Konzert
Endo Anaconda: Bevor er in Pension geht, rockt er

Das letzte Mal in Luzern: Es war kein sentimentaler Abschied, den Stiller Has um Endo Anaconda dem Schüür-Publikum bereiteten.

Regina Grüter
Drucken
Teilen
Endo Anaconda in Höchstform.

Endo Anaconda in Höchstform.

Bild: Silvio Zeder (Luzern, 7. Januar 2022)

Ein Rocker mit schwarz geschminkten Augen, ein Hardcore-Rastafari, die meisten schon ein bisschen älter, erstaunlich viele aber auch jünger: Selten trifft man auf ein so diverses Publikum wie bei den Konzerten von Endo Anaconda und seiner Band Stiller Has. Die Luzerner Schüür ist ausverkauft, wenn auch nicht ganz so proppenvoll wie bei Phenomden im Herbst. Aus dem 8. Mai 2020 wurde der 7. Januar 2022 – dreimal musste das Konzert verschoben werden, nicht ganz alle haben von ihrem Billett Gebrauch gemacht. Stiller Has sind in veränderter Besetzung auf Abschiedstournee. «Zwei oder drei Jahre zu spät» sei er nun hier, sagt der Frontmann.

«I fühle mi wi us der Senioreresidänz usbroche.»

Endo Anaconda trägt jetzt Bart und sieht völlig verändert aus. Die Bewegungen, die Inbrunst, mit der er die neuen Songs der letzten Platte «Pfadfinder» ins Mikrofon schmettert, sind unverändert kraftvoll und charismatisch. Beim ersten Stück des Abends, «Pirat», wird der Sänger nur von Roman Wyss am Keyboard begleitet, der unglaublich locker über die Tasten gleitet. Vom glänzenden Gitarristen Boris Klečić kommen auch rockige Töne; er erhält den ganzen Abend über viel Szenenapplaus.

«Chräie» verströmt einen Hauch Disco. «Me darf tanze!» Der 66-jährige Berner hat Freude an seiner Band und liefert sich gegen Ende einen Scat-Battle mit dem Multiinstrumentalisten Bruno Dietrich am Schlagzeug. Wenn Anaconda es macht, findet man sogar Scat-Gesang gut.

Er verpackt seine dezidierte Meinung in komische und (selbst-)ironische Intermezzi und schafft so Brücken zwischen den Stücken, die davon erzählen, wie er die Welt sieht. Corona, Konsumkultur, Klimajugend – ein Stiller-Has-Konzert ist immer auch ein Geschichtenabend, Anaconda ein feiner gesellschaftspolitischer Beobachter.

«Grömpu, wo kei Sou brucht»

Stiller Has in veränderter Besetzung auf Abschiedstournee.

Stiller Has in veränderter Besetzung auf Abschiedstournee.

Bild: Silvio Zeder (Luzern, 7. Januar 2022)

Angefangen habe er, als der «Schwarze Afghane» noch positiv behaftet war. «Heute?», fragt Anaconda. «Weihnachtsbeleuchtung und Black Friday – Grömpu, wo kei Sou brucht.» Trotzdem war «Früecher» nicht alles besser. Davon handelt der zweitletzte Song auf dem «Pfadfinder»-Album.

«Znüni näh», «Aare» – Fehlanzeige. «Es esch keis Wonschkonzärt.» Freundlich aber entschieden fordert Endo Anaconda von gewissen Teilen des Publikums den nötigen Respekt: Es ist sein Abschiedsprogramm, und er lässt sich nicht lumpen. Und doch: In «Walliselle» erweist er «Lozärn» seine Referenz.

30 Jahre habe er sich «in den niedrigsten Niederungen der Schweizer Kultur» bewegt. Das ist Understatement à la Anaconda.

«Bliibid gsond ond fröhlech im Härze.»

Du auch, Endo.

Aktuelle Nachrichten