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BLUE BALLS FESTIVAL: Urs Leierer: «Bezahlbare Bands sind kaum zu finden»

Heute in einer Woche beginnt in Luzern das Blue Balls Festival. Festivaldirektor Urs Leierer erklärt, warum die Programmierung inzwischen enorm anspruchsvoll geworden ist.
Interview Pirmin Bossart
Blue-Balls-Direktor Urs Leierer (52): «Ich freue mich, wenn ich nach den Konzerten die Künstler zur Aftershow-Party treffe.» (Bild Corinne Glanzmann)

Blue-Balls-Direktor Urs Leierer (52): «Ich freue mich, wenn ich nach den Konzerten die Künstler zur Aftershow-Party treffe.» (Bild Corinne Glanzmann)

Interview Pirmin Bossart

Urs Leierer, für welche Acts haben Sie sich dieses Jahr ganz besonders eingesetzt?

Urs Leierer: Für alle, ohne Ausnahme. Es ist alles anderer als leicht, das Festival zu programmieren, wie das Aussenstehende manchmal annehmen.

Wo liegt das Problem?

Leierer: Die Open-Air-Inflation hat es für Events wie Blue Balls, Montreux oder Live at Sunset mit Einzelshows und kleineren Kapazitäten enorm schwierig gemacht, überhaupt noch bezahlbare Bands zu finden. Es herrscht eine zu grosse Nachfrage. Der Marktpreis wird durch die Angebote generiert. Live at Sunset hat sogar pausieren müssen.

Das heisst?

Leierer: Man muss den Bands Geld bieten. Die beste Offerte erhält den Zuschlag. Durch das Bieten steigen die Gagen inzwischen so hoch, dass es kaum mehr möglich ist, eine Einzelshow zu finanzieren, ausser wir verlangen für ein Ticket 250 Franken oder mehr. Aber das geht nicht. Open Airs können anders kalkulieren. Sie bieten zehn Bands am Tag für einen Package-Preis und haben eine weitaus höhere Kapazität.

In welchen Momenten schlägt für Blue Balls Ihr Herz höher? Was fährt Ihnen jeweils besonders ein?

Leierer: Wenn das Blue Balls Festival und die Konzerte als einen guten Event wahrgenommen werden und die Besucher Freude daran haben. Persönlich freue ich mich dann, wenn ich nach den Konzerten die Künstler zur Aftershow-Party treffe, mit ihnen etwas trinke, mich mit ihnen austausche und Kontakte knüpfe.

Wie viele Personen kümmern sich um das Programm? Wie bestimmen Sie

den roten Faden, das Menü?

Leierer: Das musikalische Programm machen der sogenannte Talent Buyer und ich. Er beobachtet den Markt, recherchiert, hört Musik, schaut Videos, spürt Trends auf und macht den Agenten der Künstler die Offerten. Wir besprechen alles gemeinsam, ich unterstütze ihn mit meinen Kontakten und gebe das finale Okay für jede Offerte der Headliner.

Neu ist auch Thomas Gisler, der frühere Chef der Luzerner Schüür, in Ihrem Team. Was ist seine Aufgabe?

Leierer: Er ist der neue Talent Buyer und ist auch für Artist Relation mitverantwortlich. Für das Programm 2016 war noch sein Vorgänger verantwortlich. Thomas Gisler setzt dieses nun um. Es ist keine leichte Aufgabe, die ganze Realisierung so direkt zu übernehmen, ohne die Acts selber gebucht zu haben. Es steckt eine riesige Logistik dahinter. 2017 wird er dann auch das Programm mit mir gestalten.

Haben Sie Beispiele?

Leierer: Allein das Catering-Booklet für die Künstler ist 120 Seiten stark. Es gibt Auskunft, wer wann was und wo zu essen erhält. Wir haben 1000 Logiernächte gebucht. Es sind 2500 Tageseinsätze, die vom Verein Luzerner Blues Session geleistet werden. Diese ehrenamtliche Leistung ist unerlässlich. Ohne diese könnten wir das Festival nicht finanzieren.

Ist die Programmierung vor allem ein finanzielles Pokerspiel, oder spielen noch andere Kriterien mit?

Leierer: Money rules the world. Aber wenn man mit Künstlern und deren Management einen guten Kontakt hat, kann das schon mal helfen. Das Verhandeln ist dann nicht so anonym. Agenten fällt es einfacher, Nein zu sagen, wenn der ganze Kontakt nur über E-Mails läuft. Bei James Blunt etwa war dies der Fall. Dessen Gage wäre sonst nicht bezahlbar.

Wo steht Blue Balls als Event in der Schweiz? Was hebt ihn von anderen grossen Festivals ab?

Leierer: Die meisten Open-Air-Festivals gleichen einander. Wir sind im Vergleich dazu quasi ein Feinkostgeschäft. Trotzdem stehen wir laut «Handelszeitung» mit Montreux auf Platz 4 der grössten Schweizer Festivals. Wir versuchen immer wieder, neue aufstrebende Künstler zu programmieren, die man entdecken kann. Auch präsentieren wir andere Kunstformen, was uns ein einmaliges Profil gibt.

Was bringt Blue Balls neben den Konzerten und dem Rummel der Bevölkerung von Luzern?

Leierer: Eine geschätzte Wertschöpfung von 10 Millionen Franken. Allein mit dem Medienniederschlag der letzten Blue- Balls-Ausgabe haben wir einen Werbewert von über 4 Millionen Franken generiert. Sehr viele profitieren vom Blue Balls Festival. Wir helfen auch, das KKL international zu verkaufen. Luzern Tourismus macht Werbung mit Blue Balls, das macht Luzern für Touristen auch kulturell sehr attraktiv. Die Musiker sind internationale Botschafter. «Luzern ist super, ich möchte hier leben», postete Laura Mvula bei ihrem letzten Auftritt auf Facebook. Viele verbreiten solche Messages. Wahrscheinlich ist die Wertschöpfung noch viel höher.

Gibt es Ziele, die Sie mit dem Blue Balls noch anpeilen?

Leierer: Ich hatte vor, mit einer steuerbefreiten operativen Stiftung ein Fundament zu schaffen, um damit das Festival langfristig sicherzustellen. Der Kanton Luzern hat das leider abgelehnt. Ausserdem hat er uns dieses Jahr auch den Betrag von 20 000 Franken gestrichen. Aber handkehrum haben wir dem Kanton für 2016 bereits 105 000 Franken an Quellensteuern vorausbezahlen müssen. So ist das nun mal.

Von welchen Seiten erfahren Sie in Luzern besonders viel Support?

Leierer: Die Wertschätzung ist da, wenn auch monetär nicht ausreichend. Wir liefern der Stadt Luzern mehr an Billettsteuern ab, als sie sich am Festival beteiligt. Aber ich bin es leid, darüber zu reden. Die Zusammenarbeit mit den Dienststellen der Stadt ist hervorragend, und das schätze ich sehr. Was ich auch schätze, ist, dass sich Luzern Tourismus finanziell am Festival beteiligt.

Gibt es Pläne, das Blue Balls in naher Zukunft zu verändern?

Leierer: Wir wollen nicht grösser oder anders werden, sondern möglichst das erhalten, was wir haben. Die Inhalte sind wichtig und dass wir am Puls bleiben. Wir wollen interessant sein mit dem, was wir bieten. Als Erstes gilt es, das Festival weiter finanzieren zu können. Es fehlt uns immer noch die finanzielle Sicherheit, um den Betrieb langfristig sicherzustellen.

Hinweis

Infos zu den Konzerten bzw. Daten des diesjährigen Blue Balls und VV: www.blueballs.ch

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