Interview

Comedystars Bernhard Hoëcker und Wigald Boning: «Uns verbindet Angstfreiheit vor dem, was schieflaufen könnte»

Die deutschen Comedystars Bernhard Hoëcker und Wigald Boning treten in Ebikon auf. Hoëcker erläutert das sehr spezielle «Programm».

Arno Renggli
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Bernhard Hoëcker (rechts) und Wigald Boning.

Bernhard Hoëcker (rechts) und Wigald Boning.

Bild: PD

Unser Anruf erwischt Bernhard Hoëcker (ausgesprochen adlig klingend «Ho-Ecker» und nicht etwa kamelmässig «Höcker») im Auto, natürlich mit Freisprechanlage. Er habe gerade seine Töchter abgegeben, jetzt fahre er seine Mutter zum Arzt. Nein, nichts Schlimmes, nur Routine. Es ist doch irgendwie schön, dass auch TV-bekannte Comedystars einen ganz normalem Familienalltag haben.

Mit Wigald Boning führen Sie die Bühnenshow «Gute Frage» auf. Diese besteht darin, dass Sie beide Fragen aus dem Publikum beantworten. Sind Sie zu faul, um ein richtiges Programm zu schreiben.

Bernhard Hoëcker: Ja! Aber im Ernst: Dass es im Grunde keine Vorarbeit braucht, ist tatsächlich ein Vorteil einer solchen Show. Noch wichtiger aber ist uns, dass jeder Abend total anders ist und es immer Überraschungen gibt.

Das mit der Faulheit war nur Spass. Improvisation hat ja in Ihrer Karriere oft eine wichtige Rolle gespielt: Sie haben mit Improtheater begonnen, und auch in TV-Shows wie «Genial daneben» war Spontaneität angesagt.

So ist es. Und sogar in meinen Soloprogrammen hat es immer einen grossen Impro-Anteil, etwa in der Interaktion mit dem Publikum oder indem ich auch lokale Themen des jeweiligen Aufführungsorts einbaue.

Auch Wigald Boning taucht ständig in Ihrer Karriere auf, etwa in der TV-Show «Nicht nachmachen!», in der Sie beide Experimente durchführten, die buchstäblich total durchgeknallt waren. Die Chemie zwischen Ihnen muss ja perfekt stimmen.

Ich denke, Wigald und mich verbindet eine grosse Neugierde. Und zugleich eine gewisse Angstfreiheit vor dem, was alles schieflaufen könnte. Kommt hinzu, dass wir uns punkto Interessengebiete sehr gut ergänzen: Ich begeistere mich für alles Naturwissenschaftliche, er für Kultur, Philosophie, Literatur etc. Damit können wir vor allem auch auf der Bühne sehr viele Themen abdecken.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es hilft, wenn man beim Improvisieren zu zweit ist. Wenn dem einen nichts einfällt...

...springt der andere ein, klar. Ausser wenn beiden nichts einfällt, auch das kann es geben. Und auch das kann lustig sein. Oder ich lasse Wigald ganz bewusst ein bisschen herumstottern, wenn er nicht weiter weiss. Aber in aller Regel spielen wir einander die Bälle zu. Wir sind im ständigen Kontakt miteinander und merken, wer eine gute Idee hat und wer den anderen sozusagen anmoderieren kann.

Die Fragen, die Ihnen aus dem Publikum zugespielt werden, sind nicht immer an sich lustig. Da hat es durchaus auch Ernstes darunter. Wie gehen Sie damit um?

Das ist richtig. Und eigentlich sind die gezielt «witzigen» Fragen für uns gar nicht so dankbar. Ist schon die Frage ein Gag, geht die Antwort meistens nach hinten los. Mit eigentlich ernsten Fragen, aus Bereichen wie Wissen, Kultur oder Gesellschaft, können wir mehr anfangen.

Erhalten Sie auch Fragen, bei denen die Antwort gar nicht lustig sein kann?

Aber sicher. Und dann antworten wir eben ernsthaft. Zu Greta Thunberg etwa möchte ich keine Gag-Antwort geben. Oder zu besonders aktuellen politischen Themen wie dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Oder als in Deutschland das Flüchtlingsthema sehr aktuell war. In solchen Fällen sagen wir eben, wie wir darüber denken.

Sie haben ja auch schon politisch orientierte Comedy gemacht. Würde Sie das noch vermehrt interessieren?

Hier bin ich eher skeptisch. Ich finde die meisten politischen Themen etwas zu komplex für Comedy. Zudem ändere ich ja auch mal meine Meinung, wenn ich zu einem Thema was Neues gelesen oder gehört habe. Und da ist es nicht ideal, wenn ich mich auf der Bühne oder im Fernsehen schon dazu geäussert habe. Trotzdem möchte ich auch als Comedian eine gesellschaftliche Grundhaltung einnehmen, etwa wenn es gegen Radikalisierung geht. Oder um Klimaschutz, den ich befürworte.

Sie sind ja auch in einigen Folgen der Seifenoper «Verbotene Liebe» aufgetreten. Würden Sie vermehrt auch ernste Rollen interessieren?

(Lacht)

So ernst war die Rolle nicht, ich spielte da einen eher exaltierten Hochzeitsplaner. Aber sicher würde es mich reizen, etwa in einem Film mal den Liebhaber oder einen Helden zu spielen. Aber ich denke, das wäre für die Produzenten dann doch ein beträchtliches Risiko...

«Gute Frage» mit Bernhard Hoëcker und Wigald Boning: Montag, 13. Januar 2020, 20 Uhr, im Pfarreiheim Ebikon; www.kulturwerk-ebikon.ch