Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BIOGRAFIE: Maria Theresia hatte Lust zu dominieren

Die Französin Elisabeth Badinter schreibt über die österreichische Monarchin Maria Theresia. Die Machtpolitikerin setzte Charme und Schauspieltalent gezielt ein.
Interview Stefan Brändle, Paris
Die Habsburgerin Maria Theresia bestieg als erste und einzige Frau den österreichischen Thron. (Bild: Getty)

Die Habsburgerin Maria Theresia bestieg als erste und einzige Frau den österreichischen Thron. (Bild: Getty)

Interview Stefan Brändle, Paris

kultur@luzernerzeitung.ch

Elisabeth Badinter, Maria Theresia war eine konserva­tive Herrscherin in einem konservativen Umfeld. Was hat Sie als bekennende Feministin an ihr angezogen?

Maria Theresia war völlig einzigartig für ihre Zeit. Sie war sicher sehr konservativ eingestellt, autoritär, gar bigott, und insofern nicht sehr modern. Aber sie war auch mit einer Situation konfrontiert, die mich an die Lage der Frauen im 21. Jahrhundert erinnert.

Wie meinen Sie das?

Maria Theresia hatte drei Rollen, als Frau, Mutter und Berufstätige. Sie war natürlich weit vom heutigen Leben entfernt, herrschte sie doch im 18. Jahrhundert über ein immenses Reich. Aber sie leitete dessen Geschicke vierzig Jahre lang, was heute eine normale Berufsspanne ist; sie kümmerte sich um einen Gatten, den sie wahnsinnig liebte und der sie ständig betrog; und dazu hatte sie 16 Kinder. Sie musste ihre Selbstständigkeit ständig beweisen.

Was war ihre Hauptleistung?

Sie führte ein Riesenreich in die Modernität. Sie erneuerte das spanische Hofzeremoniell, indem sie eine menschliche Nähe zu den Bürgern und Soldaten einführte. Und sie schaffte es, die Gunst des Volkes zu erlangen, indem sie sich als gute Mutter der Nation präsentierte. Weder Katharina die Grosse in Russland noch Elisabeth I. in England haben dieses Nebeneinander von Frau, Mutter und Berufsfrau geschafft. Maria Theresia ist deshalb ein wichtiger Bezugspunkt für die Geschichte der Frauen.

Doch hing sie als Co-Regentin, die nie formell Kaiserin war, nicht auch von Männern wie ihrem Gatten oder später ihrem Sohn ­Joseph II. ab?

Überhaupt nicht. Sie wollte gar nicht zur «Kaisergattin» gewählt werden, da sie das für erniedrigend hielt. Ihre Macht beruhte darauf, dass sie Königin von ­Böhmen und Ungarn war. Sie teilte die Macht nicht; vielmehr entfernte sie ihren Mann auf sanfte Weise von der Macht, und ihrem Sohn überliess sie nur ­einen kleinen Zipfel davon, was für Konflikte sorgte. Maria Theresia regierte allein – bis zu ihrem letzten Atemzug.

Dafür war sie emotional abhängig von Mann und Sohn.

Ja, und sie war sich dessen bewusst – auch in Momenten, wenn sie Entscheidungen fällte, die im Interesse ihres Gatten, aber nicht Österreichs waren.

Maria Theresia hatte Lust zu dominieren. Wie war ihr Verhältnis zur Macht?

Sie war eine Herrscherin, die ihre Lust am Regieren durch viel Charme und diplomatisches Geschick bemänteln konnte. In Versailles warnte der König seine Botschafter: «Seid vorsichtig, lasst euch von dieser Frau nicht bezirzen!» Sie verfügte über immensen politischen Instinkt, den sie einsetzte, wenn sie etwa mit dem Erbfeind Frankreich eine Allianz einging. Zu ihren femininen Waffen gehörte es, in der Öffentlichkeit zu weinen. Auf diese Weise appellierte sie etwa an den ritterlichen Geist der Ungarn, ihr gegen Friedrich zu Hilfe zu eilen.

Dann war sie also eine ­begabte Schauspielerin?

Schon als Kind hatte sie in der Theaterkunst brilliert. Sie konnte auf Knopfdruck weinen, um eine Sekunde später wieder eine andere Gemütsverfassung einzunehmen. Nachdem sie die Ungarn mit ihrer Sanftheit umgarnt hatte, befolgte sie bei der Krönung den kriegerisch-männlichen Ritus des Schwerthaltens.

Sie verkörperte auch die liebende Mutter.

Sie förderte das Image bewusst, indem sie sich viermal nacheinander mit einer wachsenden Zahl eigener Kinder malen liess. So verbreitete sie das Bild der «guten Herrschermutter» im Reich.

Was hat Sie bei der Aufarbeitung des Themas überrascht?

Ich glaube, dass sie uns noch heute etwas zu sagen hat. Viele Frauen mögen sich darin erkennen, wie Maria Theresia mit den Widersprüchen und Problemen ihres Lebens umgegangen ist.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.