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Briefe aus dem Gefängnis zeigen Nelson Mandela berührend unbeugsam

2013 ist Nelson Mandela gestorben. Jetzt sind seine Briefe, die er als Inhaftierter geschrieben hat, als Buch erschienen. Sie zeigen einen Menschen, der seine Würde nie verloren hat.
Martin Preisser
Ein Grosser des 20. Jahrhunderts: Nelson Mandela 1961, kurz vor seinem 27 Jahre dauernden Gefängnisaufenthalt. (Bild: AP)

Ein Grosser des 20. Jahrhunderts: Nelson Mandela 1961, kurz vor seinem 27 Jahre dauernden Gefängnisaufenthalt. (Bild: AP)

Briefeditionen sind oft nur für Historiker interessant, man liest sie höflich, aber wird nicht von ihnen gepackt. Bei Nelson Mandelas «Briefen aus dem Gefängnis» ist das ganz etwas anderes. Die ausgewählten 250 Briefe des südafrikanischen Bürgerrechtlers, Aktivisten des Afrikanischen Nationalkongresses ANC und späteren Präsidenten fesseln sofort.

Es ist die Haltung, die hinter dieser in über zehn Jahren vorbereiteten und sehr sorgfältig dokumentierten Briefsammlung aufscheint: eine Unbeugsamkeit, die berührt, eine Freundlichkeit und Höflichkeit, die auch Mandelas Feinde und Gegner einbezieht. Innere Stärke und Klarheit durchziehen diese einmaligen Dokumente zum hundertsten Geburtstag des hartnäckigen und letztlich erfolgreichen Kämpfers gegen die Apartheid-Politik. Die Briefe zeigen, wie Mandela wurde, was er war, ein grosser Humanist.

27 Jahre, bis 1990, war er inhaftiert. «Man will unsere Moral brechen, sodass wir nie wieder die Kraft und den Mut aufbringen, für unsere Ideale einzutreten. Dies ist unsere Strafe dafür, dass wir unsere Stimme gegen die Tyrannei der Hautfarbe erhoben haben», schreibt Nelson Mandela 1969 in einem Brief an den südafrikanischen Justizminister.

Zehn Jahre kein Bett und nur kaltes Wasser zum Trinken

Doch genau diesen Mut hat sich Mandela nie brechen lassen. Auch nicht durch die anfangs brutalen Haftbedingungen auf der vor Kapstadt gelegenen Gefängnisinsel Robben Island. Die ersten zehn Jahre gab es für den Gefangenen kein Bett und keinen Pyjama. Und zum Trinken nur kaltes Wasser. Die Liste der unmenschlichen Behandlungen, Strapazen und Demütigungen durch das Apartheid-Regime liest sich lang.

Eine Demütigung, die einen als Leser immer wieder betroffen macht, ist die Ungewissheit, ob die wenigen Briefe, die Mandela am Anfang der Haft schreiben durfte, auch wirklich angekommen sind. Immer wieder fragt Mandela bei seinen Adressaten nach. Er monologisiert in diesen Briefen nie, sondern richtet sich immer mit viel Neugier und Einfühlungsvermögen an sein Gegenüber, seien es Gefängnisbeamte oder Freunde, seien es seine Kinder oder seine Frau.

"Kleider, vom Sturmwind zerfetzt"

«Jede Zeile ist hier Mauern sprengend, weitet die Enge der Zelle», schreibt Marko Martin in seiner Rezension des Buches für «Deutschlandfunk Kultur». «Eine neue Welt wird nicht von denen erschaffen, die tatenlos beiseitestehen, sondern von denen, die sich in die Arena begeben, deren Kleider vom Sturmwind zerfetzt sind und deren Leiber im Kampf bleibende Spuren davontragen», formuliert es Nelson Mandela.

Nelson Mandela 2008. (Bild: Dylan Martinez/AP)

Nelson Mandela 2008. (Bild: Dylan Martinez/AP)

Der spätere Friedensnobelpreisträger und Präsident Südafrikas (1994–1999) hat sich mit diesen Briefen auch schreibend in eine Arena begeben, hat in der Einzelhaft und trotz schwerster Arbeit im Steinbruch seine Würde bewahrt, liess sich nicht beirren. Und er hat in der Zelle Afrikaans, die Sprache seiner Gegner, gelernt. Das hat ihm bei seinen späteren Friedensbemühungen sehr geholfen. «Um mit einem Feind Frieden zu schliessen, muss man mit ihm arbeiten, und dieser Feind wird zum Partner», schrieb Mandela dazu.

«Worte als Kompass in einem Meer des Wandels»

Die Briefe sind nicht nur ein intensives Zeugnis eines aussergewöhnlichen Menschen und Menschenfreundes. Und es ist nicht nur ein dichtes, spannendes Dokument der Geschichte Südafrikas, sondern ein Buch, das durch das Vorbild Mandela Mut macht, auch in heutigen Zeiten das Engagement für menschliche und gerechte Politik niemals aufzugeben. «Mandelas Worte geben uns einen Kompass in einem Meer des Wandels», urteilt der ehemalige US-Präsident Barack Obama über dieses Buch. Er war gerade einmal zwei Jahre alt, als Nelson Mandela 1963 für fast dreissig Jahre hinter Gittern verschwand.

Nelson Mandela: Briefe aus dem Gefängnis. Verlag C. H. Beck, 752 S., Fr. 40.–

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