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BIOGRAFIE: Auf der Suche nach dem legendären Schatz

Alex Capus erzählt von Robert Louis Stevenson, Autor der «Schatzinsel». Dieser liess sich in der Südsee nieder. Sehr verdächtig! Was hatte er dort im Sinn?
Robert Louis Stevenson (gemalt von John Singer Sargent) 1887, zwei Jahre vor seiner Auswanderung nach Samoa. (Bild: PD)

Robert Louis Stevenson (gemalt von John Singer Sargent) 1887, zwei Jahre vor seiner Auswanderung nach Samoa. (Bild: PD)

Arno Renggli

Zuerst ist man ein wenig erstaunt über die Themenwahl von Alex Capus. Der erfolgreiche Schweizer Autor und Wahloltner hat zwar bereits mehrmals sein Flair für historische Themen beweisen, etwa in «Léon und Louise» (2011). Aber ein Buch über den englischen Schriftsteller Robert Louis Stevenson (1850–1894)? Klar, fast jeder hat in seiner Jugend «Die Schatzinsel» gelesen. Und auch «Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde» gehört zur Weltliteratur. Aber was interessiert nun das Leben dieses Autors heute?

Luxusanwesen auf Samoa

Man wird eines Besseren belehrt. Capus erzählt nicht nur eine Biografie, sondern auch die Geschichte eines Schatzes. Beides ist miteinander verbunden. Zunächst lesen wir, wie der Autor Robert Louis Stevenson 1889 auf der Südseeinselgruppe Samoa ankommt. Wegen seines Erfolgs mit der «Schatzinsel» ist er berühmt und wohl auch reich. Denn er baut für sich und seine Familie ein riesiges Anwesen, lässt Luxusgüter aus aller Welt kommen, beschäftigt Hausangestellte. Doch warum? So paradiesisch ist es auf Samoa auch wieder nicht. Die Abgeschottetheit von der Zivilisation zerrt an den Nerven der Familienglieder, die sich auf den Wecker gehen. Und das Klima ist Stevensons fragiler Gesundheit auch nicht zuträglich. Also warum?

Bevor Capus seine Interpretation liefert, erzählt er uns auch die Geschichte des Schatzes, der Stevenson mutmasslich zu seinem Roman inspiriert hat. Es handelt sich um den legendären Kirchenschatz von Lima. Dieser sollte um 1820 vor der drohenden Revolution gegen die spanische Herrschaft per Schiff in Sicherheit gebracht werden. Doch der damit beauftragte Kapitän Thompson veruntreute den Schatz, der nie wieder auftauchen sollte. Man erzählte sich, Thompson habe den Schatz auf «Cocos Island» vor Costa Rica vergraben. Was in den folgenden Jahrzehnten unzählige Schatzsucher und Expeditionen auf die unzugängliche Insel führte, wobei niemand fündig wurde.

Capus vermutet nun in seinem Buch, die «Cocos Island», wo der Schatz gelegen habe, sei eine andere Insel gewesen, eben in der Nähe von Samoa. Und Stevenson habe dort den Schatz gesucht, womöglich auch gefunden, wofür sein Reichtum spreche, von dem auch seine Erben noch profitieren.

Grosser Aufwand

Man spürt bei der Lektüre des Buches nicht nur die Begeisterung von Capus für das Thema, sondern auch, mit wie viel Akribie und Aufwand er sich dem Studium historischer Quellen gewidmet hat. Und Samoa hat er gleich mehrmals bereist, genauso wie die zweite, eben vielleicht richtige «Cocos Island».

So verbindet er auf unterhaltsame Art Biografien von Stevenson, Abenteurern und Piraten, mit Historie und exotischer Abenteuerlichkeit. Wobei abenteuerlich auch die eine oder andere seiner Interpretation anmuten mag. Aber Capus ist um fundierte Argumente selten verlegen. Diese Lektüre bereitet Vergnügen.

Alex Capus: Reisen im Licht der Sterne. Hanser, 220 Seiten, Fr. 28.90.

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