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BLUE BALLS FESTIVAL LUZERN: Charles Bradley: «Ich erlebe die beste Zeit meines Lebens»

Charles Bradley (67) hat viel erlebt und kam erst sehr spät in seinem Leben zu Ruhm und Respekt. Nun kommt der Soul­sänger – live ein echtes Erlebnis – nach Luzern ans Blue Balls.
Charles Bradley schlug sich als James-Brown- Imitator durchs Leben. (Bild: PD)

Charles Bradley schlug sich als James-Brown- Imitator durchs Leben. (Bild: PD)

Seine Geschichte ist absolut ein­malig. Charles Bradley lebte auf der Strasse, schlug sich als Koch und Gelegenheitsarbeiter durch und fand – Aussehen und vor allem die Stimme passen ja auch perfekt – als James-Brown-Imitator ein bescheidenes Auskommen. Eines Abends entdeckt ihn der Chef eines renommierten Indie-Soul-Labels und nimmt den damals 62-Jährigen unter Vertrag. Seitdem reist er um die Welt und geniesst Respekt, Ruhm und die Liebe seiner Zuhörer. Mit seinem dritten Album «Changes» kommt Charles Bradley (67) nach Luzern.

Charles Bradley, Ihre Karriere begann erst sehr spät. Haben Sie immer daran geglaubt, dass die Menschen Ihnen eines Tages zuhören würden?

Charles Bradley: Nein. Ich lief jahrzehntelang eher orientierungslos durchs Leben, immer auf der Suche nach meinem grossen Traum. Dann öffnete sich mir endlich die Tür, und ich schob mich schnell durch. Was ich jetzt seit fünf Jahren erlebe, das ist die beste Zeit meines Lebens. Ich habe bei den grössten Festivals wie Coachella und Glastonbury auftreten dürfen, und ich labe mich an der Liebe, die die Menschen mir jeden Abend entgegenbringen, wenn ich auf der Bühne stehe. Seitdem habe ich mich dem Leben gegenüber völlig neu geöffnet.

Inwiefern?

Bradley: Früher lebte ich in einem Kokon, ich nahm wenig Anteil an der Welt, war zumeist frustriert oder resigniert. Ich singe, seit ich sechzehn Jahre alt war. Aber ich hatte das Gefühl, nie eine wirkliche Chance im Leben bekommen zu haben.

In Ihrer Jugend waren Sie zeitweise obdachlos, später arbeiteten Sie als Koch und traten als James-Brown-Doppelgänger auf. Wer oder was hat Ihnen die Kraft gegeben, es immer weiter zu versuchen?

Bradley: Die Worte meiner Grossmutter, die mir stets sagte, dass ich meinen Geist und mein Herz offenhalten solle für Gott. Und Gott selbst. Mein Glaube hat mich kämpfen lassen. Ich bin immer ein anständiger, ehrlicher Kerl geblieben, und Gott hat mir dabei geholfen. Selbst wenn Polizisten mich brutal verprügelten und ich niemanden sonst im Leben hatte, konnte ich mich bei Gott an­lehnen. Er verstand mich.

«All der Schmerz, den ich durchlitten habe, hat mich stärker gemacht», sagen Sie im Stück «God Bless America».

Bradley: Ja, genauso ist es ge­wesen. Ich war lange Zeit ein wütender Mensch. Ich war ein Teenager zu den Zeiten von Martin Luther King, ich habe das alles noch am eigenen Leib erlebt, die Rassentrennung, die Ungerechtigkeiten, die polizeiliche Willkür und Brutalität. So lange ist das alles noch gar nicht her.

Und so viel hat sich in fünfzig Jahren auch gar nicht verändert. Im Video zu Ihrem Song «Change For The World» zeigen Sie hässliche Szenen voller Polizeigewalt.

Bradley: Amerika ist doch eigentlich eine zivilisierte Nation. Das Land ist ein Schmelztiegel mit sehr vielen Nationalitäten und Weltanschauungen. Aber nicht nur ich habe die Sorge, dass wir die Entwicklung gerade zurückdrehen, dass Ressentiments und Vorur­teile wieder auf dem Vormarsch sind. Ein Scheusal wie Donald Trump hetzt die Menschen gegenein­ander auf, gerade auch jene, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Das ist schlimm. Die Menschen müssten sozialer, weise und durchdachter mitein­ander umgehen; stattdessen gehen sie aufeinander los.

Der Titelsong «Changes» stammt im Original von Black Sabbath. Wem widmen Sie das Lied?

