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BLUE BALLS LUZERN: «We got soul – merci beaucoup»

Blues als Basis, Soul als Geschmack, World als Vielfalt: Taj Mahal und Keb’ Mo’ mit Band waren am Sonntagabend so gut und unterhaltsam wie erwartet. Und sie zeigten auch ihr besonderes Verhältnis zueinander.
Keb’ Mo’ (rechts) und Taj Mahal überzeugen bei ihrem Blue-Balls-Auftritt im KKL Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher (23. Juli 2017))

Keb’ Mo’ (rechts) und Taj Mahal überzeugen bei ihrem Blue-Balls-Auftritt im KKL Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher (23. Juli 2017))

16 Songs und eine Zugabe lang halten die beiden World-Blueser Taj Mahal und Keb’ Mo’ mit Band im ausverkauften KKL Luzern das Publikum auf Trab. Mal mit funky Grooves, mal karg in Blues, mal in souliger Feierlichkeit, mal entspannt und leutselig. Die Musik ist immer schön leichtfüssig, nie zu banal oder zu extrem, gut ausgewogen, inklusive einem kleinen Bläsersatz (Saxofon, Trompete), Keyboards, Bass, Schlagzeug und zwei Backgroundtänzerinnen/-sängerinnen, die Taj Mahal als seine Töchter vorstellte.

Die beiden weltbekannten Protagonisten waren schon 1998 an einem der ersten Blue Balls Festival im Hotel Union in Luzern je einzeln zu erleben, wie sich Urs Leierer bei der Begrüssung erinnerte. Keb’ Mo’ (66) bezeichnet den neun Jahre älteren Taj Mahal (75) als Vorbild und Mentor. Dank dessen Beziehungen konnte er 1994 sein zweites Debutalbum «Keb’ Mo’» herausbringen, das ihm erstmals den Erfolg brachte. Er ist seitdem ein regelmässiger Gast am Blue Balls. Dieses Jahr haben sie nach zweieinhalbjähriger Produktionszeit als «TajMo» eine gemeinsame Platte veröffentlicht. Goldrichtig, sie neben Montreux auch am Blue Balls zu programmieren.

Blues aus einem trippigen Aquarium

Mit dem Song «Don’t Leave Me Here», der auch das Album eröffnet, gibt die Band im Weissen Saal den Einstand. Er setzt das Level der gut anderthalb Stunden, die noch folgen sollten: leichtfüssiger Groove mit jazzy Bläsern, Laidback-Atmosphäre mit einem bluesigen Vibe, den es immer wieder zu den Roots drängt. «If you’re going to Mississippi, where that delta sky is sweet and clear / I’m stuck here in Chicago, please don’t leave me here.» Die Bühne war in türkis-petrolblaues Licht getaucht, an der Decke tanzten die Reflexionen. Blues aus einem trippigen Aquarium.

Taj Mahal und Keb’ Mo’ ergänzen sich gut. Der Ältere sitzt auf dem Stuhl und wechselt zwischen Blues Harp, Gitarre, Banjo, Dobro und Ukulele. Keb’ Mo’, stehend, bleibt bei der Gitarre, die er meisterlich spielt: melodiös, flüssig, eigen, fundiert im Blues, aber auch in Soul, Jazz und Rock ausgreifend. Beide Musiker haben karibische Einflüsse in ihren Blues integriert und so ihre Roots-Haltung erweitert. Das Puristische geht ihnen ab, doch die Fundamente sind so souverän gelegt, dass die beiden mit vielen Variationen jederzeit auf der Spur handfest guter Musik bleiben.

Die aktuellen Album-Tracks werden mit je eigenen Songs aufgelockert, so mit dem vergleichsweise archaisch anmutenden Dobro-Track «Queen Bee» und dem innigen Soul-Blues «Don’t Miss Your Water» von Taj Mahal, während Keb’ Mo’ Songs wie «Every Morning» und «Am I Wrong» beisteuert. Die Live-Versionen der aktuellen Stücke kommen eine Spur rauer als auf der milder geratenen Albumproduktion. Je nach Song übernimmt der eine oder andere die Stimme, manchmal teilen sie sich die Strophen.

Wenn der Fluss Whiskey wäre ...

Intensiv geraten die paar Songs, die Taj Mahal und Keb’ Mo’ allein mit Gitarre und Stimme intonieren, darunter der karge «Divin Duck Blues» von Sleepy John Estes (1929) mit dem scharfkantigen Klang der Metallsaiten, dem funky Slide-Spiel von Keb’ Mo’ und den Zeilen «If the river was whiskey, I would be a diving duck.» Das Stück sei «un blues du campagne avec guitare», sagt Taj Mahal einleitend, der gelegentlich mit ein paar Französisch- und Deutschbrocken die knappen Moderationen besorgt. «Ça va? Alles gut?», ruft er ins Publikum. Yeah, yeah, alles bueno.

Gegen Ende des Konzerts wird der Sound festfreudiger und die Musik showmässiger. Es drängte das Publikum zum Aufstehen, animiert von den Musikern und dem steigenden Pegel der Intensität. Die Zugabe «Soul», ein Track vom aktuellen Album, setzt dem Blues-Abend das World-Krönchen auf. Es tänzeln die karibischen Grooves, riffen die Bläser und köchelt der Soul zur Leichtigkeit des Seins. Dazu werden die Namen von Städten und Ländern aufgezählt. Morocco, Malaysia, Abu Dhabi, Mumbai, Toronto. Luzern ist nicht dabei. Dafür Aleppo.

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

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