BLOGGERIN: Auf den Spuren des Phänomens Pony M.

Yonni Meyer (35) alias Pony M. ist eine der meistgelesenen Bloggerinnen der Schweiz. Ihre Kolumnen sind Kult. Ihre Follower - 63 999 auf Facebook - stürmen die Veranstaltungshallen. Annäherungsversuche einer 30- und einer 47-Jährigen.

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Die Zürcher Autorin und Kolumnistin Yonni Meyer alias Pony M. bei ihrem Auftritt in der Chollerhalle. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 24. Februar 2017))

Die Zürcher Autorin und Kolumnistin Yonni Meyer alias Pony M. bei ihrem Auftritt in der Chollerhalle. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 24. Februar 2017))

Auch ein Kind der 1990er

Vorm Eingang stehen junge Frauen in Lederjacken und mit einem «Bürzi» auf dem Kopf. Hippe Gesprächsthemen liegen in der Luft. «Wenn du nach Zürich gehst, geh auf diesen Blog», rät da eine. «Da hat’s die besten Gastro-Tipps ever.» Den Blog kenn ich, aber nicht das Bedürfnis, mein Leben nach der Kompassnadel eines Blogs auszurichten. Gehör ich zur Zielgruppe?

Was mich beruhigt: Yonni Meyer ist älter als ich. 35. Ständen wir auf dem Pausenplatz, wäre sie das coole Mädchen fünf Klassen über mir. Aber wir sind in der Zuger Chollerhalle. Und bei Meyers sich überschlagenden Superlativen kriegt mein Sprachempfinden öfters mal den Koller.

Meyers Künstlername Pony M. erinnert an die Discoformation Boney M. Die konnte zwar nicht singen, war damit aber verdammt erfolgreich. Wahrscheinlich würde Pony M. mir jetzt lachend ins Gesicht sagen: «Was glaubst du, warum ich so heisse?» Denn über sich selbst lacht Yonni Meyer ganz wunderbar. Oder: Sie redet über nichts, worüber sie nicht auch lachen kann. Die Frauen im Publikum stupsen sich an und kichern mit. Pony M. strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Und plötzlich passiert’s: Nach drei Texten fange auch ich zu kichern an. Meyer hat gerade ihrer biologischen Uhr zugehört, die genauso nervt wie meine. Jetzt sind wir bei den Modesünden der 1990er, die wir miteinander teilen. Bei den Nuggi-Anhängern und den Buffalo-Schuhen der Generation Techno. Als das Portemonnaie noch mit Automaten-Fotos überquoll, ohne dass man sich deshalb retro vorkam.

Meyer erzählt das mit viel Liebe. Und plötzlich kommt’s mir vor, als würde mich das coole Mädchen fünf Klassen über mir nach Jahren in den Arm nehmen und sagen: «Du bist genauso cool wie ich.»

Julia Stephan
julia.stephan@luzernerzeitung.ch
 

 

«Und suscht? Nöd so viel ...»

Unschlüssig Mit 47 Jahren ist man 12 Jahre älter als Pony M. 12 Jahre klüger? Nein, ganz bestimmt nicht. Nach drei Kindern, einer Ehe und viel Alltagsstress vielleicht um 12 Jahre nüchterner. Weshalb man auch die vielen Alkohol-Witze von Pony M. wie generell alle Alkohol-Witze nicht gerade zum Brüllen findet.

Dieser Punkt aber geht an Pony M.: Sie ist eindeutig lustiger als man selbst. Zwar nicht so lustig, dass man fasziniert und überrascht wäre. Aber doch so lustig, dass sie eine rappelvolle Zuger Chollerhalle mit einem zu 90 Prozent weiblichen Publikum zwischen 20 und 40 Jahren zum Wiehern bringt. Auch wenn es zu weiten Teilen ein Lachen auf Vorschuss ist: Denn hier sitzen ihre Fans, die ihr seit Jahren treu im Internet folgen. Pony M. weiss, was sie erwarten – die Fans wissen, was kommt. Und das ist: eine «Einführung ins Meitlitum», wie die studierte Psychologin Yonni Meyer alias Pony M. gleich zu Beginn klarstellt.

Super, Meitli sind wir ja alle gerne, bis ans Lebensende. Und weil Pony M. heute jegliche psychologische Besserwisserei (mit der sie ab und an im Internet glänzt) weglässt, darf man sich auch getrost als Meitli fühlen und entspannen. Bis zur Pause hält sich das Lachen aber in Grenzen: Zwölf Jahre Altersunterschied schmälern den Wiedererkennungseffekt – ein bisschen. Dafür amüsiert sich die Sitznachbarin aus Zürich umso mehr. Zuletzt zollt man der selbstironischen Performance der Online-Komödiantin dann aber doch Respekt. Es geht ums Flirten: «Bisch au ab und zue z Züri ...?» «Nei ...» «Und suscht?» «Nöd so viel ...» Schon lustig, oder?

Susanne Holz
susanne.holz@luzernerzeitung.ch