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Big Band kündigt die Liebe zu Siri

Das kleine Festival Szenenwechsel endete mit grosser Besetzung: Die stattliche Big Band der Hochschule Luzern trat mit neun Sängerinnen auf.
Pirmin Bossart
Dirigent Martin Fondse und die Big Band der Hochschule Luzern beim Konzert im Luzernersaal des KKL. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 3. Februar 2019)

Dirigent Martin Fondse und die Big Band der Hochschule Luzern beim Konzert im Luzernersaal des KKL. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 3. Februar 2019)

Es war ein bunter Strauss von Kompositionen, die das Publikum im KKL Luzern über zwei Stunden lang unterhalten haben. Der Jazz-Anteil darin lag weniger an traditionellen Jazz-Big-Band-Versatzstücken, als vielmehr in der Art und Weise, wie verschiedenste musikalische Einflüsse diszipliniert bis locker miteinander verwoben und mit kleinen improvisatorischen Passagen unter Strom gehalten wurden.

Dahinter steckt nicht zuletzt das Jazz-Verständnis des Komponisten und Bandleaders Martin Fondse, der das diesjährige Programm der Big Band der Hochschule Luzern für das Festival Szenenwechsel einstudiert hatte. Jazz ist für ihn in erster Linie eine Haltung der Offenheit, mit der die unterschiedlichsten Stile intoniert und verwandelt werden können. Als eine Sängerin während des Konzertes zum zweiten Mal durchgab, ob man nicht das irritierende Delay auf den Monitorboxen abschalten könne, meinte Fondse mit einem Schmunzeln: «It’s Jazz, so we have to accept what is here.»

Sängerinnen bringen Pop-Appeal

So abenteuerlich klang der Konzertabend dann aber doch nicht. Das umfangreiche Repertoire war über weite Strecken sehr zugänglich, ja, in seinen schwelgenden Linien und gut strukturierten Grooves fast gediegen. Viele Stücke ähnelten Pop-Tunes und souligen Balladen, mit einprägsamen Melodien und sehnsuchtsvollen Stimmungen, die von Bläsersätzen, markigen Riffs und einer Rhythm-Section aus Piano, Gitarre, Bass und Schlagzeug zu jazzigen Arrangements verwoben wurden.

Der Pop-Appeal des Programms hatte auch damit zu tun, dass die Big Band mit einem Chor von acht Sängerinnen und einem Sänger erweitert wurde. Martin Fondse hatte sich im Vorfeld gefreut, erstmals mit einer Vokal-Section den Big-Band-Sound durch zusätzliche Aromen und Farben erweitern zu können. «Es gibt keine Lead- und Backgroundsängerinnen, wir sind eine demokratische Band», bemerkte der Bandleader, wie er die Sängerinnen einsetzen wollte.

In mehreren Songkompositionen wechselten sich die Sängerinnen strophenweise ab oder agierten mehrstimmig. Die Big Band zog eigene Register, liess die Bläsersätze melodisch glänzen, unterlegte mit rockig jazzigen Rhythmen oder schwelgte gekonnt durch gefällige Stimmungsbilder. Das Instrumentalstück «Low end high fi» gefiel mit seinem funky Punch, scharfen Bläserriffs und einem Baritonsax-Solo. Etwas Samba-Feeling schwang mit im Stück über eine Rose in Brasilien, die auf einem Kliff dem Wind ausgesetzt ist. Den portugiesischen Text hatte die Schwiegermutter von Fondse beigetragen.

Maschinelle Rhythmen und Silben-Flows

Der Konzertabend stand unter dem Titel «The Future Is Now». So heisst eine Suite, die Fondse mit verschiedenen Jugendjazz­orchestern am Entwickeln ist. Die ersten drei Teile entstanden mit Big Bands in Holland, England und Deutschland, zwei davon wurden auch ins Programm gestreut: «Robot Taxi» klang mit seinen maschinellen Rhythmen und den Silben-Flows der Sängerinnen in der Robotersprache Roila im Vergleich zum übrigen Set geradezu futuristisch.

Auch «Particle Fever», inspiriert vom Teilchenbeschleuniger im Cern, nahm mit seinem ­technoiden Vorwärtspuls der Rhythm-Section, den spitzen Bläsereinwürfen und dem kurzen Synthi-Solo eine sanft avantgardistische Spur auf, die dem Programm gut tat.

Gespannt war man auf den vierten Teil der Suite, die Fondse letzte Woche mit den Studierenden in Luzern erarbeitet hatte. «She loves you, Siri» hiess das Thema, das sich um die emotionale Kommunikation mit dem virtuellen Apple-Butler Siri drehte. Was antwortet Siri, wenn man ihn mit Fragen um Liebe, Begehren und Beziehungen füttert? Die Antworten zeigten, dass Siri in diesem Gebiet sehr an Grenzen kommt, andererseits aber auch für heitere Bonmots sorgt. Auf die Frage «Glaubst du an die Liebe auf den ersten Blick», war Siri nicht verlegen. «Klingt sehr romantisch, aber lieber ein zweites Mal genauer hinsehen.»

Fondse verarbeitete die Siri-Antworten, die geschriebenen Teile und das Material, das aus den Improvisationen an den Proben entstand, zu einem abwechslungsreichen Stück in sieben Teilen. In scharfen Schnitten wurden songhafte Formen, Grooves, Sprechtexte, Chorgesang und Pop-Fragmente von George Michael und R.E.M. (Verweise von Siri) aneinandergereiht und zu einem hübschen Bogen gefügt.

So beschwingt und technisch gekonnt die jungen Musiker ihre Fantasien umsetzten, so wenig konnten sie offenbar etwas mit ihrem virtuellen Gegenüber anfangen. «Siri, I don’t love you», lautete ihr Fazit, das sie im Schlusssong intonierten, begleitet von Piano, Flöte und Gitarre und einem dezenten Grundieren der Big Band. Also werden wir weiter auf den Geräten herumdrücken oder Big-Band-Abende besuchen, und irgendwann ist sie vielleicht da: die Zukunft.

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