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BILDER UND SKULPTUREN: Kubanische Kunst im Scheinwerferlicht

Die Galerie Vitrine in Luzern richtet in der Ausstellung «¡Hola Cuba!» ihr Augenmerk auf das Kunstbiotop Kuba – und stellt interessante Arbeiten von acht Gegenwartskünstlern aus.
Tiziana Bonetti
Der Künstler Ernesto Rodriguez Conzàlez mit seinem Werk «Tod einer neuen Ära» (2017). (Bild: PD)

Der Künstler Ernesto Rodriguez Conzàlez mit seinem Werk «Tod einer neuen Ära» (2017). (Bild: PD)

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Das Klima des karibischen Inselstaates Kuba wird vom Nordostpassat geprägt. In politischer Hinsicht weht seit 1961 jedoch noch ein anderer Wind, von der die Wetterlage im Land massgeblich beeinflusst wird: die Bise des Sozialismus unter Raúl Castro. In der Galerie Vitrine in Luzern sind derzeit Arbeiten von kubanischen Gegenwartskünstlern ausgestellt, die mit ihrer Kunst gegen den Wind segeln.

Vor diesem Hintergrund ist Ernesto Rodriguez Conzàlez’ skulpturale Serie der kardinalsroten Kommunistenengel als humoristische Replik auf die sozio-ökonomische Situation in Kuba zu lesen. Während sich so in der Plastik mit dem Titel «Exzess der Reinheit» (2017) die den Engel überfordernde Arbeit in Form von Industrieschaum förmlich vor ihm auftürmt, zeigt ein anderes Werk der Serie einen im Scherbenhaufen einer Cola-Flasche liegenden Engel. Steht die Cola-Flasche sinnbildlich für die Vereinigten Staaten, könnte der Sturz des Engels als Metapher für die schwierige Beziehung Kubas mit den USA verstanden werden.

Elemente der Popkultur untergemischt

In anderen Arbeiten von Conzàlez wie «Tod einer neuen Ära» (2017) überwiegt der ironische Ton gegenüber der gesellschaftspolitischen Botschaft. Für diese grossformatige Malerei hat der Künstler seine Figuren mit der Statik und dem Gesicht byzantinischer Ikonen ausgestattet. Das Geschehen in dem von Grau- und Goldtönen dominierten Bild ist in zwei Ebenen unterteilt: Im Hintergrund nehmen Kreuzritter den Kampf mit Teufelsfiguren auf. Für die Szene im Vordergrund dagegen hat Conzàlez auf die Ikonografie der Beweinung Christi zurückgegriffen. Allerdings hat er den Leichnam Christi gegen die berühmte Comic­figur Spongebob ausgetauscht. Bar jeglichen Lebenszeichens liegt der gelbe Schwamm in den Armen eines trauernden Ritters. In solchen eklektizistischen Spielereien, in denen der Künstler christlich-mittelalterlichem Bildvokabular Elemente der Popkultur untermischt, offenbart sich die Handschrift von Conzàlez.

Bezug zur eigenen Familiengeschichte

Einen anderen Zugang zur Politik eröffnet Guillermo Duffay in seiner skulpturalen Arbeit «Tausendfüsser» (2016). Diese zeigt einen an der Wand befestigten überdimensionierten Kamm aus Holz. Mit schwarzer Farbe bemalt und mit Kunstharz überzogen, besticht die Arbeit durch schlichte Eleganz. Inhaltlich steht sie damit in krassem Kon­trast zu ihrer glatt glänzenden Oberfläche: Steht doch die mit diesem Werkzeug verbundene Tätigkeit des Kämmens stellvertretend für die Sklavengeschichte des Landes und das «Durchstrählen» der kubanischen Bevölkerung. Nicht zuletzt stellt Duffay in dieser Arbeit einen persön­lichen Bezug zu seiner eigenen Familiengeschichte her.

Demgegenüber thematisiert Irving Torres – wenn auch nicht absichtlich – das Problem kubanischer Künstler, an gewöhnliche Malutensilien wie Farben und Pinsel heranzukommen. Indem Torres in seinen Malereien auf Autolack anstatt auf konventionelle Kunstfarben zurückgreift, spielt er auf dieses Defizit an. Im ausgestellten Gemälde «Maria» (2016) kullern orange Lackschlieren wie zähflüssige Tränen über eine sitzende Frau, die der Künstler in grüne Farbe getaucht hat.

Manipulierte Wahrzeichen

Mit dem Thema «Identität» setzt sich Rudy Rubio Rodriguez auseinander. Seine Serie der «Pieces of identity» (2017) besteht aus eigenständigen Malereien auf Leinwand, die sich auf die Farben der kubanischen Flagge beschränken. In der Galerie ist die achtzehnteilige Serie zu einer einzigen Monumentalcollage montiert. Angereichert mit Ikonen aus der Popkultur, einem ikonischen Bild von Fidel Castro, Logos von kommerziellen Produkten und manipulierten Wahrzeichen wie dem schreienden Kopf der Freiheitsstatue, steht der Betrachter vor einer mit Patina überzogenen, historischen Tapete. In den Farben Blau und Rot ruft sie wie eine Bastion zum Widerstand auf.

Der Galerie Vitrine ist eine Ausstellung geglückt, die einen vielseitigen Einblick in das gegenwärtige Kunstschaffen in Kuba ermöglicht; einen Einblick, der auch zeigt, wie geschichtsbewusst die Künstler mit ihrer eigenen Vergangenheit und Gegenwart umgehen.

Hinweis

¡Hola Cuba! (26. 8–14. 10.), Galerie Vitrine, Stiftstrasse 4, Luzern (bei der Hofkirche)

Ausstellende Künstler: Alain Martinez, Camillo Villavilla, Irving Torres, Rudy Rubio ­Rodriguez, Carla Maria Bellido, Ivan Rodrigues Basulto, Guillermo Duffay, Ernesto Rodriguez Conzàlez.

Ernesto Rodriguez Conzàlez, «Willkommen in Hollywood» (2017). (Bild: PD)

Ernesto Rodriguez Conzàlez, «Willkommen in Hollywood» (2017). (Bild: PD)

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