BLUES: Biscuit Jack – Das Erbe des Schmelztiegels

Auf ihrem dritten Album zeigen sich Biscuit Jack von einer Reise in Amerikas Süden inspiriert. Auch auf dem Album ist die Schwester von Jerry Lee Lewis.

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Moby Arnold und seine Band Biscuit Jack lassen den Groove kräftig rollen. (Bild: Roger Grütter)

Moby Arnold und seine Band Biscuit Jack lassen den Groove kräftig rollen. (Bild: Roger Grütter)

Pirmin Bossart

Die Songs von Biscuit Jack sind geprägt von Blues und Soul, sie gehen schnell und gut ins Ohr. Trotz einigen rockigeren Nummern hat die Platte eine sehr entspannte Aura und gefällt mit ihrem zeitlosen Feeling. Den Blues-Puristen mögen die Songs zu wenig klassisch auf den Blues-Punkt gespielt sein, während für normale Pop-Hörer immer noch zu viel Blues und Roots dominieren. Das Album ist erfüllt von Stimmungen des amerikanischen Südens, auch wenn der Akzent des Sängers schon mal verrät, dass es Hiesige sind, die da so munter und relaxed durch das alte Bluesland fahren.

New Orleans

2013 machte die Band – nicht zum ersten Mal – einen Ausflug in die USA. «Wir besuchten Louisiana und New Orleans. Da ist viel als Inspiration in unser Album eingeflossen», sagt Heinz «Moby» Arnold. Der Organist und Pianist ist seit 2007 in der Band dabei, nachdem er zuvor bei Bluecerne gespielt hatte. Er war von New Orleans so angetan, dass er gleich noch eine Woche verlängerte. «Ob auf der Strasse oder in Clubs, die Stadt ist voller Musik. Auch wenn einen stilistisch nicht immer alles anspricht, die Qualität ist immer unglaublich.»

Biscuit Jack adaptieren auf dem dritten Album «It Is What It Is» nicht die Musik von Dr. John oder Professor Longhair oder befassen sich sonstwie konzeptionell mit dem Erbe dieses musikalischen Schmelztiegels. Sie haben vielmehr die Atmosphäre und das Feeling inhaliert und daraus ein paar süffige Songs gemacht. Gitarrist Sascha Koch bringt seine feinen Licks und Soli ein, Moby Arnold schwelgt an den Tasten, Fredy von Moos (b) und Thomas Stocker (dr) halten die Festung, ein kleiner Bläsersatz wärmt die Seele, und ganz kurz und kühn lässt auch Produzent Marco Jencarelli einen gitarristischen Funken aufglühen.

Produzent: Soundfarm

«Wir wollten für dieses Album eine professionelle Aussensicht auf unsere Songs und Ideen», erklärt Arnold die Wahl von Marco Jencarelli als Produzent. Jencarelli führt seit Jahren das Soundfarm Studio in Obernau/Kriens und ist als (exzellenter) Gitarrist in der Band von Philipp Fankhauser schweizweit bekannt.

Jencarelli sei wie eine Art Coach gewesen, der mit seinen Tipps zu den Stücken und den Feinheiten der Instrumente sowie seiner Soundarbeit das Album geprägt habe. «Er hat unglaublich genaue Ohren und hört Sachen, auf die wir oft gar nicht achten. Da können schon kleine Hinweise die Musik entscheidend beeinflussen.»

Die Songs stammen aus den Federn von Sascha Koch und Moby Arnold. Die Texte erzählen in einfachen Bildern vom Geschmack des Südens, seinen Strassen, seinem Whisky und seinem Essen («Big Easy Food»). Diego Balli hat mit seinen Comic-Illustrationen ein schönes Cover gestaltet. Wer es aufklappt, findet sich in einem Juke Joint an der Theke. Bei den Gästen sind mit Tschuppi (Wonderbar) und Martin «Kari» Bründler (Lucerne Blues Festival) auch zwei Luzerner Blues-Freunde verewigt.

Auf dem weissen Flügel gespielt

Auf das Album geschafft hat es nicht zuletzt Frankie Jean, die Schwester des Rock-’n’-Roll-Pianisten Jerry Lee Lewis, die mit einem kleinen Museum in New Orleans an ihren berühmten Bruder erinnert. Natürlich war die Band dort, und Moby durfte kurz auf dem weissen Flügel spielen. «Da fragte sie mich, ob wir nicht mal einen Song für sie schreiben würden. Sie hatte auch schon den Titel: ‹That Bitch Is Crazy›.» Daraus ist der zweitletzte Track des Albums geworden. Biscuit Jack lassen mit gedämpftem Groove das Piano rollen, und ein kerniges Gitarrensolo hält die Bitch auf Trab.

CD-Release-Konzert: 16. Januar; Stadtkeller, Luzern Weitere Informationen: www.biscuitjack.ch