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Interview

«Berühren, nicht beeindrucken!»

Während man am Piano-Festival junge Schweizer Pianisten vermisste, tritt nun Louis Schwizgebel im KKL auf. Ein Gespräch über Virtuosität, Internet-Klicks und Hindernisse für eine Karriere in der Schweiz.
Interview: Roman Kühne
Die grosse Show ist nicht seine Art: der Pianist Louis Schwizgebel (31). (Bild: Marco Borggreve/PD)

Die grosse Show ist nicht seine Art: der Pianist Louis Schwizgebel (31). (Bild: Marco Borggreve/PD)

Louis Schwizgebel, Sie spielen im KKL das 1. Klavierkonzert von Liszt. Sind Sie ein typischer Pianist der jungen Virtuosengeneration?

Wenn ich dieses Stück spiele, dann muss ich natürlich ein «Virtuose» sein. Denn das Stück ist technisch sehr anspruchsvoll. Es braucht hier jedenfalls eine ganz andere Vorbereitung, als wenn ich Beethoven interpretiere. Die Komposition ist theatralisch, hat viele Effekte. Aber dies ist nur eine Seite. Es ist nämlich auch eine fantastische Musik, voll der Schönheit, mit weiten, ruhigen Momenten.

Welches ist denn Ihr Verhältnis zur Virtuosität?

Eigentlich gar keines. Sie dient dazu, um ein Stück zu meistern. Aber das Technikbolzen, die grosse Show sind nicht meine Art. Für mich sind Rachmaninov oder Tschaikowsky nicht die entscheidenden Komponisten. Lieber spiele ich Schubert, Mozart oder Beethoven. Musik muss berühren, nicht beeindrucken. Wenn ich ein Programm mache, dann muss es mich bewegen, für mich musikalisch spannend sein.

Den chinesischen Hang zur Technik haben Sie als halber Chinese also nicht übernommen?

Die Leute fragen mich manchmal, welcher Teil an mir chinesisch und welcher schweizerisch ist. Ich habe meine ganze Jugend in Genf verbracht und bin deshalb sicher eher schweizerisch. Aber die Disziplin und die Wichtigkeit des Arbeitens wurden mir wohl von meiner chinesischen Mutter beigebracht. Auf der anderen Seite sind ja die Schweizer auch sehr arbeitsam. So habe ich diese Eigenschaft gleich doppelt mitbekommen. (lacht)

Sie leben in London. Wer als Künstler Karriere machen möchte, muss die Schweiz so rasch wie möglich verlassen – gilt dies noch immer?

Eine interessante Bemerkung. Ich bin bis in die frühen Zwanzigerjahre in Genf geblieben. Aber ja, es gab irgendwann einen Punkt, wo ich gemerkt habe, dass ich weg muss. Wäre ich geblieben, es hätte mich eingeschränkt, ja limitiert. Als Musiker kann man nicht «lokal» bleiben. Die Schweiz ist so klein, da merkt man nicht wirklich, was international so abgeht. Ich ging deshalb nach New York, wo ich zwei Jahre bei Emanuel Ax studiert habe.

Und dann kamen Sie nach London.

Ich gewann 2012 den zweiten Preis bei der Leeds International Piano Competition. Dieser Wettbewerb wurde live übertragen und hat mir in England, ja in ganz Europa viele Türen geöffnet. Es war also irgendwie logisch, mich dort niederzulas­sen. Und für einen Musiker ist London einfach unglaublich. Du kannst jeden Tag an Konzerte gehen. Es ist sehr leicht, Kontakte zu knüpfen. Irgendwie herrscht hier konstant eine richtige Aufbruchstimmung.

Sie sind ein junger Künstler. Erreichen Sie auch besser ein junges Publikum?

Mit klassischer Musik ist es sicher schwieriger, die Jungen zu begeistern. Ich spiele teils in Schulen vor Teenagern und hoffe, so das Interesse zu wecken. Dann bin ich auch schon am rockigen Paléo Festival in Nyon aufgetreten. Dort ist immer der letzte Abend für die Klassik reserviert und zieht ein sehr junges Publikum an. Wenn ich allerdings in Zürich spiele, dann meist vor einem gesetzteren Publikum. Am ehesten sind es Musikstudenten, die an meine Konzerte kommen.

Im Internet haben Sie aber mit «Six-Bach» einen Hit gelandet. Das Video wurde mehr als 1,5 Millionen Mal angeklickt.

Es ist natürlich ein Witz, eine Anspielung auf «Six-Pack». Ich spiele dort Bach, verbunden mit «Rumpfbeugen. Es hat mich schon überrascht, wie viele Leute sich dies anschauen. Und sicher, online kann man die Jugendlichen sehr gut erreichen. Ich habe aber keine Pläne, in diese Richtung zu gehen. Man bekommt im Netz zwar schnell viel Aufmerksamkeit, aber vor allem für Gags und Blödeleien. Im Internet mache ich solche Witzchen durchaus. Ich würde diese aber nie in einem Konzert zum Besten geben.

Louis Schwizgebel und die Ungarische Nationalphilharmonie treten im Rahmen der Migros Classics morgen Mittwoch, 28. November 2018, 19.30 Uhr, im KKL Luzern auf.

www.migros-kulturprozent-classics.ch

Schwizgebels «Six-Bach work out» auf www.youtube.com.

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