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BIOGRAFIE: Hillary und der Wille zur Macht

Sie wird wohl die erste Präsidentin der USA. Die persönliche Geschichte und die politische Karriere von Hillary Clinton ergeben ein stimmiges psychologisches Bild über ihre Motivation, die Wahl ihrer Mittel und ihre Beziehung zu Bill.
Arno Renggliarno.renggli@luzernerzeitung.ch
Ihre Ziele hatte Hillary Clinton stets fest im Auge. Ihre Biografie gibt ein entsprechend homogenes Bild ab. (Bild: Keystone)

Ihre Ziele hatte Hillary Clinton stets fest im Auge. Ihre Biografie gibt ein entsprechend homogenes Bild ab. (Bild: Keystone)

Als Anfang 1998 das ganze Ausmass von «Monicagate», Bill Clintons Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky, bekannt wurde, war dies für die damalige First Lady Hillary privat wie politisch wohl einer der bittersten Momente ihres Lebens. Ihr Mann war sowohl des Fremdgehens wie auch des nachfolgenden Lügens überführt worden.

Wie Hillary mit dieser Situation umging, passt zu ihrem Charakter, wie er in der Biografie der langjährigen USA-Korrespondentin Dorothea Hahn zusammenhängend aufscheint. Eine Biografie, die auf explizites Psychologisieren weitgehend verzichtet und chronologisch die Fakten von Hillarys Leben und Karriere wiedergibt. Doch gerade daraus ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild der mutmasslichen neuen US-Präsidentin.

Kompromisslos auf der Seite des Gatten

Doch zurück zur Lewinsky-Affäre: Im privaten Rahmen hat Hillary ihrem Mann gehörig den Kopf gewaschen, wie zu vernehmen war. Öffentlich aber stellte sie sich kompromisslos an seine Seite, reagierte auf Anfeindung mit harten Gegenattacken. Und siehe da: Diese Loyalität machte sie in den Augen vieler Amerikaner plötzlich sympathisch, derweil sie vorher doch stets vor allem spröde und unnahbar gewirkt hatte.

Tat sie es aus Liebe? Wie genau die emotionale Verbindung zwischen Hillary und Bill war, entzieht sich der Aussensicht. War es politisches Kalkül? Sicher auch. Ihre Beziehung war von Beginn an mit Ambitionen verbunden – beidseitig: Sie sah sein charismatisches Potenzial, das ihn ganz noch oben bringen konnte. Und er sah ihre Klugheit und Tatkraft. Sie waren ein Dream-Team, der Erfolg führte sie nach ganz oben.

Entsprechend hatte Hillary schon vor «Monicagate» stets zu ihrem Mann gehalten, in politischen wie privaten Turbulenzen. Denn der flotte Bill hatte seit je Affären. Hillary verteidigte, vertuschte, spielte herunter, bügelte aus. Dies vor allem auch, um ihre beiden politischen Ambitionen nicht zu gefährden.

Ambitionen, das ist das Stichwort, das sich seit Kindesbeinen an wie ein roter Faden durch die Biografie von Hillary Clinton zieht. Ein Faktor ist ihr Elternhaus. Da war ein Vater, der die Bemühungen und Erfolge seiner Tochter zynisch kleinredete und dessen Anerkennung sie doch so sehr wünschte. Und da war auf der anderen Seite eine Mutter, die Hillary ermutigte, auch als Mädchen stark und unabhängig zu sein. Lange Zeit stand sie im Banne der zwei wichtigsten Männer in ihrem Leben – Vater und Ehemann. Ein Zeichen, dass sie sich davon gelöst hat, war der Verzicht auf die beiden Nachnamen Rodham und Clinton als Label ihres aktuellen Wahlkampfs. Da tritt sie als Hillary auf.

Zum grossen Ehrgeiz, den sie schon in jungen Jahren zeigte, kam gleichermassen ihre überragende Intelligenz, wegen der sie immer wieder politische Förderer fand und die ihr auch Gegner attestieren. So schaffte sie es in kürzester Zeit, sich auch mit komplexen Materien vertraut zu machen, sei es in politischen, juristischen oder finanziellen Themen, Letzteres etwa in Bezug auf die Börse.

Das Geld ist ein weiteres Dauerthema ihrer Biografie, sie verstand virtuos, es zu beschaffen für Wahlkämpfe, für die Familienschatulle. Zugleich bot sie Angriffsflächen, etwa in der Whitewater- Affäre, einer Kontroverse um Immobilienfinanzierungen der Clintons. Sie opferte durchaus moralische Grundsätze, wenn es die Opportunität verlangte.

Vergewaltiger verteidigt, Opfer diskreditiert

In Hillarys Biografie gibt es viele Beispiele für Opportunismus. So trat sie zwar für Frauen- und Mädchenrechte ein, auch im Ausland. Wurde dadurch aber die Beziehung zu einem wichtigen Potentaten gefährdet, machte sie Rückzieher. Ein anderes Beispiel, das Dorothea Hahn erwähnt: Als junge Anwältin wurde Hillary zur Verteidigung eines Mannes gezwungen, der ein 12-jähriges Mädchen vergewaltigt hatte. Dabei diskreditierte sie das Opfer nach allen Regeln der Kunst.

Stets war ihr Erfolg am wichtigsten. Wie sie dabei als Person wirkte, schien ihr lange Zeit egal zu sein. Passend zum Charakterbild legte sie viele Jahre wenig Wert auf Äusseres, auf Frisuren, Make-up, Schmuck und elegante Kleidung. Doch als es ihr politisch sinnvoll erschien, trat sie prompt topgestylt auf.

Die gleiche Flexibilität bewies sie auch in sozialen Fragen. Sie engagierte sich, aber änderte notfalls ihren Kurs. Ein einschneidendes Erlebnis war die Gesundheitsreform, die sie unter dem Präsidium ihres Mannes mit grossem Einsatz vorantrieb («Hillarycare») und wo sie scheiterte. Hillary zog ihre Lehren daraus, später unterstützte sie etwa Clintons starke Einschränkung der Sozialhilfe und die harte Linie gegen Straffällige.

Als Hardlinerin erwies sie sich auch, als sie diverse Kriegsaktionen der USA befürwortete, vor allem nach dem Terror des 11. Septembers: Afghanistan, der Irak, Libyen. In Bezug auf den Irak rang sie sich später zwar zum Wort «Fehler» durch, blieb aber bei der prinzipiellen Haltung, die USA müssten in Konflikten hart durchgreifen.

Berechnend und berechenbar

Sehr ehrgeizig, sehr intelligent, lernfähig in Bezug auf ihr Auftreten, moralisch flexibel, wenn es um politische Ziele geht: So könnte man Hillary Clinton aufgrund ihrer Biografie charakterisieren. Was für eine US-Präsidentin wird sie wohl abgeben? Eine berechnende und eine berechenbare. Letzteres meint – als Gegenteil von unberechenbar –, dass sie bei allem Machtgebaren in der Regel rational vorgehen wird. Eine Rationalität, bei der zwar der Zweck die Mittel heiligt und nicht primär die Moral zählt. Die aber, wenn ein Donald Trump die Alternative ist, gleichwohl positiv zu bewerten ist.

Arno Renggli
arno.renggli@luzernerzeitung.ch

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