BIENE MAJA: Wie Maja zur berühmtesten Biene der Welt wurde

Die Trickfilmserie ist berühmter als die literarische Vorlage: die Abenteuer der Biene Maja im zeitlichen Kontext ihrer Entstehung gesehen.

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Maja und Willi heute – computeranimiert. (Bild: PD)

Maja und Willi heute – computeranimiert. (Bild: PD)

Was hatten wir für ein Glück. Es gibt wohl keine Generation, die mit mehr guten Kinderfernsehserien aufgewachsen ist als die heute Vierzigjährigen, die Kinder der 1970er-Jahre. Besonders denkwürdig sind die Astrid-Lindgren-Realverfilmungen «Pippi Langstrumpf», «Michel aus Lönneberga» oder «Karlsson vom Dach». Dann die in Kroatien gedrehte Serie «Die Rote Zora und ihre Bande» oder «Luzie, der Schrecken der Strasse» mit den animierten Knetfiguren Friedrich und Friedrich. Die Zeichentrickserien hiessen «Wickie und die starken Männer», «Heidi» oder eben «Die Biene Maja».

2012 wurde Maja 100

Während der Name der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren mindestens genauso bekannt ist wie die Titel ihrer Bücher, kennen wohl nur die wenigsten den Namen Waldemar Bonsels. Der Autor und sein Werk gerieten mit Ausnahme von «Die Biene Maja und ihre Abenteuer» beinahe völlig in Vergessenheit. 1912 erschienen, hatte das Buch in der deutschen Auflage bereits 1922 die Halbe-Million-Grenze überschritten. Seither hat der «Kinderroman» Millionen von Lesern in der ganzen Welt gefunden und wurde in über 40 Sprachen übersetzt.

Wieso das Werk in seinen ersten Jahren einen solchen Erfolg hatte, darüber wurde vor zwei Jahren anlässlich von Majas 100. Geburtstag wieder viel nachgedacht. Frauke Nahrgang hat in ihrer Neubearbeitung zum Jubiläum neben anderen Passagen auf die Kampfszene zwischen Bienen und Hornissen verzichtet. «Die Schlacht ist spannender Höhepunkt der Geschichte. Deutlich bis martialisch geschrieben, enthält sie Begriffe und Wertungen, die zwar dem Zeitgeist vor dem Ersten Weltkrieg entsprechen, heute aber in einer Art befremden, die einem Kinderbuch nicht angemessen ist», so Nahrgang.

In der Tat ist die Kriegsrhetorik im Bienenstock nichts für kleine Kinder und wurde im Ersten Weltkrieg auch von deutschen Frontsoldaten gelesen. Die aufmüpfige Biene geht diszipliniert aus der Schlacht hervor, auch sie hat den Kadavergehorsam gelernt.

«Die Biene Maja und ihre Abenteuer» und «Himmelsvolk» (1915) blieben Bonsels’ einzige «Kinderbücher», schon die Fortsetzung ist in erster Linie für Erwachsene gedacht.

Der Titelsong der Trickfilmserie aus der Mitte der 1970er-Jahre, von Karel Gott gesungen, ist an Harmlosigkeit nicht zu überbieten. In der «Welt» wurde freilich 2012 darüber spekuliert, was mit den Zeilen «In einem unbekannten Land / vor gar nicht allzu langer Zeit / war eine Biene sehr bekannt» noch – notabene unbeabsichtigt – hätte gemeint sein können. Nämlich das faschistische Deutschland bis Ende des Zweiten Weltkriegs – Bonsels war bekannt als Antisemit. Und dass der Erste Weltkrieg die Biene erst richtig bekannt gemacht habe.

Verjüngungskur für Maja

Wie dem auch sei, die berühmte ZDF-Trickfilmserie hat damit zum Glück rein gar nichts zu tun. Der Fernsehsender blieb nicht untätig und liess zum 100-Jahr-Jubiläum eine neue, computeranimierte Fernsehserie produzieren – von der Studio 100 Animation. Sie zeichnet zusammen mit den Buzz Studios für den Kinofilm (Filmkritik rechts) verantwortlich. Und Karel Gott hat beim Titelsong den Stab offiziell an Helene Fischer übergeben.

Im Zuge dieser allgemeinen Verjüngungskur sind Maja und Willi auch noch dem Schlankheitswahn zum Opfer gefallen, um sie den heutigen Sehgewohnheiten anzupassen, wie es heisst (ihre runden Bäuchlein waren doch so schön), und sie bewegen sich in einer zumindest äusserlich noch abgerundeteren, knalligeren, ja perfekteren Welt als ihre Pendants aus den 1970er-Jahren.

Auch «Wickie und die starken Männer» gibt es seit kurzem als computeranimierte TV-Serie, und voraussichtlich 2015 wird «Heidi» folgen. Fast ist man froh, dass das eigene Kind schon gross ist.

Regina Grüter