Blind Butcher rocken das Luzerner Theater

Luzerns heissestes Rock-Duo ist gerade fest in Theaterhänden: Auch bei «Taylor AG» lernt es neue Facetten des Musizierens kennen.

Pirmin Bossart
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Christian Aregger (links) und Roland Bucher sind Blind Butcher. Bild: PD

Christian Aregger (links) und Roland Bucher sind Blind Butcher. Bild: PD

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Die Serie «Taylor AG» in der Box des Luzerner Theaters spielt in der Zukunft, wo Künstliche Intelligenz (KI) Arbeiten überflüssig gemacht hat. Menschen werden nur noch benötigt, damit sie Ideen produzieren. Dann bewegen sie sich wie in einem Gefängnis, hirnen herum und müssen jeden Tag etwas Handfestes liefern. Zum Beispiel: Warum nicht die Sonne abkühlen? Wir müssen die Sonne abkühlen, um die Welt zu retten!

Wenn sich gelegentlich die KI zu Wort meldet, verleihen ihr Blind Butcher die Stimme: Christian Aregger (Gitarre, Keys) und Roland Bucher (Schlagzeug, Electronics) sitzen auf einer Empore und sind generell für alles zuständig, was rockt und klingt. Das wuchtige Intro, der Schlusssong und alles, was während der knapp einstündigen Episode musikalisch zu hören ist: Knackig, trashig, atmosphärisch. Blind Butcher Style.

Zwei Stunden Zeit, um Ideen zu entwickeln

«Taylor AG» hat 30 Folgen. Gespielt wird an (gewerkschaftlich erlaubten) fünf Tagen in der Woche. «Täglich um 16 Uhr haben wir eine Besprechung mit dem Regisseur», sagt Christian Aregger. «Dort erfahren wir, worum es in der aktuellen Folge geht und an welchen Stellen Musik kommen soll oder möglich wäre. Dann haben wir zwei Stunden Zeit, um Ideen zu entwickeln.»

Blind Butcher schöpfen dann aus ihrem Fundus an Songs, die sie je nach Lust, Laune und Erfordernis für die jeweilige Folge anpassen. Oder sie generieren sie klangliche Atmosphären und Passagen, die auf Situationen des Stücks zugeschnitten sind. «Wir haben ein kleines Repertoire von solchen Tracks oder rhythmischen Modulen, die wir einsetzen können.»

Er habe stets die These vertreten, dass Blind Butcher eine langsame Band sei, grinst Roland Bucher. «Nun ist es gerade das Gegenteil: Wir müssen schnell reagieren, kreativ umsetzen, effizient sein. Das ist eine gute Übung für uns.» Kommt dazu, dass Blind Butcher auch die «Hausband» der Sitcom «Müllers» ist, die am Freitag im Südpol in die zweite Episode ging. So kam es, dass das Duo nach dem Taylor AG-Auftritt in der Box flugs ins Taxi huschte und sich – verspätet – in die Szenerie der Müllers mischte.

Blind Butcher erleben eine eigentliche Theaterphase: Schon im Januar hatte das Duo im Kinderstück «Raffzahn Jack» von Patric Gehrig im Kleintheater Luzern mitgewirkt. Einen weiteren Auftritt haben sie demnächst im Theaterstück «Weg» von Meret Matter, das im März 2019 im Schachthaus Bern uraufgeführt wurde und nun in Chur gezeigt wird. Die beiden Musiker schätzen das interdisziplinäre Zusammenarbeiten, die verschiedenen Menschen, Charakteren und Verbindungen.

«Man lernt, die Angst vor dem Scheitern zu verlieren»

Als gute Herausforderung erleben sie auch das Tempo des Erarbeitens, das Unfertige und trotzdem selbstbewusst Präsentierte, wie es zu «Taylor AG» und «Müllers» gehört. Nicht alles kann bis ins Detail geplant werden. «Man lernt, die Angst vor dem Scheitern zu verlieren und etwas mutig hinauszuschmeissen», sagt Aregger. «Das ist besser und spannender, als angesichts von möglichen Fehlern verhalten zu reagieren.»

Mindestens so sehr freuen sie sich aber auch, mal wieder als Blind Butcher mit ihrem wüsten Disco-Rock’n’Roll on the road zu sein und ihre Musik rauszuhauen. «Das ist unser Herzblut», sagt Aregger. Schon im Mai touren sie wieder durch Deutschland, Italien, Frankreich und Belgien. Und im Sommer spielen sie praktisch jedes Wochenende an einem Festival, inklusive B-Sides im Juni.