Bradley: Meiner Mutter. Eigentlich ist das gesamte Album eine Widmung an meine Mutter. Sie ist vor zwei Jahren gestorben. Am selben Tag, an dem sie ihren letzten Atemzug machte, hatte ich eine ausverkaufte Show in der Music Hall of Williamsburg in Brooklyn, vor 5000 Menschen sollte ich auftreten. So einen warmen und liebevollen Abend wie jenen, als ich dort auf der Bühne stand und sang, hatte ich noch nie erlebt. Ich war aufgelöst vor Trauer, aber ich wusste, ich muss das tun, ich muss dieses Konzert spielen. Später, als ich «Changes» von Black Sabbath hörte, bohrte sich der Inhalt des Songs sehr tief in mich hinein. Ich wusste sofort, das ist ein sehr persönlicher Song für mich.

Was hatten Sie für ein Verhältnis zu Ihrer Mutter?

Bradley: Ich verliess unser Zuhause mit vierzehn und begab mich auf meine Wanderschaft. Eines Tages nahm sie den Bus und besuchte mich in Kalifornien. Wir erneuerten unseren Bund, wir redeten sehr, sehr, sehr viel – wir lernten uns zu dieser Zeit im Grunde erst so richtig kennen. Es ist schon komisch. Ich habe viele Jahre lang für meine Mutter gesorgt, und jetzt bin ich wirklich allein für mich verantwortlich. Mutter hinterliess mir ihr Haus in Brooklyn, ich bin gerade dabei, herauszufinden, ob ich dort mein Leben verbringen möchte.

Was war das für ein Gefühl, mit 62 entdeckt zu werden?

Bradley: Ein herrliches Gefühl. (lacht) Ich war immer noch James Brown. 18 Dollar die Stunde habe ich in Nachtklubs in New York damit verdient, James zu sein. Ihn nachzumachen, war leicht für mich, ich hatte 58 seiner Lieder drauf. Aber ehrlich, immer nur der Imitator zu sein, war nichts, was man unbedingt bis an sein Lebensende weitermachen will.

Gabriel Roth, der Chef des bekannten New Yorker Soul-Labels Daptone Records, hat Sie quasi gefunden. Sie veröffentlichten 2011 ihr Debütalbum «No Time For Dreaming», zudem gibt es über Ihr Leben den Dokumentarfilm «Soul Of America».

Bradley: So ist es. Ich bin so unglaublich glücklich. Den Menschen bei Daptone, die natürlich auch alle auf meinem neuen Album mitspielen, werde ich immer unendlich dankbar sein. Diese Menschen haben mich verstanden; ich fühle mich bei ihnen sehr geborgen. Unser gegenseitiger Respekt ist riesengross.

Was für Menschen kommen zu Ihren Konzerten?

Bradley: Ich hätte gedacht, die meisten würden 50 Jahre und älter sein. Aber es kommen unheimlich viele Kids, Teenager. Ich dachte anfangs «Wow, was suchen die denn bei mir?» Heute weiss ich: Die Kids suchen dasselbe, was wir alle suchen. Nämlich Liebe, Ehrlichkeit, Werte und echte Musik. Gerade die junge Generation, der permanent eingetrichtert wird, dass es nur um Geld und Oberflächlichkeit gehe, findet bei mir Spiritualität und menschliche Wärme.

Spielen Sie bei Konzerten eigentlich auch mit ihrem Sex-Appeal?

Bradley: Durchaus. Gelernt ist gelernt. James Brown ist in dieser Hinsicht natürlich das ideale Vorbild, der bestmögliche Lehrmeister. Ich liebe die erotische Spannung auf der Bühne, dieses leichte Knistern. Aber ich bleibe jederzeit anständig und zurückhaltend. Es schauen ja schliesslich auch Kinder zu. (lacht)

Steffen Rüth

Dienstag, 26. Juli, 20.30
KKL Luzern, Luzerner Saal
VV: www.blueballs.ch, www.ticketcorner.ch

Ausgewählte KKL-Konzertleckerbissen

Freitag, 22. Juli: Ibeyi
Die französisch-kubanischen Zwillinge singen auf Englisch und
Yoruba und haben ihren eigenen minimalistischen Stil entwickelt.
KKL, Konzertsaal, 20.00

Sonntag, 24. Juli: James Arthur
Der englische Singer-Songwriter spielt Gitarre und Schlagzeug und hat auch als DJ gearbeitet, bevor er 2012 The X Factor gewann.
KKL, Luzerner Saal, 20.30

Montag, 25. Juli: Steven Wilson
Der Gründer der Progressive-Rock-Band Porcupine Tree solo. Vorab Elektro-Synthpop von Zola Jesus.
KKL, Luzerner Saal, 20.30

Freitag, 29. Juli: Kool Savas
Seit Mitte der 1990er-Jahre in der Berliner Hip-Hop-Szene aktiv, gilt er heute als einer der einflussreichsten Rapper Deutschlands.
KKL, Luzerner Saal, 20.30

Samstag, 30. Juli: Laura Mvula
Mit ihrem aktuellen Album «The Dreaming Room» beehrt die englische Soulpopsängerin erneut das Luzerner Blue Balls.
KKL, Konzertsaal, 20.00.

red

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