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BLUE BALLS: Grosse Geburtstagsparty mit Naidoo

Die «Söhne Mannheims» feiern ihr 20-jäh­riges Jubiläum mit einem Monsterkonzert im KKL. Ein Luzerner ist dabei sogar Überraschungsgast.
Die «Söhne Mannheims» sind mittlerweile seit 20 Jahren unterwegs. Wieder mit dabei: Xavier Naidoo (ganz links). (Bild Dominik Wunderli)

Die «Söhne Mannheims» sind mittlerweile seit 20 Jahren unterwegs. Wieder mit dabei: Xavier Naidoo (ganz links). (Bild Dominik Wunderli)

Roman Kühne

Söhne kann man sie eigentlich kaum mehr nennen. Sie sind verheiratet, erziehen Kinder, schwelgen in Familienleben. Doch bei ihrer grossen, restlos ausverkauften Geburtstagsgala vom Mittwochabend im Luzerner Saal des KKL ist von dieser bürgerlichen Kleinstädteridylle wenig zu spüren. Die «Söhne Mannheims» rocken und saften von der ersten bis zur letzten Minute. Über drei Stunden werden die letzten 20 Jahre abgefeiert, die musikalischen Helden von einst und jetzt ins Licht gerückt. Das geht von «Vielleicht», erstmals publiziert auf dem zweiten Album «Noiz» (2004), bis zu «Was ist geblieben» aus ihrer neuesten Scheibe «Evoluzion». Diese Wandelbarkeit ist wohl auch ein wichtiger Erfolgsfaktor der Band. Die ständigen Wechsel auf Gesang und Instrument machen die Gruppe musikalisch spannend, bringen Ideen und Kreativität ins Gefüge.

Nach ersten kleinen Auftritten, in Mannheim natürlich, an Benefizanlässen und Stadtfesten, trug sie ihr melodiöser Sprechgesang, ihre Balladenmusik in die ganze deutschsprachige Welt hinaus. Deutsch gesungene Lieder, Texte auf hohem Niveau, eine gehaltvolle Begleitung: Die Band hob sich von Anfang an ab vom üblichen Schmusi-Einheitsbrei, wie er durch die alemannischen Radios geisterte. Die Söhne waren und sind ein wichtiger Faktor bei der Etablierung der deutschen Sprache in der Rockliteratur. Und es war sicher kein Zufall, dass 2003 die erste Popakademie Deutschlands in Mannheim zu stehen kam.

Zurückhaltende Stars

Doch in den letzten Jahren ist es ein wenig ruhiger geworden. Der Abgang des Frontsängers Xavier Naidoo und des Komponisten und Keyboarders Michael Herberger rissen 2012 ein empfindliches Loch in das Bandgefüge. Die letzte Platte schaffte es nie in die allervordersten Chart-Ränge. Doch am Mittwoch, zur grossen Geburtstagstournee, sind sie beide wieder da – und halten sich zurück. Denn dies ist vermutlich die grösste Überraschung des Abends. Naidoo tritt überhaupt nicht dominant auf, hält sich oft im Hintergrund. Sicher, seine Stimme ist immer noch die auffallendste. Unangestrengt platziert er sein Volumen, lässt die Töne wandern, Stimmung, Farbe und Höhe modulierend. In «Jah is changing all» ist es sein Soul-Organ, reich und warm, das der Ballade ihre Sinne gibt.

Doch daneben wird auch den anderen viel Platz gelassen. So etwa dem aus Simbabwe stammenden Rapper Metaphysics und dem Jamaikaner Marlon B, die beide immer wieder mit den Söhnen konzertierten. Herrlich, wie sie in «Can you feel it» vom Album «Power of the sound» (2005) ihren Rap mit dem klaren Rockbeat kontrastieren. Weitere ehemalige Mitglieder, wie Rolf Stahlhofen oder Claus Eisenmann, erhalten ebenfalls Solozeit. Einzig in den choralen Tuttigesängen geraten einzelne Stimmen ans voluminöse Limit, werden überforciert.

Spontan und frei

Sehr überzeugend ist die «Hintergrundsarbeit». Denn rührende Balladen produzieren viele Gruppen und schnulzig sind sie oft auch an diesem Abend. Die Söhne Mannheims verfügen jedoch über eine exzellente Band. Sorgfältig wird der Klang ausgebreitet. Fern des so üblichen Teppichbreis werden die Linien entwickelt. In «Iz on» kontrastiert diese Melodienkulisse spannend den darüber fliegenden Rap-Gesang. Immer intensiver werden des Schlagzeugers Spiel, die Kapriolen des DJs, chaotisch schwappt der Begleitungsquell, schlussendlich ganz die Führung übernehmend. Ein richtiges Livekonzert. Und dies ist eine weitere Stärke der 20 Musiker auf der Bühne. Vieles scheint aus dem Moment zu entstehen, den Rhythmusinstrumenten werden Freiheiten gelassen. Die Schlagzeuger und Saitenspieler sind nicht einfach das schmückende Beigemüse, sondern voll eingebunden, gestalten aktiv das kreative Wechselspiel.

Die diversen Soli sind oft die Stichwortgeber im abwechslungsreichen Miteinander. Diverse Stücke werden so aufgepeppt, die CD-Patina mit einem Schwung auf die Seite gefegt. Als Überraschungsgast tritt der Luzerner Seven auf, der mit lockerer Art und swingender Kopfstimme ebenfalls einen kräftigen Tupfer setzt.

Frischer Schwung

Nie gehen so viele Handys hoch wie beim Auftritt des Lokalmatadoren. Dreieinhalb Stunden dauert das Konzert. Zum Schluss, etwa die fünfte Zugabe, längst fliessen die Stücke ineinander, ertönt «Was wird mich erwarten». Auch dieser Klassiker wird nicht einfach in seinem Staub belassen, sondern mit frischem Reggae-Schwung aufgeputscht. Womit eine erinnerungswürdige Geburtstagsfeier ihren Abschluss findet.

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