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BLUES FESTIVAL: Texas-Lady im Blues-Rausch

Ob melancholisch oder rockig, erdig oder soulig – am Donnerstagabend brachten Stars und Nachwuchsmusiker die Freude am Blues aus ihrer Heimat nach Luzern. Und machten fast alle glücklich.
Regina Grüter
Festhalten am Mikrofon: Texas-Blues-Lady Lou Ann Barton als Stargast am Donnerstag im Grand Casino Luzern. Bild: Manuela Jans (Bild: Manuela Jans)

Festhalten am Mikrofon: Texas-Blues-Lady Lou Ann Barton als Stargast am Donnerstag im Grand Casino Luzern. Bild: Manuela Jans (Bild: Manuela Jans)

Die Band spielt, ein Pärchen tanzt, die Leute reden, es herrscht eine fröhliche Stimmung. Das Durchschnittsalter im Publikum wie auf der Bühne ist naturgemäss höher als an einem Rockkonzert. Die Freude an der Musik ist das verbindende Element an diesem Donnerstagabend im Grand Casino Luzern.

«Mit Lou Ann Barton konnten wir einen Star verpflichten», lautet die sichtlich stolze Ansage, als die 62-jährige Texas-Blues-Lady den ersten grossen Act am 22. Lucerne Blues Festival bestreitet. Die Überleitung ist elegant: Zum Abschluss ihres Auftaktsets spielen die Kalifornier Dave Alvin & Phil Alvin mit «Marie, Marie» einen Rock-’n’-Roll-Song. Eigentlich aber ist melancholischer, in perfekter Harmonie vorgetragener Blues ihr Ding.

Texas-Blues-Legende ­ Lou Ann Barton

Um es vorwegzunehmen: Lou Ann Barton hat nicht ihren besten Abend erwischt. Die Grippe ist es nicht – sie tritt mit einer Tasse Tee auf die Bühne –, die die grandiose Sängerin der jungen Band immer ein bisschen hinterherhinken lässt. Dass sie sich trotzdem Würde und Haltung bewahrt, hat mit der Musik und der vorzüglichen Brüderband zu tun, die sie unterstützt.

Während man es von der Texanerin gewohnt ist, dass sie die ganze Bühne nutzt und in charmante Interaktion mit dem Publikum tritt – «Shake A Hand» lässt es erahnen –, hält sie sich oft am Mikrofon fest und schliesst die Augen: Die Musik hält sie auf Trab und sorgt für ein leises Lächeln. Nach 36 Jahren Bühnenerfahrung mit Grössen wie Jimmie und Stevie Ray Vaughan sitzen die Songtexte. «Shake Your Hips» von Slim Harpo (1965), ein Song, den auch die Rolling Stones gecovert haben («Hip Shake»), lässt denn auch den Letzten im immer dichter stehenden Publikum mit dem Fuss wippen.

Den Schlusspunkt setzte sie mit Real Texas Roadhouse Blues. «Get High Everybody», das passte dann schon ganz gut und hörte sich an als ironischer Kommentar zur Verfassung der Interpretin. Derart im Blues-Rausch auf der Bühne zu stehen, ist ein Kampf. Lou Ann Barton meistert ihn als «professional Lady» und gibt sogar eine Zugabe – auch wenn der bravouröse Gitarrist und heimliche Bandleader den Song vorgibt. Nichtsdestotrotz, we love you, Lou Ann Barton!

Gefährten von Muddy Waters

John Primer dagegen muss niemand retten. Der Gitarrist und Sänger ist der Frontmann von Muddy Waters 101 Tribute, einer exklusiv in Luzern aufspielenden Truppe aus namhaften Weggefährten der Blues-Legende Muddy Waters (1913–1983). Primer grinst, weil sein jüngerer Kumpel die falsche Blues-Harp erwischt hat. Doch er hat seine helle Freude an Steve Bell, der sein Instrument beherrscht wie kaum ein anderer – er ist der Sohn von Harpmaster Carey Bell, der ebenfalls jahrelang mit Muddy Waters unterwegs war. Der Chicago Blues mit Keyboard und Blues-Harp fährt in die ­Glieder. Die Songs, «Hoochie Coochie Man», «Baby Please Don’t Go» und viele, viele an­dere sind ein Stück Blues-­Geschichte.

Dann geben sich auch noch Bob Stroger und Billy Flinn die Ehre. Flinn wirkt steif wie ein Brett, holt jedoch den hellsten und klarsten Sound aus seiner Gitarre, während Stroger die Basssaiten streichelt wie eine Geliebte. Der bestangezogene Mann dort oben wird heuer 86!

Wenn man die alten und jungen Herren so auf der Bühne sieht, möchte man John Primer gerne glauben, dass der Blues niemals aussterben wird. Spätestens bei «Mannish Boy» hat auch der junge und hippe Schlagzeuger, unglaublich sec und präzis, langsam so richtig Spass.

Tanzen bis in ­ die Morgenstunden

Der Abend war noch lang. Zu lang für manche. Mit dem US-amerikanischen Blues- und Soulsänger Earl Thomas gings weiter auf der Casino-Bühne, der kanadische Bluesrocker JW-Jones machte den Abschluss im Casineum.

Das Pärchen vorne rechts liess sich die Freude an der Musik durch nichts vergällen – während der Zustand von Lou Ann Barton bei einigen auch für Unmut und Enttäuschung sorgte. Die beiden in sich versunken beim Tanzen zu beobachten, gehört mit zum Schönsten an diesem grossen ersten Abend der 22. Ausgabe des Lucerne Blues Festival.

Regina Grüter
regina.grueter@luzernerzeitung.ch

Die Texanerin Lou Ann Barton tritt im Casino Luzern im Rahmen des Lucerne Blues Festivals auf. (Bild: Manuela Jans- Koch (LZ))Die Texanerin Lou Ann Barton tritt im Casino Luzern im Rahmen des Lucerne Blues Festivals auf. (Bild: Manuela Jans- Koch (LZ))
Die Texanerin ist mittlerweile 62 Jahre alt und steht nach wie vor auf der Bühne. (Bild: Manuela Jans- Koch (LZ))Die Texanerin ist mittlerweile 62 Jahre alt und steht nach wie vor auf der Bühne. (Bild: Manuela Jans- Koch (LZ))
Lou Ann Barton. (Bild: Manuela Jans- Koch (LZ))Lou Ann Barton. (Bild: Manuela Jans- Koch (LZ))
Neue Luzerner Zeitung AG (Bild: Manuela Jans- Koch (LZ))Neue Luzerner Zeitung AG (Bild: Manuela Jans- Koch (LZ))
Neue Luzerner Zeitung AG (Bild: Manuela Jans- Koch (LZ))Neue Luzerner Zeitung AG (Bild: Manuela Jans- Koch (LZ))
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