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BIOGRAFIE: Eine Rückschau von schonungsloser Offenheit

Die autobiografische «Spurensuche» der Journalistin Klara Obermüller zeigt prägende Momente ihres Lebens. Die auch selbstkritische Rückschau der 76-Jährigen berührt.
Theodora Peter, sda
Klara Obermüller erforschte und überprüfte Vergangenes. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Klara Obermüller erforschte und überprüfte Vergangenes. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Im Alter von neun Jahren erfuhr Klara Obermüller auf einem Waldspaziergang von ihrer Mutter, dass «meine Eltern nicht meine richtigen Eltern waren». Man erzählte ihr die Geschichte so, dass sie sich auserwählt fühlen sollte, ermahnte sie aber gleichzeitig, mit niemandem darüber zu reden. «Da ahnte ich, dass mit mir etwas nicht in Ordnung war.» Die Adoption blieb ein Tabu im wohl behüteten Elternhaus.

Erst Jahrzehnte später – als Redaktorin der «Weltwoche» – konfrontierte sich Klara Obermüller mit der Suche nach ihrer biologischen Herkunft. In der Psychiatrischen Klinik Königsfelden stiess sie Anfang der Neunzigerjahre auf die Akte ihrer leiblichen Mutter und erfuhr, wer die Frau war, der man den Stempel «Schizophrenie» aufgedrückt hatte und die 1973 starb, ohne dass sie ihre Tochter je wiedergesehen hätte.

Das Gewissen meldet sich

Rekonstruktion der Vergangenheit sei das eine, etwas anderes die Überprüfung, schreibt Klara Obermüller in der Einleitung zu ihrem Lebensrückblick. Je mehr sie in die Erinnerung eintauchte, desto öfter meldete sich das Gewissen zu Wort. Momente des Glücks kontrastieren mit Trauer und dem Bedauern über Verpasstes.

Am Geschehenen lasse sich nichts mehr ändern. «Die Frage aber, ob auch richtig war, was ich getan oder auch nicht getan habe, bleibt, und es ist ein Gebot der Ehrlichkeit, sich ihr zu stellen.» So wurmt es sie, dass sie ihre Eltern nicht rechtzeitig gebeten hat, ihr alles zu erzählen, was sie über ihre Herkunft wussten.

«Warum ist es so schwierig zu fragen? Aus Angst? Aus Scham? Aus falsch verstandener Rücksichtnahme?» Man könne nicht nachholen, was man im Leben versäumt habe und begangene Fehler nicht ungeschehen machen. «Doch schon nur darüber zu schreiben, tut gut.» Das Lesen auch, es stimuliert das Nachdenken über eigene offene Lebensfragen mehr als manches Sachbuch.

Ein Mann als «Naturereignis»

Zu Obermüllers schon fast spiritueller Lebensbilanz gesellen sich spannende Anekdoten über die Persönlichkeiten, die sie geprägt haben, darunter ihr wichtigster Lehrmeister, «Du»-Chefredaktor Manuel Gasser und ihre grosse Liebe Walter Matthias Diggelmann.

Der Schriftsteller brach 1973 «wie ein Naturereignis über meine wohlgeordnete Welt herein und wirbelte durcheinander, was ich mir so schön aufgebaut hatte». Für «Dag», der sechs Jahre später an Krebs starb, gab sie ihr bürgerliches und «wohlbestalltes» Leben als NZZ-Feuilletonredaktorin auf. Ein Aufbruch, den sie als grosse innere Befreiung erlebte, die bis heute nachhallt.

Das Älterwerden war auch für Klara Obermüller kein einfacher Prozess. Die Pensionierung Ende 2001 als Moderatorin der «Sternstunde Philosophie» stürzte sie anfänglich in eine Krise. «Wer bin ich denn noch, wenn ich nicht mehr arbeite und keine Leistung mehr erbringe?», erinnert sie sich im Gespräch an ihre damaligen Gefühle. Den selbst auferlegten Leistungsdruck hat sie aber mittlerweile abgelegt. «Inzwischen habe ich eine gute Balance gefunden und verfalle nicht gleich in Hektik, wenn ich gerade nichts zu tun habe.»

Klara Obermüller. Spurensuche. Xanthippe, 206 Seiten, ca. Fr. 30.–.

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