Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«BIG BANG»: «Wir waren uns sofort sympathisch»

Was dabei herauskommt, wenn zwei versierte Profis zusammen- arbeiten, ist jetzt wieder in Brunnen zu erleben. Annette Windlin und Gisela Widmer präsentieren ihr neustes Projekt.
Die Regisseurin und die Autorin: Annette Windlin und Gisela Widmer (Bild: Georg Anderhub / PD)

Die Regisseurin und die Autorin: Annette Windlin und Gisela Widmer (Bild: Georg Anderhub / PD)

Als Annette Windlin vor eineinhalb Jahren die Gebäude der ehemaligen Zementfabrik Brunnen betrat, die heute der Schwyzer Kantonalbank gehören, war ihr sofort klar: «Hier will ich Theater machen.» Wenn sich die renommierte Theaterfrau an die erste Begegnung mit dem Raum erinnert, in dem am 23. August die Premiere von «Big Bang» gefeiert wird, leuchten ihre Augen. «Die Hauptperson des Stückes ist sozusagen der Raum», erzählt sie begeistert weiter. Doch nicht das Düstere, Unheimliche der verlassenen Räume hat die Luzerner Regisseurin inspiriert, sondern die zahlreichen Spielebenen, die der Raum zulässt.

Der Raum war also gefunden, jetzt musste ein passendes Stück her. «Meine Ausstatterin Ruth Mächler und ich wollten schon lange etwas aus dem ‹Liebeskonzil› von Oskar Panizza aus dem Jahr 1894 machen. Wir wussten aber, dass wir nicht auf dieser moralischen Schiene fahren wollten, sondern einen anderen Fokus haben wollten. Da rief ich Gisela Widmer an und fragte sie, ob sie Lust hätte, an dem Projekt mitzuarbeiten», erklärt Annette Windlin.

Eigenes Verhältnis zur Kirche

«Kennen gelernt haben wir uns vor gut sieben Jahren an der Bar der Rathausbühne Willisau», schreibt per Mail die Autorin von «Big Bang», Gisela Widmer. Obwohl bald die Premiere ansteht, weilt sie in den Ferien. Das kann sie, denn das Stück ist inzwischen natürlich schon lange fertig geschrieben. «Mein Anteil an ‹Big Bang›, also der Text, umfasst meiner Meinung nach nicht mehr als 10 Prozent des ganzen Unternehmens», sagt sie. Denn Annette Windlin habe in den letzten neun Monaten nicht nur die Trägerschaft, den Strom oder das Wasser organisiert, sondern vor allem das Geld.

Doch auch wenn die Autorin ihren Anteil an «Big Bang» als nicht so gross erachtet, so arbeiten Annette Windlin und Gisela Widmer seit vergangenem September intensiv daran. «Die Recherchen für das Stück waren immens», sagt Annette Windlin.

Das Thema des Stückes (siehe Box) hätte Anlass geben können, über das eigene Verhältnis zur Kirche und Religion nachzudenken. Doch: «Ich habe mich mit diesem Thema auseinandergesetzt, als ich «Die Päpstin» gespielt habe. Und diese Fragen sind auch nicht relevant für «Big Bang», schmunzelt die Regisseurin.

Ein eingespieltes Team

Relevant für das Gelingen eines solchen Projekts ist allerdings, dass die Beteiligten gut zusammenarbeiten können. «Big Bang» ist ein Grossprojekt. Am Schluss müssen in dieser riesigen Halle ganz viele Elemente – Text, Regie, Technik, Musik, Ausstattung, Bewegung und natürlich das eigentliche Spiel – zusammenkommen», betont Gisela Widmer. Vorab musste aber vor allem die Zusammenarbeit zwischen ihr und Annette Windlin klappen.

«Wir waren uns an diesem Abend in Willisau sofort sympathisch und haben uns sehr gut verstanden», erzählt die Regisseurin lächelnd. «Und wir fanden, wir müssten mal was zusammen auf die Beine stellen.» Zwei Jahre später war die Premiere von «Notglück» (2008). Seither haben die zwei Frauen gemeinsam an «Grand Hotel Excelsior» (2010), «Stosszeit» (2011) und jetzt an «Big Bang» gearbeitet. Gisela Widmer immer als Autorin, Annette Windlin mal als Regisseurin, mal als Schauspielerin.

