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BLUE BALLS LUZERN: Steven Wilson zwischen Jazz und Heavy Metal

Der Brite Steven Wilson, Gründer der legendären Porcupine Tree, bot am Blue Balls ein Gesamtkunstwerk. Die Show für ihn eröffnete Zola Jesus zögerlich.
Regina Grüter
Dynamisch: Steve Wilson im KKL. (Bild: Keystone)

Dynamisch: Steve Wilson im KKL. (Bild: Keystone)

Flankiert vom blonden Bassisten Nicolas Beggs und vom schwarzhaarigen Gitarristen David Kilminster, beide langhaarig, wirkt Steven Wilson fast ein bisschen unscheinbar. Ein Nerd inmitten von Metallern. Der Brillenträger nickt mit dem Kopf, macht Handzeichen, dirigiert seine hervorragende Band, wenn er nicht Gitarre oder Keyboard spielt.

Tschinellen-Dreschen

Der Gründer von Porcupine Tree, wohl die bekannteste seiner zahlreichen Bands, ist Komponist, Produzent und auch noch gleich Tontechniker. Die Musik hat stets etwas Orchestrales und verarbeitet von Progressive Rock und Metal bis hin zu Ambient, Noise und New Age verschiedenste Stile in einer eigenen Dynamik.

Den Konzertabend im Luzernersaal eröffnet hat am Montag aber die US-Amerikanerin Zola Jesus. Sie waren zu dritt, und doch wirkte sie irgendwie verloren auf der Bühne in ihrem roten Sackkleid. In den leisen Tönen war sie besser, begleitet nicht nur von Synthesizern, sondern von Keyboard und Posaune.

Düsterer Synthie-Pop mit einem Hauch Industrial, damit hat es die Singer-Songwriterin ein bisschen schwer an diesem frühen, warmen Montagabend. Aber sie taut auf, und das Publikum ist ihr wohlgesonnen. Bis sie sich schliesslich mit einem lauten Knall – sie drescht wie eine Verrückte auf die Tschinelle ein – verabschiedet, um Steven Wilson, dem britischen Geschichtenerzähler, Platz zu machen.

The Greatest

Die Videos zu «The Raven That Refused To Sing» ab dem gleichnamigen dritten Soloalbum (2013), «Routine» ab «Hand.Cannot.Erase» (2015) oder «Drive Home» (Video-EP 2013) sind Kunstwerke. Die Animationsfilme werden auf zwei Leinwände projiziert – das Visuelle ist eine wichtige Komponente in Wilsons Musik. Normalerweise seien die Visuals an seinen Konzerten massiv, ja spektakulär, meint Wilson. Dagegen wirkten sie im Luzernersaal wie kleine Post-it. Die Songs sind Kompositionen mit einer Dramaturgie, die sich über mehrere Minuten erstrecken und eine starke Dynamik aufweisen.

Das Keyboardsolo ist jazzig, die Gitarre von Dave Kilminster glasklar. Zuweilen wird es psychedelisch, dann wieder, Gitarren hoch, geht es zu und her wie an einem Metal-Konzert.

Wie offen und breit sich Wilson musikalisch bewegt, zeigt sich in einer kleinen Hommage. «Lazarus» von Porcupine Tree spielt er für den kürzlich verstorbenen David Bowie: «We lost the greatest musician of the 70ies. And we lost the greatest musician of the 80ies.» Prince zu Ehren performte die Band im April in Budapest «Sign O’ The Times».

Ein Funken Magie

Für einen magischen Moment sorgt der Song «Index» ab «Grace for Drowning» (2011): Alle lassen von ihren Instrumenten ab, stehen kerzengerade da und schnippen mit den Fingern. Die Musiker, nicht nur Steven Wilson, leben wirklich in dieser Musik. Es herrscht eine verdammt gute Chemie auf der Bühne. Da merkt man den Unterschied zu Neil Young, der in Montreux statt mit seiner alten Band Crazy Horse mit Willie Nelsons Söhnen auf die Bühne trat. Auch wenn die Jungen die Musik noch so perfekt spielen mögen, es ist einfach nicht die ihre.

Keine Wünsche offen

Die Jungs spielen ohne Unterbruch und ohne viel Gerede von 22 bis 23.45 Uhr, und kommen dann sogar noch mal zurück für eine Zugabe. Es war ein glänzendes Konzert mit leider zu vielen Löchern im Publikum. Für Fans – Durchschnittsbesucher: männlich, 46 plus – liess Wilson nichts zu wünschen übrig.

Regina Grüter

Hinweis

Das Blue Balls Festival dauert noch bis am Samstag. Tickets und das gesamte Programm finden Sie unter www.blueballs.ch

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