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Bestenliste: Das sind die besten Pop-Alben 2018

Internationale Quoten, Rollenspiele und Kampfansagen:
Vom Musikjahr 2018 bleiben vor allem die engagierten Musikerinnen in Erinnerung.
Marc Krebs
Meghan Remy alias U.S. Girls

Meghan Remy alias U.S. Girls

Die besten Pop/Rock-Alben international:

  1. U.S. Girls: In a Poem Unlimited
  2. Janelle Monáe: Dirty Computer
  3. Cardi B: Invasion of Privacy
  4. First Aid Kit: Ruins
  5. Christine & the Queens: Chris
  6. Florence + The Machine: High as Hope
  7. 7. Rosalía: El Mal Querer
  8. 8. Sophie: Oil of Every Pearl’s Un-Insides
  9. 9. Khruangbin: Con todo el mundo
  10. War On Women: Capture The Flag

Aus dem Spiel ist Ernst geworden

2018 war musikalisch über weite Strecken kein bemerkenswertes Popjahr: Technologisch erlebte man lediglich Upgrades, aber keine Revolution, ebenso blieben stilistisch bahnbrechende Innovationen aus. Ein Übergangsjahr also? Ja, eines, das Platz für Zwischenräume liess, für Zwischentöne auch. Ein Jahr, das vor allem wegen seiner Inhalte in Erinnerung bleiben wird. Denn weniger hat ein Stil oder ein Album den Pop-Diskurs dominiert, sondern vielmehr ein Thema: die Rolle der Geschlechter.

Obschon in den Charts des 21. Jahrhunderts Frauen den Ton angeben, von Adele über Rihanna und Taylor Swift bis Lady Gaga, machen sie an Festivals noch immer die Minderheit aus. Eine BBC-Studie zeigte, dass die Programme britischer Open Airs seit Jahren zu 80 Prozent männlich dominiert sind. Das sorgte für breite Diskussionen. Sängerin Lily Allen befeuerte die Debatte im Januar, als das Londoner Wireless Festival sein Programm bekanntgab. Sie strich alle männlichen Künstler vom Plakat. Übrig blieb enorm viel Weissraum.

Eine Initiative zeigt Wirkung

Die offensichtliche Unausgeglichenheit auf den Bühnen führte zu einer Initiative, der sich im Februar gleich 45 Festivals anschlossen: «Keychange». Das Ziel: Bis ins Jahr 2022 für «Gender Equality» zu sorgen, für ein ausgeglichenes Verhältnis weiblicher und männlicher Künstler auf den Bühnen.

Eines der einflussreichsten Open Airs Europas, das Primavera in Barcelona, hat diesen Schritt bereits vollzogen. Kürzlich veröffentlichte es unter dem Slogan «The New Normal» sein Programm 2019, das eine Gender-Quote von 50:50 aufweist. Gleichstellung als neuer Standard auf einer Open-Air-Bühne. Aber nicht nur eindeutige Forderungen wie jene nach Quoten stehen für den Pop-Jahrgang 2018, sondern auch der subversive Umgang mit Geschlechterrollen.

Da ist etwa die französische Sängerin Héloïse Letissier, die ihren Künstlernamen Christine and the Queens mit der Veröffentlichung ihres neuen Albums noch verkürzt hat: «Chris» lautet der Titel dieser liquiden Popchanson-Sammlung, die sie in einer betont maskulinen Inszenierung auf die Bühne bringt. Die Metamorphose der Gesellschaft und der besungene und vorgelebte Aufbruch finden sich auch bei der Avantgardemusikerin Sophie, die 1986 als Samuel Long in Glasgow geboren wurde und die Aufteilung der Welt in zwei Geschlechter hinter sich lässt.

Ein Song als Kampfansage

Natürlich pflegten schon David Bowie oder Grace Jones die Aufhebung von Stereotypen. Nur ist aus dem Spiel mittlerweile Ernst geworden. Es geht um Identität. Um Respekt. Und um die Akzeptanz anderer Lebensformen, wie das die afroamerikanische Musikerin Janelle Monáe auf ihrem Album «Dirty Computer» einfordert. Hatte sie sich bislang noch eine ausserirdische Hülle übergestreift, so tritt sie nun ohne diese Schutzschicht ins Rampenlicht und liefert ein menschliches Plädoyer für ein queeres, schwarzes, weibliches Leben ohne Scham oder Furcht. «If you try to grab my pussy, this pussy grabs you back», lautet eine der vielen starken Zeilen auf ihrem Album. Eine Kampfansage an all die übergriffigen Trumps dieser Welt.

An Härte wird sie von Cardi B, der Rapperin der Stunde, übertroffen, die ihre männlichen Kollegen einschüchtert. Die US-Band War On Women rüttelt mit ihrem feministischen Hardcore-Sound auf und den expliziten, engagierten Texten ihrer Frontfrau Shawna Potter. Und U. S. Girls, das Alter Ego der Singer-Songwriterin Meg Remy, beschäftigt sich in verführerischen Popsongs mit ernsten Themen wie Sexismus, Macht und Gewalt. So bleibt am Ende die Erkenntnis, dass dieses Popjahr inhaltlich alles andere als unbedeutend war. Um den Kampf für Anerkennung und Gleichstellung zu würdigen, finden Sie hier eine Top-Ten, die trotz der stilistischen Vielfalt – von Folk über Rock und Soul bis Rap – einen gemeinsamen Nenner hat: In jedem Album steckt eine Frau drin.

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