Ein eingespieltes Team, in dem jede ihre angestammten Aufgaben hat – könnte man meinen. Doch dem ist nicht so. «Es gibt kein Muster beim Vorgehen. Das variiert je nach Projekt.» Im Fall des sehr komplexen Projekts ‹Big Bang› stammen sogar ganze Textteile von Annette, weil sie auf diese Art ihre Vorstellungen von Regie und Choreografie in dieser riesigen Halle direkter umsetzen konnte», schreibt Gisela Widmer. «Die Art, wie wir arbeiten, passt sich dem Projekt an», stimmt Annette Windlin zu. Manchmal ist sie die treibende Kraft, manchmal die Autorin.

In einer ersten Phase gehen intensive Treffen, während denen viel geredet wird, dem Schreibprozess erstmal voraus. «Wir reden darüber, wie das Konzept aussehen soll, was die Themen sind, was wir erzählen wollen. Manchmal kommen wir schnell in einen Flow, manchmal dauert das etwas», erläutert Annette Windlin das Entstehen ihrer Stücke.

Diese Prozesse fühlen sich für die Regisseurin wie Pingpong-Spielen an. «Wir begeben uns gemeinsam auf unbekanntes Terrain, es ist ein Wagnis. Und darum ist es ja so toll.» Konflikte im Sinne von Streit oder totaler Uneinigkeit gibt es dabei nicht. «Bei kreativen Prozessen nenne ich solche ‹Konflikte› ein stetes Ringen um die optimale Lösung», stellt Gisela Widmer klar. Das gemeinsame Schaffen scheint eher einem organischen Wachsen zu ähneln. «Wer welche Idee hatte, wissen wir – auch bei anderen Projekten – am Schluss manchmal selber nicht mehr. Und es spielt auch keine Rolle», sagt Widmer.

An die eigenen Grenzen

Bei den Vorbereitungen zu «Big Bang» haben alle Beteiligten viel Zeit in der alten Zementfabrik verbracht. «Hier drin bekam man schnell eine pelzige Zunge wegen des Staubes. Wir haben mit dem ganzen Ensemble geputzt. Ich habe ein tolles Team», erzählt Annette Windlin sichtlich stolz. Doch nicht nur beim Putzen gibt das Team alles. Im Januar wurden die Rollen besetzt, und die Chor- und Bewegungsproben begannen, im April standen die Leseproben auf dem Programm, dann, nach einer ersten Probephase im Frühsommer, gab es zwei Wochen Ferien. Nun, seit Ende Juli, proben sie fast durchgehend, Annette Windlins Tage enden oft nach den technischen Problemen nachts um zwei Uhr. «Dieses Projekt führt uns alle an unsere Grenzen.»
Der bisherige Erfolg des Gespanns Windlin/Widmer beruht aber nicht nur auf viel Arbeit, sondern zu einem grossen Teil auch auf der gegenseitigen Wertschätzung und dem Respekt. «Gisela ist eine gute Autorin mit einem wunderbaren Sprach- und Rhythmusgefühl, eine messerscharfe Denkerin, die schnell, offen und geradeaus ist und viel Witz und Humor hat», beschreibt die Regisseurin ihre Autorin. «Was sie anpackt, hat Hand und Fuss. Sie ist sehr effizient, eine grossartige Motivatorin und vor allem eine gute Regisseurin», gibt die Autorin zurück.

Und sie sind sich einig: Das Besondere an «Big Bang» ist die Halle, die Grösse, das Spektakel. «‹Big Bang› handelt von Gott und der Welt. Buchstäblich», fasst Gisela Widmer zusammen. Da dürften zukünftige gemeinsame Projekte schon in Planung sein? «Nach der Derniere fahre ich erst mal ein paar Tage weg», verrät die Regisseurin. Und auch Gisela Widmer findet: «Gemach! Gemach! Zuerst jetzt einmal ‹Big Bang›.»

Im Himmel ist der Teufel los, und auf der Erde spielen Menschen Gott

Das Spektakel «Big Bang» in der alten Zementfabrik Brunnen greift zurück auf Oskar Panizzas groteske Satire «Das Liebeskonzil» von 1894, worin Gott mit dem Teufel einen Pakt eingeht, um die sündigen Menschen endlich Mores zu lehren. Eine weitere Inspiration ist Harry Mulischs Roman «Die Entdeckung des Himmels», in dem Gott nach der Entschlüsselung des Erbguts den Pakt mit den Menschen aufkündet. «Big Bang» lässt Gottes Pakt mit dem Teufel scheitern und in ein böses Duell zwischen dem Schöpfer und Satan ausarten: Im Himmel ist der Teufel los, und auf der Erde suchen die Wissenschaftler gottgleich den Urknall auszulösen.bug
Freitag, 23. August, 20.30, Premiere
Halle 6, Nova Brunnen (ehemalige Zementfabrik), weitere Vorstellungen bis 12. Oktober,

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.