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Der Bläsermangel hat das Armeespiel erreicht

Seit der Gründung des World Band Festivals vor 20 Jahren ist das Schweizer Armeespiel jedes Jahr dabei. Dies vor allem wegen seiner hohen Qualität. Doch über der Zukunft ziehen Schatten auf.
Roman Kühne
Das Schweizer Armeespiel im KKL. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 23. September 2018)

Das Schweizer Armeespiel im KKL. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 23. September 2018)

Die Schweizer Militärmusik und Luzern verbindet eine lange Beziehung. Einerseits sind die exzellenten Brass Bands, Blasmusiken und Ensembles des Kantons wichtige Musiklieferanten für die verschiedenen Ensembles. Auf der anderen Seite ist die Region, vor allem das KKL, für die Armeespiele ein wichtiger Auftrittsort. So ist denn das erste Stück des Symphonischen Blasorchester des Schweizer Armeespiels im KKL am Sonntagabend auch ein wenig als Dank und Huldigung an die Festivalstadt Luzern gedacht, der Marsch «Vivat Lucerna».

Und es sind gerade oft diese einfacheren, teils sehr bekannten Stücke, wo sich die Qualität dieser handverlesenen Gruppe besonders deutlich zeigt. So etwa in der Zugabe «The Stars and Stripes Forever» von John Philip Sousa. Unter der Leitung des Dirigenten Roman Brogli-Sacher spielen die Musiker, darunter auch sechs Frauen, klanglich flexibel und elastisch. Dem weltbekannten Marsch und quasi Nationalhymne der USA wird jede Schärfe genommen. Der Klang ist austariert, die vier Trompeter überdecken nie das Holz. Die tiefen Instrumente legen weich und voll den Boden. Zusätzliche Celli, Streichbässe und Fagotte geben dem Orchester eine ganz eigene Wärme. Auch musikalisch spielt das Orchester lebendig. Ein Gedicht aus Weite und Bewegung ist der zurückgenommene Mittelteil, auf welchem sich das Piccolo-Solo voll entfalten kann.

Die Zahl der Musiker in Ausbildung geht zurück

Dass diese Qualität erhalten werden kann, ist nicht selbstverständlich. «Wir haben in der Schweiz immer weniger Bläser», führt Oberst Philipp Wagner aus, der Chef der Militärmusik. «Seit längerem geht die Zahl der Musiker in Ausbildung zurück. Jetzt hat diese Welle die Militärmusik erreicht. Vor 20 Jahren hatten wir im Klarinettenregister 16 – 17 Profis und zwei Amateure. Jetzt ist das Verhältnis praktisch umgekehrt.» Dies wirkt sich natürlich auch auf die Rekrutierung aus.

Vor wenigen Jahren galt es praktisch als Lottosechser, die RS in der Musik absolvieren zu dürfen. Philipp Wagner meint dazu: «Das Militärspiel ist kein Selbstläufer mehr. Heute müssen wir dafür Werbung machen.» Zumindest in Sachen Publikum gibt es noch keine Sorgen. Im KKL sind am Samstagabend auch überaus viele junge Gesichter auszumachen. Eher eine Gefahr sind die sich verändernden Hörgewohnheiten. So ist der Auftritt des Christoph Walter Orchestras von gestern Montag praktisch ausverkauft. Das Konzert des Armeespiels ist zwar gut besetzt, aber es hat doch auch zahlreiche leere Sitze. Müsste mehr Spektakel rein? Philipp Wagner sieht dies nicht als Problem: «Wir haben natürlich einen anderen Auftrag. Früher hatten wir ja die Concert Band, die stark auf Unterhaltung und Show setzte. Doch es war das Ensemble, das am wenigsten gebucht und nachgefragt wurde.» Für die Armee wäre es heute qualitativ schlichtweg unmöglich, dieses Ensemble auch noch zu besetzen. Es wurde deshalb vor ein paar Jahren aufgelöst. Auch das «Problem Nachwuchs» wird angepackt. So ernannte der Schweizerische Blasmusikverband das Jahr 2015 zum «Jahr der Klarinette». Für 2019 ist sind die «Vier Jahreszeiten des tiefen Blechs» geplant.

Euphonium – seltenes Soloinstrument

Im KKL lässt sich erleben, wie attraktiv Blasmusik auf diesem Niveau trotzdem immer noch ist. Denn im Gegensatz zum Klassikbetrieb hat sie es geschafft, wie selbstverständlich moderne Kompositionen in ihr Programm zu integrieren. Da ist z.B. «Yellowstone Portraits» des US-Amerikaners James Barnes (*1949), ein sinnliches Gemälde über den bekannten Nationalpark. Vor allem die leiseren Teile, der lange Aufbau des Anfangs, die teils exzellenten Solis auf Oboe oder Englischhorn sind exquisit. In den vielen Tuttis wird es allerdings schnell laut. Und wo das Armeespiel sicher noch zulegen kann, ist die Zeichnung der Farben.

Einen überragenden Genuss bietet der Euphonist David Childs. Mit einer brillanten Tongebung und Technik verwandelt er das «Euphonium Concerto» (2009 von Karl Jenkins) in ein romantisches und virtuoses Hörvergnügen. Als Zugabe intonierte er «Carrickfergus», ein traditionelles Volkslied aus Wales. Höhepunkt des Abends ist jedoch der zweite Teil, wo das Blasorchester in «El Camino Real» – eines der Paradewerke des früheren Blasmusikkomponisten Nummer 1, Alfred Reed – und vor allem in einer exzellenten Präsentation der «West Side Story» alle Register seines Könnens zieht. Hier passt einfach alles, Akzente, Gestaltung, Klangausgleich und Spielwitz. Kurz gesagt: hochstehende Blasmusik in Reinkultur.

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