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BIOGRAFIE: Mutig bis in den Tod

Vor 600 Jahren wurde Jan Hus als Ketzer verbrannt. Ein Jahrhundert vor Luther legte der mutige Priester die Basis für die Reformation. Und wirkt heute noch modern.
Jan Hus (1370–1415) in einer zeitgenössischen Darstellung. (Bild: PD)

Jan Hus (1370–1415) in einer zeitgenössischen Darstellung. (Bild: PD)

Arno Renggli

Eher konservativ mag höchstens seine Sexualmoral wirken. Aber das sollte man Hans Hus aus heutiger Sicht nicht ankreiden. Es ist eine andere Zeit um 1400, vor allem eine, in der gerade die Vertreter der Kirche auch sexuell über alle Stränge schlagen. Dass Hus dies anprangert, kann man auch heute nachvollziehen. Indes sind es das gesamte Verhalten des Klerus sowie viele Praktiken der Kirche, die Hus für nicht vereinbar mit echtem Christentum hält. Weshalb er auf die Barrikaden geht.

Arnd Brummer, Autor einer neuen Biografie über Jan Hus, ist in Konstanz aufgewachsen, in jener Stadt, wo Hus verbrannt worden ist. Aus einer katholischen Familie stammend, ist er schon als Schüler fasziniert von Hus, den die Lehrerin als Ketzer bezeichnet habe. Später bricht Brummer selber mit der katholischen Kirche, diesen Prozess beschreibt er 2011 im Buch «Unter Ketzern Weshalb ich evangelisch bin».

Gegen Pomp und Ablass

In seinem sehr lesenswerten neuen Buch über Jan Hus schildert er, wie dieser vom Land an die Universität Prag kommt und dort in nationale Konflikte zwischen böhmischen und deutschen Kräften gerät. Auch erfährt er von den Lehren des englischen Reformators John Wyclif, der einige Jahrzehnte davor gegen die Macht von Kirche und Papsttum gepredigt hatte. Wyclifs Theologie eines reinen Glaubens ohne Pomp, ohne Reliquienverehrung, ohne klerikale Raffgier, ohne Zölibat, fasziniert Hus. Wyclif, der 1384 eines natürlichen Todes stirbt, vorher geschützt durch seine enorme Popularität, hinterfragt bereits zu dieser Zeit die Rolle des Priestertums als Vermittler zwischen Gott und Mensch: Es brauche zum Beispiel keine Beichte, und jeder dürfe das Wort Gottes predigen.

Hus setzt sich, inzwischen Professor geworden, für ähnliche Ziele ein und hat, wie später Luther, nicht zuletzt die Absurditäten des Ablasshandels im Visier. Die Biografie zeigt auch auf, wie sich in grossen Teilen Europas politische und religiöse Machtkonflikte ineinander verstricken. Es ist die Zeit des Schismas, als plötzlich zwei, dann sogar drei Päpste Legitimation beanspruchten.

Hus, dank Charisma und gradliniger Haltung mit immer mehr Einfluss im Volk, wird zum Spielball der Mächtigen. Doch in seinen reformatorischen Aussagen bleibt er kompromisslos, auch der Kirchenbann kann ihn nicht schrecken.

1414 wird er, unter Zusicherung des freien Geleites, nach Konstanz eingeladen, um am Konzil seine Position zu vertreten. Doch dort kerkert man ihn ein. Beim Verhör vor der Konzilkommission wird er verhöhnt und niedergebrüllt. Das Konzil beschliesst die Verbrennung seiner Schriften, fordert Hus zum Widerruf seiner Thesen auf. Hus weigert sich, verlangt, man möge ihn im fairen Disput widerlegen. Am 6. Juli 1415 wird Hus vor den versammelten Konzilteilnehmern zum Tod verurteilt und stirbt noch gleichentags auf dem Scheiterhaufen.

Arnd Brummer: Jan Hus. Wichern Verlag, 144 Seiten, Fr. 21.90.

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