Andres Esteban als Fritz sind das überzeugende Hauptdarstellerpaar.

Aber auch die anderen Rollen sind, ebenfalls teils mit lokalen Kräften, stark besetzt. Etwa der kauzige Wachtmeister Theophil (Andreas Fitze, Ebikon), der selbstverliebte Egon (Livio Schmid, Luzern), die klar singende Marie (Corinne Achermann, Neuenkirch) oder der mondbesessene Lämmermeier (Stefan Wieland,Luzern).

Daniel Gloor, Präsident der Musik- und Theatergesellschaft, hat es treffend formuliert: «Es ist uns bewusst, dass die Erwartungen hoch, vielleicht zu hoch sind.» Doch sie werden erfüllt. Eine Steigerung wäre wohl nur noch mit einer vollen Professionalisierung zu erreichen. Doch dies wäre schade. Ein Merkmal der Operetten in Sursee ist gerade, dass sich Amateure und Profis zum stimulierenden Gemenge finden. Wenn am Ende das Publikum den Song «Berlinger Luft» mitklatscht, ist klar: «Frau Luna» wird dem Haus auch dieses Jahr einen Erfolg bescheren.

«Frau Luna», bis So, 22. März; www.stadttheater-sursee.ch